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Quarantäne wegen Olympia Patrizia Kummer: «Ich würde das heute nochmals genau so machen»

Wer an den Olympischen Spielen 2022 in Peking teilnehmen wollte, musste geimpft sein – oder drei Wochen in Quarantäne. Während Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer mit einem gefälschten Zertifikat nach China gereist ist, begab sich die Schweizer Snowboarderin Patrizia Kummer in eine dreiwöchige Isolation. Im Interview erklärt die Olympiasiegerin von 2014, warum sie ihre Entscheidung bis heute nicht bereut und warum sie für eine Olympia-Teilnahme nie betrügen würde.

Patrizia Kummer

Olympiasiegerin Snowboard

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Die Walliserin Patrizia Kummer ist 2023 nach 15 Jahren im Weltcup vom Spitzensport zurückgetreten. Die Snowboarderin konnte sich als Olympiasiegerin, zweifache Vize-Weltmeisterin und mehrfache Gesamtweltcupsiegerin feiern. Den Gesamtweltcup gewann sie dreimal in Folge und holte neben diesen drei grossen Kristallkugeln noch vier kleine für den Disziplinenweltcup. Den Olympiasieg holte sie 2014 im Parallel-Riesenslalom in Sotschi.

SRF News: Mit ein paar Jahren Abstand – wie schauen Sie auf die dreiwöchige Quarantäne zurück?

Patrizia Kummer: Es war eine sehr spannende Zeit. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich drei Wochen in einem geschlossenen Raum verbringen werde. Ich habe mich aber super darauf vorbereiten können. Und ich habe auch gewusst, dass ich das will. Eigentlich ist es mir leicht gefallen, weil ich das für meine Freiheit gemacht habe. Die Freiheit, dass ich selbst wählen kann, was mein Körper braucht oder nicht. So war ich wirklich frei, obwohl ich in einem Raum eingesperrt war.

Wenn ich betrogen hätte, dann hätte ich nachher nicht mehr in den Spiegel schauen können.

War die Quarantäne mental oder körperlich nicht belastend?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe mich ja auf die Quarantäne vorbereiten können und habe das freiwillig gemacht. Es ist eine andere Geschichte, wenn man in die Quarantäne kommt, krank ist und nichts mehr machen darf. Ich habe kleine Tricks angewendet, damit ich ein Heimatfeeling habe. Zum Beispiel habe ich Sirup von zu Hause mitgenommen, damit ich einen vertrauten Geschmack dabeihabe. Zudem war mein Zimmer etwa 25 Quadratmeter gross, es war also nicht trist oder eng.

So lebte Patrizia Kummer während drei Wochen in Isolation

Warum haben Sie die drei Wochen Quarantäne auf sich genommen?

Ich habe mich damals viel mit dem Wort Freiheit auseinandergesetzt: Bedeutet Freiheit, dass man überall hingehen kann, wo man will, oder heisst Freiheit, dass man etwas nicht machen muss, was man auch nicht will? Für mich ist es klar zweiteres. Was für mich auch noch wichtig war: Wir Spitzensportler sind so privilegiert, dass wir etwas machen können, was wir lieben, und dafür auch noch Geld verdienen. Und wir können wirklich machen, was wir wollen. Aber, es gibt genaue Spielregeln und diese Spielregeln sind für alle dieselben, und das haben wir zu Saisonbeginn gewusst. Mir war also bewusst: Wenn ich die Freiheit haben will, mich nicht impfen zu lassen, dann muss ich mich drei Wochen in Quarantäne begeben. Ich finde einfach, wir Sportlerinnen und Sportler sind privilegiert, dann halte ich mich auch an die Spielregeln und mache kein Drama daraus. Ich würde das heute nochmals genau so machen.

Sie schauen also immer noch positiv auf Ihre damalige Entscheidung zurück?

Wenn ich betrogen hätte, dann hätte ich nachher nicht mehr in den Spiegel schauen können. Das war es mir einfach nicht wert. Ehrlichkeit ist für mich eines der höchsten Güter überhaupt. Ich war nicht bereit, das aufs Spiel zu setzen.

Das Gespräch führte Dominik Brand.

SRF 4 News, 14.4.2026, 16:09 Uhr ; 

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