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Die meisten Munitionsrückstände bleiben im Hochmoor von Tramelan
Aus HeuteMorgen vom 30.09.2019.
abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.
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Sanierung von Schiessplätzen Die Blindgänger bleiben im Moor zurück

  • Hunderte ausgediente Armee-Schiessplätze in der Schweiz müssen von Munitionsrückständen gesäubert werden.
  • In manchen Fällen zeigt sich, dass die verschossene Munition unmöglich aus dem Boden geholt werden kann.

Eines dieser kaum zu säubernden Gebiete ist ein Hochmoor bei Tramelan im Berner Jura. Die dunkle Erde hier ist voller Munitionsrückstände. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts feuerte die Artillerie Granaten ins Moor, zwischen 1963 und 1972 warf die Schweizer Luftwaffe übungshalber auch Bomben ab.

Ausbaggern wäre der Tod des Moors

Entsprechend belastet ist der Boden. «Es hat viele grosse Splitter, mittelkalibrige Flugzeugmunition, Teile von Flugzeugraketen, Betontbomben, ausgeschossene Zünder», sagt Franz Bär. Er führt hier das Kommando «Kamir» – die Kampfmittelräumer. Auch zahlreiche Blindgänger stecken noch tief in dem Moor.

Würde das VBS das Moor komplett von diesen Munitionsresten säubern, müsste man es ausbaggern – und damit zerstören. Doch das Moor ist geschützt, die verschossene Munition kann deshalb nicht herausgeholt werden.

Jurawiese mit Bäumen.
Legende: Dieses Hochmoor bei Tramelan soll revitalisiert werden – mit den Munitionsrückständen im Boden. srf/Matthias Baumer

Leben mit der Munition im Boden

Weil das Hochmoor in einem schlechten Zustand ist, soll es im nächsten Frühling revitalisiert werden: Dank gezielter Bauarbeiten soll es wieder mehr Wasser aufnehmen können. Und bloss an jenen Stellen, wo deswegen die Bagger an die Arbeit gehen, wird das VBS die Munitionsrückstände aus dem Boden holen.

Für Olivier Bessire, der beim Kanton für die Naturschutzgebiete im Berner Jura verantwortlich ist, ist das der einzig realistische Weg. «Man muss die Revitalisierung mit der Munition machen. Solange aber die Verschmutzung in einem akzeptablen Bereich bleibt – wenn sich Flora und Fauna gut entwickeln – nehmen wir die Munition wohl oder übel in Kauf.»

Immense Kosten, jahrzehntelange Arbeit

Das Moor in Tramelan ist bloss eines von mehreren Hundert ehemaligen Armee-Schiessgeländen in der ganzen Schweiz. Angaben darüber, wie viel es kostet und wie lange es dauert, all diese Gebiete von Munitionsrückständen zu säubern, kann das VBS keine machen. Sicher aber ist: Es dürfte teuer werden und lange dauern.

Bekannt ist lediglich, dass das VBS von Kosten in Höhe von mehreren Hundert Millionen Franken ausgeht – allein um jene wenigen militärischen Schiessanlagen komplett zu sanieren, welche derart stark durch Munition belastet sind, dass dies zwingend notwendig ist. Und allein das werde 25 Jahre dauern, heisst es beim VBS.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    Wenn selbst in unserer neutralen Schweiz Blindgänger herumliegen, so können diese nur vom einheimischen Militär stammen. Mir unverständlich, weshalb nicht sämtliche verschossene Munition abgezählt und die Reste wieder sorgsam eingesammelt werden. Gehört das nicht auch zur Schulung und Aufgabe des Militärs?
    - Was die Minen in Kriegsländern betrifft, gäbe es weniger davon, wenn die Verursacher haftbar gemacht und zur Räumung aufgefordert würden!
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    War in Südamerika. Einen Bericht wie die CH Armee einige Stahlkrumel aus einem Moror chnübeln... Echt? Das machen die? Eure Probleme wollten wir gerne haben...
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    1. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      Natürlich hätten die unsere Probleme gerne, aber ich will lieber nicht tauschen. Es kostet einiges an Zeit und Mühe unser Gärtchen einigermassen sauber zu halten, wie man ja immer wieder sehen kann.
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    2. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @Sam: Ist mir schon auch klar. Wir investieren ja auch immense Summen, dass unser Staatswesen so läuft wie es läuft. Und wir uns dem Schrott im Moor zuwenden können.
      Es ist dennoch spannend zu beobachten, wie wir hier eigentlich, trotz aller Unkenrufen über die hiesigen Zustände, auf einer kleinen Insel der Glückseligen leben!
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    3. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      Da sind wir uns vielleicht sogar einigermassen einig, in ein intaktes und gesundes Lebensumfeld, in dem wir und unsere Kinder leben und wachsen können, kann man eigentlich gar nicht zu viel investieren, höchstens zu wenig.
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    4. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Lieber Herr Müller, ich denke, wir sind uns ziemlich alle bewusst, dass es in anderen Gegenden der Welt Probleme gibt, welche lebensbedrohlicher sind als ein paar Blindgänger in einem Moor.
      Aber kann es der richtige Ansatz sein, all unsere Probleme zu ignorieren, weil es woanders noch viel schlimmer ist? Alles steht immer in einem Kontext. Und im schweizerischen Kontext sind Fälle wie der oben beschriebene nun halt nicht einfach "ok" und egal.
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    5. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @zigg: Mir geht aber auf den Wecker über das Drama das oft aus allem gemacht wird. Als müsse man die Moore vor dem Untergang retten. Oder beim Klima wird der hysterischen Greta am Klimagipfel seitenweise Publizität gewährt, während konktrete Lösungsvorschläge von Unternehmern ebendort kaum öffentl. Beachtung finden. Schade.
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    6. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      "konktrete Lösungsvorschläge von Unternehmern", hätten Sie bitte ein paar Infos dazu?
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Das VBS würde gescheiter mal im ganzen Land seinen jahrzehnte alten Dreck aufräumen und das Land anständig der nächsten Generation über geben anstatt neue Dreckschleudern, Flugzeuge, zu kaufen. So haben wir es jedenfalls noch gelernt. Bevor nicht tiptop aufgeräumt ist muss du nicht mal nach etwas Neuem fragen. Da gabs bestenfalls eine Ohrfeige.
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    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Ein solcher Bericht zementiert die weltweite Meinung, dass 1. die Schweiz das blitzblank sauberste Lande der Welt ist. Dass 2. Die Schweiz unheimlich reich ist. Und 3. keinerlei wirkliche Probleme kennt. Ein Paradies und Garten Eden auf Erden!
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