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Munitionsdepot Mitholz
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Sanierung Munitionsdepot Neue Lösung für Mitholz

Tiefbauexperten bringen für Mitholz eine neue Sanierungsvariante ins Spiel. Das Munitionsdepot soll verkapselt werden.

Mitholz muss weg. Für mindestens zehn Jahre. So will es das VBS. Der Grund liegt weit zurück: 1947 ist in Mitholz das Munitionsdepot explodiert. Zwei Tage lang brannte das Depot, Bomben explodierten. Dann stürzte die Felswand ein und begrub die Munition im Berg. Jetzt will die Armee die gefährliche Altlast bergen. Während der Bergung könnte es zu Explosionen kommen. Deshalb muss die Bevölkerung so lange weg.

«Teuer, unnötig und gefährlich»

Die Betroffenen verlieren ihre Heimat. Heinz Hieke, Experte für Spezialtiefbau, will das verhindern. «Was das VBS will, ist teuer, unnötig und gefährlich», erklärt er der «Rundschau». Das VBS habe nie mit Praktikern aus dem Tunnelbau gesprochen. Denn für die sei klar: Mit modernen Injektionsverfahren könnte die Munition im Fels viel einfacher und endgültig gesichert werden: «So wie das auch die Nagra plant.»

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Heinz Hieke, Tiefbauingenieur: «Was das VBS will, ist sehr teuer, gefährlich und langwierig.»
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Vereinfacht gesagt müsste dazu flüssiges Füllmaterial in den Berg gespritzt werden. Im Berg würde es aushärten und die Munition fest einschliessen. So soll eine Kettenreaktion wie bei der Katastrophe von 1947 dauerhaft verhindert werden.

Hieke ist überzeugt: In gerade mal zwei Jahren wäre das machbar. Kosten soll das Projekt rund 100 Millionen Franken. Zum Vergleich: Das VBS rechnet für die Räumung mit Kosten von bis zu 900 Millionen Franken und einer Umsetzungsphase von 20 Jahren.

ETH-Gutachten lehnt Variante ab

Der Vorschlag des Experten bringt das VBS in Zugzwang. Die Militärs haben deshalb bei der ETH ein Gutachten in Auftrag gegeben. Professor Georgios Anagnostou sollte beurteilen, ob mit Injektionen wirklich alle Hohlräume verfüllt und alle Munition abgekapselt werden können. Sein Urteil ist negativ: Im Bahntunnel liege oben feinkörniges Material, Beton könnte deshalb nicht in tiefer gelegene Hohlräume gelangen. Und falls man nachträglich doch noch bergen wollte, sei das wegen der Verkapselung unmöglich.

Gegenüber der «Rundschau» will niemand von der ETH Zürich ein Interview geben. Stattdessen empfiehlt man uns den international bekannten Experten für Injektionstechnik, Kurt Kogler, als Koryphäe auf dem Gebiet. Er sagt, so wie die ETH das Vorgehen beschreibe, sei das tatsächlich unmöglich. Aber wenn man die modernsten Mittel der Injektionstechnik nutze, «ist die Variante Injektion absolut realistisch».

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Kurt Kogler, Experte Injektionstechnik: «Eine Injektion ist aus meiner Sicht für diese Situation absolut realistisch.»
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Anton Schleiss, emeritierter Professor der ETH Lausanne schliesst sich dem an. Er kritisiert nicht das Gutachten, aber dessen Auftraggeber: «Die Fragestellung war sehr eng. Es ist nicht nötig, dass jeder Hohlraum verschlossen wird.» Es gehe nur darum, die Munition zu stabilisieren. Der ETH-Professor empfiehlt deshalb, den Vorschlag genauer auszuarbeiten: «Das ist erfolgversprechend und hat viele Vorteile gegenüber einer Räumung.»

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Anton Schleiss, Professor ETH Lausanne: «Das Ausräumen der Munition ist mit einem sehr grossen Risiko verbunden.»
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Das VBS aber ist dazu nicht bereit. Professor Schleiss kenne die tatsächlichen Verhältnisse im früheren Munitions-Depot nicht und habe dort keinen Augenschein nehmen können, sagt Adrian Goetschi, Projektleiter «Mitholz» beim VBS. «Der Stollen liegt nicht in kompaktem Fels. Es hat Steinblöcke mit dem Volumen von VW-Bussen. Dann wieder Schichten mit feinem, undurchlässigem Material.» Unter solchen Bedingungen tauge die Injektions-Technologie nicht.

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Adrian Goetschi, VBS-Projektleiter: «Alternativ-Konzept ist untauglich»
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Gestützt auf den Antrag der Armee hat der Bundesrat eine Räumung der Munition beantragt und diesen Auftrag der Politik wollen die Projektleiter des VBS nun ausführen.

Explosionsgefahr geringer als gedacht?

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Alle 3000 Jahre droht im ehemaligen Munitions-Depot von Mitholz eine grosse, schwere Explosion. Alle 300 Jahre eine «kleinere» Explosion. So lautet die offizielle Schätzung des Verteidigungs-Departement VBS.

Doch möglicherweise ist die Gefahr geringer: Anfang letzten Jahres kamen internationale Experten und das Bundesamt für Rüstung Armasuisse unabhängig voneinander zum Schluss, dass vor allem die Wahrscheinlichkeit einer grossen Explosion «deutlich kleiner» sei. Das VBS korrigierte seine Risiko-Analyse nach unten. Das Bundesamt für Umwelt BAFU legte darauf aber ein Gutachten mit gegenteiligen Schlüssen vor. Die BAFU-Studie bestätigte die ursprüngliche, höhere Gefahren-Einschätzung. Deshalb bleibt es bei der ursprünglichen Risiko-Beurteilung.

Die Experten sind sich uneinig – in einem enorm wichtigen Punkt: Die Risiko-Beurteilung beeinflusst den Entscheid, wie viele Menschen in Mitholz ihre Häuser verlassen müssen. Noch ist nicht definitiv bestimmt, wer wegziehen muss und wer nicht. Nächstes Jahr will das VBS die Wahrscheinlichkeit einer Explosion neu einschätzen.

«Rundschau»

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«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

SRF Rundschau, 25.08.2021, 20:05 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Raff Fluri  (al_sub)
    Der passende Dokumentarfilm «Mitholz» startet übrigens heute in den Schweizer Kinos...
  • Kommentar von Richard Limahcer  (Limi)
    Solch ein Drama um konventionellen Sprengstoff. Was wird erst bei der Lagerung von radioaktivem Abfall geschehen, mit einem Zeithorizont von über 100'000 Jahren? Da kann man sich ausmalen, dass die getätigten Rückstellungen niemals reichen werden.
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Den Mitholzern nützt es wohl nicht viel: 2 Jahre wegziehen müssen ist nicht viel besser als 10 Jahre.
    1. Antwort von Evelyn Trachsel  (E. T. K)
      Warum nützt dies den Mitholzern nichts? 2 oder 10 Jahre sind ein riesen Unterschied. Und die 10 Jahre stimmen gar nicht es währen mehr!