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Homeschooling: Kein Unterricht zu Hause
Aus 10vor10 vom 16.09.2019.
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Reaktionen nach BG-Urteil «Homeschooling-Kinder schlagen hervorragende Laufbahnen ein»

In der Schweiz herrscht kein Anspruch auf Homeschooling. Die Reaktionen zum Bundesgerichtsurteil fallen kontrovers aus.

Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz begrüsst das Urteil. Geschäftsleitungsmitglied und Schulleiter Bruno Rupp betont gegenüber «10vor10» die Vorteile der Volksschule. «Die öffentliche Schule garantiert mit den professionell ausgebildeten Lehrpersonen und Schulleitungen das Erreichen der Kompetenzen nach Lehrplan und insbesondere auch die sozialen Kompetenzen.»

Anlass für das Urteil war die Klage einer Mutter beim Erziehungsdepartement Basel-Stadt. Ihr Antrag auf Homeschooling wurde 2017 abgewiesen, das kantonale Verwaltungsgericht lehnte die Beschwerde der Mutter ebenfalls ab. Nun hat auch das Bundesgericht bestätigt, dass die Bestimmungen der Bundesverfassung zum Grundschulunterricht keinen Anspruch auf privaten Einzelunterricht gewähren.

Den Kantonen stehe es aber frei, ein Recht auf häuslichen Privatunterricht vorzusehen. Die Mutter hatte kritisiert, die kantonale Regelung stelle ein faktisches Verbot des häuslichen Privatunterrichts dar und verletze das verfassungsmässige Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens.

«Zusammen mit den Kindern unterwegs»

Beim Verein «Bildung zu Hause Schweiz» ist der Präsident enttäuscht über das Urteil des Bundesgerichts. Willi Villiger ist selber Lehrer und hat seine zehn Kinder zusammen mit seiner Frau unterrichtet. «Homeschooling ermöglicht der Familie, eine Arbeitsgemeinschaft zu führen, zusammen mit den Kindern unterwegs zu sein und zu lernen und weiterzukommen im Leben.» Das gebe einen grossen Familienzusammenhalt, die Kinder können im eigenen Tempo lernen und oft auch nach ihren eigenen Interessen. Sie würden so recht individuell gefördert, was in der Regel zu sehr guten Resultaten führe.

Gegenüber SRF kritisiert der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz das Homeschooling. Es garantiere nicht den Wissensstand nach Lehrplan für Schülerinnen und Schüler, die wieder zurückkommen in die Regelschule. «Und Homeschooling kann gar nicht die sozialen Kompetenzen garantieren, die Kinder in der Klasse, im Klassenverband lernen», so Rupp.

Villiger bestreitet die Vorwürfe. Wenn dies so wäre, müssten signifikante Probleme aufgetaucht sein mit solchen Schülerinnen und Schülern. «Die Leute, die aus der Homeschoolbewegung kommen, sind unserem Kenntnisstand nach bestens integriert und haben hervorragende Laufbahnen eingeschlagen.»

Nationale Auswirkungen

Staatsrechtsprofessor Johannes Reich befasst sich intensiv mit dem Thema Homeschooling. Mit dem heutigen Urteil könnten die Bestimmungen in den Kantonen restriktiver werden. «Politisch könnte das so aufgefasst werden, dass man einen Freipass hat in einem gewissen Sinn, die Regelung des Homeschooling restriktiver auszugestalten, also Privatunterricht zuhause nicht zuzulassen oder unter ganz hohen Anforderungen nur zuzulassen.»

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78 Kommentare

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  • Kommentar von Sepp Rüegsegger  (SeRu)
    Wir sollten dringend damit anfangen, die Kinder zu selbstständig denkenden, wissbegierigen und kritischen Menschen zu erziehen. Wie das geschieht, ist nun wirklich Nebensache.
    Empfehle dazu den Film „Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück“
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    1. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Ich finde wir haben selbstständig denkende, wissbegierige Kinder. Homeschooling garantiert auch keine selbstständig denkenden Kinder. Zu Hause werden ihnen vorallem die Wertvorstellungen der Eltern und ihrer Lebenswelt vermittelt. Sie lernen nicht sich mit anderen Meinung auseinandersetzen oder das es auch andere Möglichkeiten des zusammenleben gibt. Das ihr Sozialverhalten besser ist, als bei einem Kind, das die Regelschule besucht, kann ich mi nicht vorstellen.
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  • Kommentar von Liliane Mangold  (Bischi72)
    Hallo, als Mutter von drei Kindern an der öffentl Schule begreife ich sämtliche Eltern, welche ihre Kinder in Privatschulen schicken oder Homeschooling machen wollen. Heute würde ich den Job nicht mehr aufgeben sondern arbeiten, um eine gute Privatschule finanzieren zu können. Der Umgang unter den Kindern an den öffentlichen Schulen ist höchst bedenklich. Es geht um Mobbing, Tragen von Messern, Filmen unter der Dusche, Chats von übelsten Texten,Perversitäten in den Pausen und dies tagtäglich.
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    1. Antwort von Maria Meier  (MMeier)
      Meinen Sie wirklich, das gibts in Privatschulen und sogar Familien nicht?
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    2. Antwort von Liliane Mangold  (Bischi72)
      Auf andere Familien kann ich keinen Einfluss nehmen. Für meine Kinder trage ich aber eine Verantwortung. Privatschulen handeln bei solchen Problemen schnell und greifen durch, dies kann ich aus Erfahrung berichten.
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  • Kommentar von Elisabeth Frehner-Isenring  (Denia)
    Es irrt der Mensch, solange er strebt.
    Wenn ich mich richtig erinnere im Faust von Goethe.
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