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«Contact-Tracing kann funktionieren», so Kantonsarzt Hauri (Symbolbild)
Aus HeuteMorgen vom 28.05.2020.
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Rückverfolgung der Kontakte «Epidemiologisch ist nicht entscheidend, dass wir jeden finden»

Damit die Corona-Fallzahlen nicht wieder in die Höhe schnellen, ist Contact-Tracing angesagt. Das bedeutet, dass alle, die innerhalb der letzten 48 Stunden mit einer positiv getesteten Person Kontakt hatten, avisiert werden. Der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri geht davon aus, dass das funktionieren wird.

Rudolf Hauri

Rudolf Hauri

Kantonsarzt für den Kanton Zug

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Hauri ist seit 18 Jahren Zuger Kantonsarzt. Er ist auch Präsident der Vereinigung der Schweizer Kantonsärzte.

SRF News: Wie viel schwieriger wird die Rückverfolgung von möglichen infizierten Personen durch die neuen Lockerungen?

Sie wird bestimmt nicht einfacher. Es wird wahrscheinlich mehr Personen geben, die man rückverfolgen und abklären muss. Das ist aber nicht unmöglich, das ist machbar.

Bekommen Sie Angst, wenn Sie diesbezüglich an Veranstaltungen von bis zu 300 Personen denken?

Es kommt auf das Verhalten der Bevölkerung an, konkret kommt es auf das Verhalten bei der jeweiligen Veranstaltung an. Werden die Abstandsregeln und Hygieneregeln eingehalten? Dann sehe ich kein wirkliches Problem.

Nur schon die Wahrscheinlichkeit, dass jemand das Virus trägt und weitergeben könnte, ist sehr gering.

Stellen wir uns die Situation in einer Disco vor. Ist es überhaupt möglich, die Abstandsregeln dort einzuhalten?

Wahrscheinlich nur bis zu einem gewissen Grad. Es spielt ja nicht nur die Nähe eine Rolle, sondern auch, wie lange man sich nahekommt. Wenn man da etwas Spielraum hat und den Abstand immer wieder vergrössern kann, dann ist die Gefahr einer Übertragung recht gering. Nur schon die Wahrscheinlichkeit, dass jemand zurzeit das Virus trägt und weitergeben könnte, ist sehr gering.

Dort, wo die Abstände nicht eingehalten werden können, sollen Personendaten aufgenommen werden. Kann das aus Ihrer Sicht funktionieren?

Ja, das kann funktionieren, das ist die Erfahrung aus den letzten Monaten. Häufig kann man sich erinnern, mit wem man Kontakt gehabt hat. Es kann aber Einzelfälle geben, in denen man die Personen nicht ausfindig machen kann.

Theoretisch könnten sich Leute einen Spass daraus machen, irgendeinen Namen und eine Handynummer aufzuschreiben. Besteht da eine gewisse Gefahr?

Selbstverständlich ist es entscheidend, dass die Bevölkerung den Sinn einsieht und mitmacht. Und natürlich ist es so, dass man einen falschen Namen angeben kann. Wir gehen aufgrund der bisherigen Erfahrung aber davon aus, dass der grösste Teil der Bevölkerung seriös mitmacht.

Wie schlimm ist es, wenn man nicht alle Personen findet, die mit Infizierten Kontakt hatten?

Kontakt bedeutet noch lange nicht, dass man sich ansteckt. Wir können davon ausgehen, dass sich ein Teil der Personen, die engen Kontakt hatten, ansteckt, aber bei weitem nicht alle. Epidemiologisch gesehen ist es nicht entscheidend, dass wir jeden einzelnen Fall finden, sondern dass wir einen Ausbruch erkennen und verhindern können. Da reicht es, wenn man die Mehrheit findet.

Welche Chancen geben Sie der App, wenn sie demnächst bei der breiten Bevölkerung eingesetzt wird?

Bei der App ist es dasselbe wie beim klassischen Contact-Tracing. Die Bevölkerung muss mitmachen, sie muss den Sinn einsehen und reagieren. Wenn sie mitmacht, sehen wir eine grosse Chance für die App.

Wie gross ist Ihre Hoffnung, dass die Situation so ruhig bleibt, trotz der weiteren Lockerungsschritte?

Das ist schwierig vorauszusehen. Wenn man die weltweite Lage anschaut, dann muss man damit rechnen, dass das Virus zurückkommt. Wann und in welchem Ausmass das sein wird, kann ich Ihnen nicht sagen. Die meisten rechnen mit Herbst, das scheint auch mir wahrscheinlich zu sein.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

Heute Morgen vom 28.05.2020, 06:00 Uhr;

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub  (Sylou)
    Für mich ist Eines sonnenklar: Nix tracing for me. Ich möchte nur den Rest meines Lebens möglichst ohne Verfolger leben. Allerdings hat Google die Schnittstelle klammheimlich und ohne Update installieren können. Also: "big borther is watching you"!
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  • Kommentar von Paul Soltermann  (ps)
    Der Einsatz von harten Medis wäre, rueckblickend gesehen, vielleicht nicht notwendig gewesen sagt ein erfahrener Arzt nachdem der Patient genesen ist. Zum Glueck ist dieser Patient nicht an der verabreichten Behandlung gestorben. Andere behaupten, dass ein Lockdown ueberfluessig gewesen sei. Ein Virologe wiederum sagt, dass das Hauptproblem bei der Krankheit eine Ueberreaktion des IS sei. Muss man folglich die getroffenen Massnahmen ebenso als Ueberreaktion des sozialen IS, der Politik, sehen?
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Die Krankheit ist in jeder Hinsicht tricky, sagen wirs so. Eine Freundin, die mit Leuten auf der Intensivstation zusammenarbeitet, berichtet, eine besondere Herausforderung sei nebst der anspruchsvollen Patientenbetreuung die lange Verweildauer. Grippepatienten mit Lungenentzündung seien einerseits weniger anspruchsvoll, würden andererseits aber auch schneller genesen oder versterben. Für Intensivmediziner muss das eine aufreibende Erfahrung sein, zumal noch Schädigung durch die Behandlung droht
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  • Kommentar von Norbert Kurz  (Norby)
    Der Spuk ist vorbei. Die Kurve war schon vor dem Lockdown am sinken. https://www.srf.ch/news/schweiz/professorin-zu-den-lockerungen-ich-habe-ein-mulmiges-gefuehl

    Es war schon bei der Schweinegrippe 2009 so. Das Desaster wurde so gut es geht unter den Teppich gekehrt und niemand schaut zurück. Ich hoffe dass es diesmal nicht auch so endet.
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    1. Antwort von Claudius Luethi  (@claude)
      ... so endet?
      Nein so endet dies nicht. Dieses mal wird es vom Hirten schamlos ausgenützt! Das Heer der Lemminge (Schafe) will es aber sicher nicht wahrhaben!
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