Das Cyberteam des Nachrichtendienstes NDB hat über mehrere Jahre eng mit der umstrittenen Softwarefirma Kaspersky zusammengearbeitet. Hochsensible Daten sollen so an russische Geheimdienste abgeflossen sein. Das hat die Recherche von SRF Investigativ gezeigt.
Doch Kaspersky ist nicht der einzige Russlandkonnex des Cyberteams in den Jahren 2015 bis 2020. Zwei weitere wichtige Firmen haben auffällige Verbindungen.
Im internen Untersuchungsbericht, in den SRF Investigativ Einsicht hatte, listet der Geheimdienst eine Reihe von «regelmässigen Kontakten» des damaligen Cyberteams auf. Zuvorderst rangiert Kaspersky, gleich dahinter zwei Providerfirmen: Sie werden nachfolgend als Blau und Violett bezeichnet.
«Beginn der Beziehung in Moskau»
Providerfirma Blau hat zwar ihren Sitz in Zürich, doch gegründet wurde sie von zwei russischen Staatsangehörigen und einem Schweizer. Auch hat die Firma in Russland nach Personal gesucht, wie einschlägige Foren zeigen.
Den Kontakt zu Blau hat der NDB denn auch in Russland hergestellt: «Beginn der Beziehung (…) im Jahr 2016 oder 2017 in Moskau», heisst es im Geheimbericht.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Cyberteam des Schweizer Geheimdienstes und der Providerfirma Blau war in den Jahren 2015 bis 2020 eng. Mindestens ein Dutzend Mal soll die Firma Daten von Servern geliefert haben. Laut dem Geheimbericht hatte der NDB auch einen direkten Zugriff auf die Server von Blau – wie das technisch ausgestaltet war, bleibt offen.
Die Firma weist auf Anfrage Verbindungen zum NDB wie auch nach Russland zurück. Sie halte sich an alle geltenden Schweizer Gesetze.
Neben Kaspersky und Provider Blau gehörte, so zeigt es die Auflistung im Geheimbericht, die Firma Violett zu den drei wichtigsten Partnerfirmen des Cyberteams in jener Zeit.
Kaspersky als Geldübermittler
Auch Violett betreibt Server in der Schweiz und war für das Cyberteam des Geheimdienstes «die wichtigste Informationsquelle». Laut Bericht gab es «Treffen im Kanton Tessin» und «Fondueessen in Bern».
Die Firma Violett fiel laut Geheimbericht durch «dubiose Kunden» auf. Besonders russische Hacker schienen die Server gerne zu nutzen. Für das Cyberteam des NDB, das Hackerangriffe aufklären soll, waren diese Serverdaten entsprechend interessant. Nun bestand eine Art Dreiecksbeziehung mit Kaspersky. Auch die Providerfirma Violett arbeitete über mehrere Jahre mit der russischen Cybersicherheitsfirma zusammen. Diese Konstellation nutzte der NDB offenbar: So liess der Schweizer Geheimdienst Geldzahlungen an die Firma Violett durch Kaspersky übermitteln. Ob es um Zahlungen für Serverdaten oder andere Gegenleistungen ging, bleibt offen.
Die Firma Violett hat auf Anfrage von SRF Investigativ nicht reagiert.
Bundesrat leitet Untersuchung ein
Was hat es mit diesen Firmenkontakten des Cyberteams auf sich? Der NDB nimmt auf Anfrage von SRF Investigativ inhaltlich keine Stellung und schreibt generell, er kommentiere «keine geheimen Berichte gegenüber den Medien». Das Cyberteam sei unterdessen umfassend reorganisiert worden.
Bundesrat Martin Pfister hat, mit der Recherche von SRF Investigativ konfrontiert, letzte Woche eine externe Administrativuntersuchung eingeleitet. Laut Recherchen laufen zudem Strafverfahren – die Aufsichtsbehörde über den Nachrichtendienst AB-ND hat Strafanzeige eingereicht.