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Pure Verschwendung – Intakte Krücken landen auf dem Müll
Aus Kassensturz vom 18.06.2019.
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Ressourcen-Irrsinn Krücken Pure Verschwendung – Zehntausende Krücken nur einmal verwendet

Über 20'000 neuer Krücken verrechneten Abgabestellen von Krücken im letzten Jahr allein über die Mittel- und Gegenständeliste MiGel den Krankenkassen. Diese Zahlen des Krankenkassenverbandes Santésuisse liegen «Kassensturz» exklusiv vor. Doch das ist nur ein Teil aller abgegeben Krücken. Denn noch öfter rechnen Spitäler Krücken vermutlich über die Fallpauschalen ab. Darüber führt aber niemand Buch. Spitäler und Kliniken geben jährlich also mehrere Zehntausend neuer Krücken ab.

Krücken vor der Mülltonne
Legende: Die Krücken sind teils noch intakt, werden jedoch einfach weggeworfen. SRF

Allein die Privatklinik Gut in St. Moritz gibt pro Jahr rund 2000 Krückenpaare an Patienten ab. Die wenigsten kämen zurück in die Klinik, erklärt Klinik-Chef Hanspeter Frank gegenüber «Kassensturz». Diese Occasions-Krücken ein zweites Mal an Patienten abzugeben, käme aber nicht in Frage: «Für uns macht das ökonomisch und ökologisch keinen Sinn.»

Überprüfung der Krücken für Kliniken zu teuer

Denn: Die Gehhilfen unterstehen der Medizinprodukteverordnung. Darin heisst es, dass eine Instandhaltung «nach den Grundsätzen der Qualitätssicherung» zu erfolgen hat. Und zwar nach den «Anweisungen der Person, die das Produkt erstmals in Verkehr gebracht hat.» Mit anderen Worten: Der Hersteller bestimmt selbst, nach welchen Kriterien die Instandhaltung zu erfolgen hat.

Krücken an Hilfswerke

Für die Klinik Gut in St. Moritz beispielsweise würde dies laut Geschäftsführer Hanspeter Frank einen enormen Aufwand bedeuten, nämlich, dass sie die Krücken nach Deutschland karren, dort prüfen und wieder nach St. Moritz bringen müssten. «Das rechnet sich nicht – neue Krücken kommen uns mit knapp 25 Franken günstiger».

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Hanspeter Frank über die Tücken der Verordnung.
Aus Kassensturz vom 18.06.2019.
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In den letzten Jahren hat die Klinik zurückgebrachte Krücken an ein Hilfswerk in Kirgisen abgegeben, sagt Frank. Dieses Jahr sind aber viele Krücken im Entsorgungshof der Gemeinde gelandet. Dort hat sie Manuela Zampatti entdeckt.

Die St. Moritzer Musikschullehrerin stört sich daran, dass völlig intakte Gehhilfen entsorgt werden. «Wir schmeissen hier Krücken weg, während Bedürftige in der Schweiz oder andernorts auf der Welt dankbar dafür wären.»

Kaufzwang neuer Gehhilfen

Eine neue Regelung des Bundesamtes für Gesundheit befeuert diesen Krücken-Irrsinn noch.

Seit Mitte 2017 müssen Abgabestellen Krücken verkaufen, wollen sie diese einer Krankenkasse verrechnen. Vermietete Gehhilfen werden von den Versicherungen nicht mehr übernommen. Und tatsächlich: Die Anzahl der vermieteten und somit mehrmals verwendeten Gehhilfen sank im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent auf gut 5000 Paare.

Grafik: Rückgang Miete / Steigende Kurve bei Kauf
Legende: Die Anzahl der gemieteten Krücken ist in den letzten Jahren stark gesunken. SRF

Erfreulich: Die Verantwortlichen der St. Moritzer Privatklinik Gut haben zwischenzeitlich eine Lösung für zurückgebrachte Krücken gefunden. Künftig werden sie an ein Hilfswerk in Burkina Faso weitergereicht.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Tschanz  (tinu83)
    Wenn die Bevölkerung wüsste, was preislich in der Hilfsmittelbranche abgeht, würden sich über die Kosten und möglichen Einsparungen hinsichtlich Krücken alle nur noch kringeln vor lachen. Auch wenn die Schweiz sehr klein ist, wir sind eine Goldgrube für ausländische Hilfsmittelhersteller - die Krücken spüren wir vermutlich nicht einmal.
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    1. Antwort von Andreas Wiedler  (infonews)
      Klar, wir haben ja auch das Geld. Die Krücken haben in dieser Diskussion dennoch ihre Berichtigung, weil alles furchtbar hinkt..
    2. Antwort von Martin Tschanz  (tinu83)
      @ Andreas Wiedler
      Absolut richtig - es war nicht meine Absicht etwas zu besänftigen.
    3. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Neue Krücken sollen Fr. 25 kosten. Ich habe bei der Unfallversicherung gearbeitet und erinnere mich, dass wir etwa den dreifachen Preis für Krücken bezahlen mussten.
    4. Antwort von Martin Tschanz  (tinu83)
      @ Walter Matzler
      Wenn es mir recht ist, wurden Krücken von der Unfallversicherung sogar leihweise abgegeben.?.? Scheinbar wurden diese wieder zurück genommen, geputzt, aufgelistet und für den nächsten Anwender "aufbereitet". Eine unglaubliche Wertschöpfungskette für ein Paar billige Alu-Rohre.:-):-) Aber sind wir ehrlich - die Versicherungen haben sich zu keinem Zeitpunkt dafür eingesetzt Kosten einzusparen. Wer wäre sonst so naiv derartige Beträge für Hilfsmittel zu blechen?
  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Sehr geehrte Gesundheitsdirektion, da gibt es noch viel mehr zu entdecken! Die Einmalgebrauch- und Wegwerfmentalität kennt im Gesundheitssektor keine Grenzen mehr.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Wie DUMM, verkauft die Kruecken an den Patienten.. gegen bar (25sfr???!) das kann sich praktisch jeder leisten.. und wenn er sie nicht mehr braucht.. ganz einfach.. ER kann sie ja verschenken.. der Patient.
    Und dann gibt es da noch Sammelstellen die zB Kleider sammeln und Diese nach Indien Afrika oder sonstwohin senden.. koenne gleich mitgepackt werden die Kruecken.. es gibt immer Jemanden der sie braucht!
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    1. Antwort von W. Pip  (W. Pip)
      25 Franken? Herr Nanni, diese Dinger sind nicht umsonst auf der Medizinprodukteliste... so kann man ganz einfach 40-90 Franken dafür verlangen... Die Sache ist m.E. ein abgekartetes Spiel.