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Sommaruga: «Dank der breiten Unterstützung durch die Bevölkerung, ist es unserem Land gelungen, das Virus unter Kontrolle zu bringen»
Aus News-Clip vom 27.05.2020.
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Weitere Lockerungen Die neue, unübersichtliche Normalität

«Das tut gut», meinte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zum dritten und bisher grössten Lockerungsschritt. Die Bundesratsmitglieder, die heute auftraten, wirkten fast schon euphorisch: Von einem Land, das wieder aufblüht, war die Rede.

Tatsächlich ist die Liste der Lockerungen eindrücklich und war vor wenigen Wochen in diesem Ausmass schlicht nicht vorstellbar. Der Bundesrat verabschiedet sich mit der Aufhebung der ausserordentlichen Lage zum grössten Teil aus dem Notrechts-Regime. Das Versammlungsverbot wird deutlich gelockert. Grössere Veranstaltungen dürfen wieder durchgeführt werden. Grosseltern dürfen ihre Enkelkinder wieder hüten.

Ein Durcheinander an Massnahmen und Daten

Neben all dieser Freude über den Aufbruch in eine noch etwas normalere neue Normalität muss man aber auch feststellen: Es wird langsam ziemlich unübersichtlich mit all den einzelnen Empfehlungen, Konzepten, Verboten und Geboten. Nicht immer wird für die Bevölkerung klar sein, was nun gilt. Und sind diese Massnahmen nun Teil eines Schutzkonzepts der Branchen selber oder ist es eine bundesrätliche Verordnung?

Auch treten die Lockerungen, die heute beschlossen wurden, an verschiedenen Daten in Kraft. Grösstenteils ab dem 6. Juni. Versammlungen von maximal 30 Personen sind aber schon ab dem 30. Mai erlaubt. Grenzöffnungen dann wieder später. Es herrscht ein ziemliches Durcheinander an Daten und Regeln.

Wie soll man über 30 Personen erkennen?

Ein Beispiel: Vier Personen dürfen ohne Registrierung ins Restaurant. Sind es aber mehr, müssen sie ihre Personalien angeben. Selbst Discos dürfen wieder öffnen, aber ab Mitternacht gilt Sperrstunde.

Auch beim Vollzug gibt es grosse Fragezeichen. Wie die Polizei im öffentlichen Raum kontrollieren soll, ob sich mehr als 30 Personen zusammen versammeln, bleibt rätselhaft. Das Auge sieht sofort, ob es fünf Personen sind. Aber 20 oder über 30 Personen auf die Schnelle zu erkennen, das scheint kaum praktikabel.

Der Bundesrat hat aber offenbar schon erkannt, dass es nun sehr unübersichtlich wird. Denn er kündigte heute auch an, beim nächsten Lockerungsschritt Vereinfachungen zu beschliessen. Für den 24. Juni verspricht die Landesregierung nochmals Lockerungen, aber auch einfachere Regeln.

Möglicherweise kommt die Vereinfachung dann aber zu spät. Denn dieser grosse Aufbruch heute könnte auch so (falsch) verstanden werden, dass die Gefahr vor dem Virus nun gebannt ist, das normale Leben wieder einkehren darf.

Kaum Warnungen vor neuen Ausbrüchen

Dass die tiefen Infektionszahlen, die auch der Bund nach den ersten beiden Lockerungsschritten so nicht erwartet hat, euphorisch stimmen, ist nachvollziehbar. Erstaunlich ist trotzdem, wie wenig der Bundesrat heute vor möglichen neuen Virus-Ausbrüchen gewarnt hat.

Dabei zeigen Infektionen in einem Restaurant und in einem Gottesdienst in Deutschland, dass es sehr schnell neue Hotspots geben kann, die Massnahmen nach sich ziehen müssen.

Strategie fehlt

Unübersichtlich in dieser neuen Normalität bleibt denn auch, wie auf neue Ausbrüche reagiert werden soll. Nach Aufhebung der ausserordentlichen Lage werden die Kantone wieder mehr Verantwortung haben. Sie sollen regionale oder lokale Massnahmen treffen können.

Zwar sollen nun mit Contact Tracing Infektionsketten verfolgt und alle Virusträger aufgespürt werden. Eine eigentliche Strategie, wie auf ein erneutes Aufflammen von Virus-Infektionen reagiert werden soll, scheint die Landesregierung aber nicht zu haben. Auch hier braucht es ein einfaches System.

Andy Müller

Andy Müller

SRF-Bundeshausredaktor

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Andy Müller ist Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor war er Themenplaner und stellvertretender Redaktionsleiter von 10vor10. Er arbeitet seit 2007 für SRF.

SRF 4 News, Echo der Zeit, 27.5.2020, 18.00 Uhr

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Helena Müller  (Helena Müller)
    Am besten das eigene Augenmass anwenden und mal wegkommen von der Zukunftspanik. Ich brauche keine Polizei und genaue Vorgaben um damit klarzukommen. Es ist kompliziert deshalb mache ich es für mich so wie es stimmt. Und so wie es am Einfachsten ist.
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  • Kommentar von Patricia Mutaleno  (Patricia Mutaleno)
    Sobald die Grenzen offen sind, wird es wieder neue Fälle geben. Und ich habe immer noch keine Antwort auf meine Frage betreffend Sesselbahnen erhalten: Wie wird da das Schutzkonzept angewendet? Da gibt es 2er Plätze. Generell finde ich diese neue Normalität schon etwas verwirrend. Bei 30 Personen also kein Abstand mehr? Bei einem Fussballspiel kommt man sich auch nahe. Und wie wird das in der Universität bei Vorlesungen gehen, wo sich viele Studenten in einem Raum aufhalten?
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  • Kommentar von Patricia Mutaleno  (Patricia Mutaleno)
    Viele Menschen denken schon lange, dass es vorbei ist. Der Abstand wird nicht mehr eingehalten, besonders beim Einkaufen. Ich bastle mir ein Schild mit der Aufschrift: "Abstand halten bitte", dass ich hochhalten kann. Gestern konnte ich das erste Mal mit einem Betroffenen sprechen. Der Herr lag 2.5 Monate im Koma. Zuvor war er gesund und munter. Das Virus ist KEINE Grippe, es kann sehr schlimm werden. Und wenn ich dann sehe wie sich die Menschen verhalten, werde ich sauer.
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    1. Antwort von Erich Brügger  (Erich Brügger)
      Auch eine Grippe kann sehr schlimm sein, wenn es die falsche Person erwischt - dachte ich bis heute.
      Ich wurde jetzt von Ihnen eines Besseren belehrt. Danke.
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    2. Antwort von Patricia Mutaleno  (Patricia Mutaleno)
      @Erich Brügger Das haben Sie falsch verstanden. Viele sagen, dass dieses Virus nicht schlimmer als eine Grippe sei. Und das stimmt eben nicht, wie Sie selber erlebt haben. Alle Krankheiten können schlimm enden. Und wir wissen wie wir das Risiko etwas mindern können. Aber einigen ist das einfach egal. Solange sie nur wieder Party machen können, ist die Welt in Ordnung. :-(
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