2026 lädt die Fifa in den USA, Kanada und Mexiko zur gigantischen Fussball-Weltmeisterschaft. 48 Nationen nehmen teil – standesgemäss auch die Schweiz, zum sechsten Mal in Folge. 1994 fand die letzte WM in den Staaten statt.
Damals stellte die WM-Teilnahme für die Schweiz aber eher die Ausnahme denn die Regel dar, musste sie davor doch fast 30 Jahre warten. Das Warten hat sich gelohnt, so wurden an der WM 1994 neue Sporthelden geboren.
Türöffner Bregy
36 Jahre alt war Team-Routinier Georges Bregy. Seine Nationalmannschaftskarriere war eigentlich bereits vorbei. Doch für die Qualifikation und die Weltmeisterschaft wurde er von Coach Roy Hodgsen reaktiviert: «Für mich war es der Höhepunkt meiner Karriere. Ich musste zu mir sagen: Georges, das ist kein Traum, das ist die Wahrheit. Du bist dabei», beschreibt Bregy die Gedanken, die ihm bei der Nationalhymne auf dem Platz durch den Kopf gingen.
Per Freistoss gelang ihm dann das erste Tor des Turniers im Eröffnungsspiel gegen die USA. Das erste Tor einer Schweizer Nationalmannschaft seit fast 30 Jahren. Es sollte ein Vorbote sein, was dieser Nati an der WM noch alles gelingen würde, aber auch für die erfolgreiche Zukunft des Schweizer Fussballs: «Wir waren die Türöffner. Wir haben eine neue Epoche eingeläutet für die Schweizer Nationalmannschaft.»
Blasen bei Chapuisat
Stéphane Chapuisat war einer von nur vier Legionären im damaligen Aufgebot. Alle spielten sie in der Bundesliga. Chapuisat spielte bei Dortmund, mit denen er später die Champions League gewann. Bereits sein Vater Gabet war Nationalspieler. Chapuisat junior gelang 1994, was seinem Vater immer verwehrt blieb: ein Auftritt an der WM und ein Tor. Dank des Sieges gegen Rumänien qualifizierte sich die Schweiz für die Achtelfinals.
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Bild 1 von 4. Georges Bregy erzielte die Führung beim 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Gastgeber USA. Bildquelle: Keystone.
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Bild 2 von 4. Gleich mit 4:1 bezwingt die Schweiz Favorit Rumänien und stürzt die Schweiz in kollektive Ekstase. Bildquelle: Keystone.
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Bild 3 von 4. Im Achtelfinal endet der Höhenflug der Nati abrupt. Gegen Spanien verliert man deutlich mit 0:3. Das WM-Märchen ist vorbei. Bildquelle: Keystone / Karl Mathis.
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Bild 4 von 4. An der WM 1994 bildeten Günter Netzer und Bernard Thurnheer das Kommentatoren-Duo. Einige Jahre später wechselte Netzer zur ARD. Thurnheer kommentierte bis 2014 WM-Spiele. Bildquelle: Keystone.
Nebst den vielen positiven Erinnerungen blieb aber auch eine schmerzhafte. Die Fussballer mussten mit den Schuhen des Nati-Sponsors spielen statt mit ihren eigenen. «Ich hatte vier Wochen Blasen an den Füssen», so Chapuisat. Einen Grund für den Höhenflug sieht er auch im Sponsoring mit der einstigen Grossbank Credit Suisse. Seit 1993 war sie Hauptsponsor des Schweizerischen Fussballverbandes.
Orakel Thurnheer
Mehr Weltmeisterschaften als die Nati-Stars erlebt hat Bernard Thurnheer. Doch auch für ihn war die WM 1994 etwas ganz Neues. «Das war eine Traum-WM, wie man sie sich als Reporter nicht schöner vorstellen konnte», blickt Thurnheer zurück auf die tolle Destination USA und die erfolgreichen Auftritte der Schweizer Nati, die mit einer deutlichen Achtelfinal-Niederlage gegen Spanien endete.
Es gibt keinen Zweiten wie Bregy.
Auch bei Thurnheer lagen Sieg und Niederlage nah beieinander. Vor Bregys Kunstfreistoss prognostizierte Thurnheer «rechts oben» und sah, wie der Ball Sekundenbruchteile später oben rechts in der Ecke einschlug. Wenig später kommt auch die USA zu einem Freistoss. Thurnheer prophezeite: «Es gibt keinen Zweiten wie Bregy.» Diesmal lag der Sportreporter jedoch falsch und auch dieser Freistoss zappelte im Netz und Thurnheers Ausspruch wurde Kult.
Vom Abwesenden zum Dauerbrenner
Es habe 1994 ein Mentalitätswechsel stattgefunden, bilanziert Thurnheer. Vorher seien die Spieler jeweils beinahe erstarrt, wenn sie gegen Bundesligisten oder Profis aus der Serie A gespielt hätten. Mittlerweile spielt der Grossteil der Spieler bei den grossen Ligen im Ausland.
Während man einst also 28 Jahre warten musste, gehört die Schweiz mit sechs Teilnahmen am Stück mittlerweile zu den Dauerbrennern an Weltmeisterschaften, noch vor Italien, den Niederlanden und Uruguay.