Die Zürcher SVP bringt sich für die Regierungsratswahlen im April 2027 in Stellung. Sie nominiert Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli für eine weitere Amtszeit und setzt neu auf Nationalrat Martin Hübscher. Damit präsentiert die Partei vorerst ein Zweierticket. Ob es dabei bleibt, ist offen.
Rickli will bleiben
Natalie Rickli gehört seit 2019 der Zürcher Regierung an. Zuletzt hatte sie mit Überlegungen zu einer Kandidatur für den Ständerat für Diskussionen gesorgt. Jetzt relativiert sie das Interesse. Sie habe nur gesagt, eine Kandidatur sei prüfenswert, aber es gehe nicht beides. Sie würde sich freuen auf eine dritte Amtszeit im Regierungsrat. «Die letzten sieben Jahre waren sehr intensiv, kaum im Amt kam Corona, dann gab es an verschiedenen Spitälern Herausforderungen, wir brachten aber immer Lösungen. Ich erhalte viel positives Feedback, das motiviert mich.»
Für den zweiten Sitz nominiert die SVP Martin Hübscher. Der 57-jährige Landwirt und ehemalige Berufsschullehrer aus Wiesendangen sitzt seit 2023 im Nationalrat und war zuvor mehrere Jahre im Zürcher Kantonsrat, zuletzt als Fraktionschef. Er soll auf Finanzdirektor Ernst Stocker folgen, der seit 2010 in der Regierung ist und nicht mehr antritt.
Jetzt oder nie, sagt Hübscher
Martin Hübscher bringt politische Erfahrung aus dem Bundes- und dem Kantonsparlament mit, tritt aber erstmals für ein Exekutivamt an. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt: «Einerseits habe ich die Erfahrungen aus Bern, andererseits ist es jetzt familiär möglich – und vom Alter her der letzte ‹Zwick›, einen neuen Schritt zu wagen.»
Er freue sich, für Zürich einzustehen und die Herausforderungen mitzugestalten. Angesprochen auf die fehlende Führungserfahrung verweist Hübscher auf seine Erfahrung in anderen Gremien wie dem Verwaltungsrat oder der Fraktion.
Die Nominierung der beiden Kandidierenden hat der Kantonalvorstand einstimmig beschlossen. Definitiv entscheiden die Delegierten am 9. Juli. «Wir wollten bodenständige Leute, die auch in der Privatwirtschaft verankert sind und die Vielfalt in der Zürcher Bevölkerung repräsentieren», begründet SVP-Kantonalpräsident Domenik Ledergerber den Vorschlag.
Ricklis Ständerat-Flirt blieb folgenlos
Für Ricklis Interesse an einem Ständeratssitz signalisiert Ledergerber Verständnis. «Ich verstehe, dass es gegen aussen etwas komisch wirkte, aber wir waren von Anfang an informiert, wir haben gemeinsam eine Auslegeordnung gemacht und gemeinsam entschieden, dass wir so weitermachen.» Ausschlaggebend sei gewesen, dass Natalie Rickli noch einmal für den Regierungsrat habe antreten wollen.
Offen lässt die Partei die Frage, ob sie mit einer weiteren Person in den Wahlkampf zieht. Ein mögliches Dreierticket will der Kantonalvorstand Ende August prüfen. «Wir warten ab, was die anderen Parteien machen, vor allem auf der bürgerlichen Seite», so Ledergerber.
Grosser Umbruch – spannender Wahlkampf
Aktuell treten vier von sieben Zürcher Regierungsrätinnen und ‑räten nicht mehr an. Offen ist, ob der parteilose Mario Fehr noch einmal kandidiert. Falls nicht, würde sogar ein fünfter Sitz in der Regierung frei. Eine interessante Ausgangslage, findet auch Ledergerber: «Mit so vielen neuen Kandidaturen gibt es sicher einen spannenden Wahlkampf und viel frischen Wind in der Regierung.»