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Zwei Drittel Sitzplätze, offener Bierstand
Aus SRF News vom 02.09.2020.
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Regeln zu Grossveranstaltungen Grossanlässe: Ein Mittelweg zwischen Beschränkung und Freiheit

In Deutschland pilgerten die Menschen Anfang März noch in die Stadien, da war die Schweizer Fussballmeisterschaft schon unterbrochen. Der Bundesrat war eine der ersten Regierungen, die wegen der Corona-Pandemie Grossveranstaltungen mit über 1000 Menschen verboten hatte.

Ein halbes Jahr später ist der Bundesrat wieder schneller als die anderen Länder – ab Oktober sind Grossveranstaltungen möglich, Fussball- und Eishockeystadien können zu zwei Dritteln gefüllt werden. Im Falle des Berner Wankdorfstadions wären das 20'000 Menschen.

Grosser Druck auf den Bundesrat

Der Entscheid des Bundesrats hat etwas Verwegenes. Er fällt in eine Zeit stetig steigender Fallzahlen – sie verdoppeln sich alle vier bis sechs Wochen. Und die wissenschaftliche Taskforce des Bundesrats hat schon von diesem Schritt abgeraten, als die Fallzahlen deutlich tiefer waren. Ist die Landesregierung einfach eingeknickt unter dem Druck von Veranstaltern und Sportligen?

Sicher war der Druck gross. Schweizer Fussballclubs zum Beispiel sind im Vergleich zu grösseren Ligen in viel stärkerem Masse vom Ticketverkauf abhängig. Der Bundesrat ist aber auch beim neusten Öffnungsschritt seiner bisherigen Strategie in der Coronakrise treu geblieben.

Alle tragen eine Verantwortung

Es ist der Weg in der Mitte zwischen einem möglichst kleinen epidemiologischen Risiko und den Bedürfnissen der Menschen nach möglichst viel Normalität und Freiheit. Die Last, hier die richtige Balance zu finden, legt der Bundesrat dabei auf verschiedene Schultern.

Föderalistisch korrekt auf die Kantone: Sie müssen die heute formulierten Regeln anwenden. Sie müssen abwägen, wie viel Publikum aufgrund der aktuellen Situation vor Ort verantwortbar ist. Die Verantwortung lastet aber auch auf den Veranstaltern, die ihre Schutzkonzepte austarieren müssen zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz der Gesundheit.

Und letztlich ganz direkt auf jeder und jedem, den oder die es wieder in die Konzertstadien und Sporthallen zieht. Sie müssen beweisen, dass sie sich auch im Moment grosser Emotionen, beim Rockkonzert oder beim Torjubel, an die Regeln der neuen Normalität halten. Sonst gerät die Schweiz auf ihrem Mittelweg zwischen Beschränkung und Freiheit schnell aus der Balance.

Gion-Duri Vincenz

Gion-Duri Vincenz

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Gion-Duri Vincenz ist seit 2003 SRF-Redaktor im Bundeshaus und arbeitet vor allem für die «Tagesschau» und «10vor10». Neben seiner Tätigkeit als Korrespondent in Bern moderiert er auch Abstimmungssendungen von SRF.

SRF 4 News, 2.9.2020 16:00 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Pünter  (puenti)
    Natürlich ist Berset vor der hyperventilierenden Sport- und Eventindustrie machtvoll eingeknickt, obwohl von der Task-Force zu diesem Öffnungsschritt abgeraten wurde. Schliesslich muss das Geld für die überrissenen Saläre eingetrieben werden. Übrigens geht die Schweiz weiter als die Nachbarländer. Zur Beruhigung wieder einmal das Geschwätz von strengen Massnahmen wie Schutzmasken bei Sportveranstaltungen oder Alkoholkonsum am Platz. Grölen und Jubeln mit Maske ein absoluter Unsinn!
    1. Antwort von Josef Graf  (Josef Graf)
      Herr Pünter, wie kommen Sie darauf, dass Berset derjenige war, der "eingeknickt" ist? Liegt Ihnen das Protokoll der gestrigen Bundesratssitzung vor? Der Bundesrat trifft bekanntlich Mehrheitsentscheide, und in der Regel weiss man nicht, wie die einzelnen Mitglieder gestimmt haben. Und davon abgesehen: Mit der Maske kann man eben nicht so gut grölen und jubeln. Also erfüllt sie einen der ihr zugedachten Zweck, indem die Zuschauenden zurückhaltender sind.
  • Kommentar von Thomas Schneebeli  (TS+LL)
    Es besteht kein Anlass für weitere Massnahmen wie obligatorische Maskenpflicht in den Läden, ein Chaos bei Bewilligungen für Veranstaltungen und Willkür. Es scheint langsam, als würden sich die Behörden überschlagen die Bevölkerung in Schach zu halten und unter Kontrolle zu wissen, und nicht Corona. Die Verhältnismässigkeit ist nicht mehr vorhanden.
  • Kommentar von Thomas Meier  (Harz)
    Entweder soll man alles erlauben oder eben nicht! Diesen Entscheid finde ich nicht gut!
    1. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      @harz: Ich bin komplett mit Ihnen einverstanden. Entweder wir ergreifen Massnahmen, die wirklich etwas helfen, oder eben nicht. Aber dauernd diese umtriebigen Pseudoalibiübungen - das bringt wirklich nichts. Skandinavien hat sich für andere Massnahmen entschieden, dort ist die Situation im Griff.
    2. Antwort von Gianni Romagnoli  (GiRom)
      Wenn wir vernünftige, differenzierte Lösungen wollen, geht es eben nicht nach Prinzip "alles oder nichts" oder "hau ruck".
      Und vor allem braucht es in dieser Situation DURCHSTEHUNGSVERMÖGEN. Das scheint leider nicht allen gegeben zu sein.
    3. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      @GiRom: Es fehlt mir nicht an Durchstehungsvermögen, sondern es geht mir um den Inhalt. Dann sage ich es konkret, wie in Skandinavien: Maskenpflicht abschaffen, ab sofort Verbot für jede Versammlungen über 50 Personen, und das, so lange es nötig ist.