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Florian Näf, Fedpol: «Gefahr ist real»
Aus News-Clip vom 29.04.2021.
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Rechtsradikale Teenager Zwei minderjährige Schweizer an Bau von Bomben gehindert

Jugendliche, die sich online von rechtem Hass anstacheln lassen, sind gemäss Sicherheitsbehörden ein zunehmendes Risiko.

Neben dem bereits bekannten Fall eines rechten Ostschweizer Jugendlichen, der versuchte, an Chemikalien zum Bau einer Bombe zu gelangen, verfolgte auch ein Westschweizer dieses Ziel, wie Recherchen von SRF ergaben.

Die Fälle weisen mehrere Ähnlichkeiten auf, wie ein Sprecher des Bundesamts für Polizei (Fedpol) gegenüber 10 vor 10 sagt: Beide Personen sind minderjährig, beide waren über Online-Foren international mit rechtsradikalen Extremisten vernetzt und beide Fälle wurden dank Hinweisen ausländischer Behörden aufgedeckt.

Insgesamt ist die rechtsextreme Szene in der Schweiz gemäss den Recherchen im Aufbruch. Das Gewaltpotenzial sei gestiegen, die Lage habe sich verschlechtert, heisst es aus Schweizer Sicherheitskreisen.

Das Gewaltpotenzial der rechtsextremen Szene

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Mehrere Jahre war es gemäss den öffentlichen Zahlen des Nachrichtendienstes des Bundes NDB relativ ruhig in der rechtsextremen Szene, es wurden nur wenige oder keine Gewalttaten verzeichnet, ganz im Gegensatz zur gewaltbereiten linksextremen Szene, wo die Gewalttaten zuletzt angestiegen waren, wie dem Lagebericht des NDB, Link öffnet in einem neuen Fenster zu entnehmen ist.

Nun befürchten mehrere Sicherheitsexperten bei Bund und Kantonen, mit denen 10vor10 vertraulich sprechen konnte, eine mögliche Verschlechterung der Lage: Ein Anstieg der Gewalt von rechts sei ein wahrscheinliches Szenario für dieses und nächstes Jahr.

Grund sei, dass sich die Szene so stark verändert habe, wie kaum in den vergangenen 15 Jahren. Ältere Gruppierungen seien verschwunden, neue Gruppen entstanden, sowohl in der West- als auch in der Ostschweiz. Dabei habe eine Konzentration der radikalsten Kräfte stattgefunden, heisst es aus Sicherheitskreisen.

Die neue Generation begnüge sich auch nicht mehr damit, im Verborgenen zu bleiben, sondern verfolge eine offensivere Propagandastrategie. Das wiederum rufe gewaltbereite Linksextreme auf den Plan, die die Rechtsradikalen auch mit Gewalt zu stoppen versuchen könnten.

Das berge ein erhebliches Potenzial für eine Gewaltspirale. Dies umso mehr, weil etliche Rechtsextreme Kampfsport trainieren, Schiesstrainings absolvieren – teils in Osteuropa auf wenig reglementierten Übungsplätzen – und auch selbst Waffen besitzen würden.

Gewalttätige Neonazis weltweit wähnen sich in einem Krieg – und einige handeln entsprechend: verüben Terroranschläge gegen Muslime, Juden und alles, was aus ihrer die Sicht die «weisse Rasse» bedroht. In Online-Foren werden die Attentäter als Helden verehrt. Auch jener von Christchurch. Ein junger Mann schreibt: «Irgendwann möchte ich das Gleiche in der Schweiz tun». Er habe Chemikalien zum Bombenbau bestellt und verfüge über Waffen.

Das Fedpol beobachtet diese Entwicklung, ist bei internationalen Ermittlungen involviert. Terroristische Propaganda ziele oft explizit auf Jugendliche, sagt Fedpol-Sprecher Florian Näf.

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Florian Näf, Fedpol: «Propaganda zielt explizit auf Jugendliche»
Aus News-Clip vom 29.04.2021.
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Den Fall des mutmasslichen Christchurch-Nachahmers aus der Ostschweiz machte das Fedpol 2019 publik, der «Tagesanzeiger» berichtete kürzlich, der Mann sei inzwischen aus einem Massnahmenzentrum für jugendliche Straftäter geflüchtet. Er habe sich in sein zweites Heimatland auf dem Balkan abgesetzt.

Nun arbeiten die Schweizer Behörden gemäss SRF-Recherchen daran, das Land dazu zu bewegen, ein Strafverfahren gegen den Jugendlichen anzustrengen, denn ausgeliefert wird er kaum. So soll sich der Doppelbürger wenigstens in seiner zweiten Heimat vor Gericht verantworten müssen – ob es so weit kommt, ist unklar. Noch arbeitet man in der Schweiz daran, die Akten zu übersetzen.

Anhänger der «Atomwaffen-Division»

Der zweite ähnlich gelagerte Fall war bisher nicht öffentlich bekannt. Er ereignete sich 2018 in der Westschweiz. Auch hier kamen die Behörden den Absichten erst auf die Spur, als ein ausländisches Sicherheitsorgan eine Warnung absetzte: Jemand aus der Schweiz falle in Chats unter Rechtsextremen besonders auf, er habe angeblich Anweisungen zum Bau einer Bombe erhalten.

Rechtsradikale auf dem Rütli
Legende: Rechtsradikale in der Schweiz tauschen ihr Gedankengut nicht nur, wie hier bei der Bundesfeier auf dem Rütli von 2012, bei persönlichen Treffen aus, sondern immer mehr auch in rechtsextremen Online-Foren. Keystone

Eines der Online-Foren, in dem der damals 16-Jährige verkehrte, wird von Sicherheitsbehörden dem Umfeld einer Gruppierung namens «Atomwaffen-Division» zugerechnet. Sie gilt als eine der gefährlichsten weltweit. In den USA gegründet, werden ihren Anhängern dort mehrere Morde zur Last gelegt. Auch in Europa haben sich Ableger gebildet, etwa in Deutschland. Wie weit der Jugendliche tatsächlich Vorläuferstoffe für eine Bombe besorgen konnte, ist nicht bekannt. Er wurde 2019 festgenommen.

Gefahr durch selbst gebaute Sprengsätze

Die Strafverfahren werden in der Ostschweiz wie in der Westschweiz von kantonalen Jugendanwaltschaften geführt, beide lehnen jeden Kommentar ab. Aufgrund der internationalen Dimension war auch das Fedpol involviert. Sprecher Florian Näf sagt gegenüber 10 vor 10, selbst gebaute Sprengsätze aus Vorläuferstoffen seien eine ernstzunehmende Gefahr für die Schweiz.

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Junge rechtsextreme Bombenbastler in der Schweiz
Aus 10 vor 10 vom 27.05.2021.
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10vor10, 04.05.2021, 21:50 Uhr

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Meines Erachtens ist die ganze Game Szene mit dem Angebot an kriegerischen und Terror fördernden Inhalten mitschuldig an einem Teil der Gewalt bereiten Jugendlichen, viele können damit nicht umgehen dazu kommt noch das es viele Eltern gibt die leider nicht wissen was ihre Kinder in der Freizeit machen!
    1. Antwort von Urs Müller  (Jackobli)
      Nein, dieses Argument kommt doch in jeder Form bei jeglichem Thema zu Jugendgewalt. Und er wurde schon tausende Male beantwortet.
      Ego-Shooter werden von vielen Menschen gespielt. Sie fördern nicht Gewalt.
      Eher spielen Gewalttäter *auch* Games. Die essen aber *auch* Pizza, oder gucken *auch* Netflix. Da gibt es keine Zusammenhänge.
      Was sie vereint, ist eher Schwäche. Wenig Kontakte. Rechte Foren, wo über Gründe gechattet wird, weshalb man vielleicht keine Freundin abkriegt.
    2. Antwort von Martin Weiss  (MWe)
      Einfach mal proforma verurteilen, was man nicht so genau kennt ist doch keine Lösung. Befassen Sie sich erstmal richtig intensiv mit Gaming und urteilen dann nochmals. Schreibe ich mit mehr als 30 Jahren Videospiel-Erfahrung.
    3. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Michel: Das klingt ja so als wäre jeder Gamer ein potenzieller Terrorist. Zum Glück entspricht dies nicht mal annähernd der Wirklichkeit. Ich kenne einige Gamer, gehöre manchmal auch dazu, und keiner von Uns wäre fähig zu solchen Taten. Wie ist es mit Menschen die gerne Filme mit viel Blut sehen, sind das dann alles potenzielle Mörder?
    4. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Es gibt doch mittlerweile einige namhafte Studien die belegen, dass kein Zusammenhang zwischen Games und Gewaltbereitschaft besteht. Ich denke Sie können das selber googlen, und wenn Sie nichts finden, fragen sie halt nochmal nach.
  • Kommentar von Bruno Schelker  (4435Lord)
    Es wird Zeit, dass die Polizei Eingreifen kann bevor die Bombe platzt.
    Die Änderungen in unserer Gesellschaft ist für die Jugend nicht förderlich für ein normales Leben. Die Vereine jammern, dass sie keinen Nachwuchs mehr haben. WARUM ist das so??
    Ein Vereins Leben fördert die Freundschaften und Zusammengehörigkeit.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Aktive Elternräte an Schulen die mehr tun als nur dumpf Kuchen backen, Sportvereine, Musikgesellschaften, Tanzschulen, Pfadfinder etc. habe viel getan und könnten auch heute noch unglaublich viel für eine sinnvolle, integrative Freizeitgestaltung tun.
    Leider werden diese von niemandem mehr unterstützt: weder von der Politik, noch Eltern, noch sonst jemand. Insbesondere das CH-Vereinsleben stirbt und schafft damit Raum für "Vereine" die wir nicht wollen. Selber schuld, Schweiz!