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Legende: Audio «Mit der Klimadiskussion hat der internationale Zugverkehr wieder an Bedeutung gewonnen» abspielen. Laufzeit 04:16 Minuten.
04:16 min, aus SRF 4 News aktuell vom 31.05.2019.
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SBB will mehr Nachtzüge «Das grösste Problem ist, dass heute das Fliegen zu billig ist»

Die SBB will wieder ins Geschäft mit Nachtzügen einsteigen. Gegenüber «10 vor 10» sagte der Leiter des internationalen Personenverkehrs, Armin Weber: «Wir sehen den Bedarf am Markt und wir prüfen deswegen, ob wir den Nachtzugverkehr wieder ausbauen können.» Auf welchen Verbindungen genau, sei noch offen. Ueli Stückelberger vom Verband öffentlicher Verkehr begrüsst die Pläne der SBB, auch wenn er sie schon fast für ehrgeizig hält.

Ueli Stückelberger

Ueli Stückelberger

Direktor Verband öffentlicher Verkehr

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Stückelberger ist Jurist und arbeitete einige Jahre beim Rechtsamt der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern. 1999 wechselte er in das Bundesamt für Verkehr (BAV). Seit 2011 ist er Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV) und von Seilbahnen Schweiz (SBS).

SRF News: Unter welchen Bedingungen macht ein Ausbau des Nachtzugangebots Ihrer Meinung nach Sinn?

Ueli Stückelberger: Ich bin froh, dass sich die SBB darüber Gedanken macht. Hier ist Potenzial vorhanden, davon bin ich überzeugt. Mit der ganzen Klimadiskussion hat der internationale Zugverkehr wieder eine grössere Bedeutung bekommen. Ich gehe davon aus, dass das Fliegen über kurze Strecken weniger attraktiv wird; finanziell, und weil es verpönter wird.

Auf welchen Strecken wären aus Ihrer Sicht Nachtzüge lukrativ?

Wir haben in der Schweiz schon heute gute Zugverbindungen nach Wien und nach Deutschland, zum Beispiel nach Berlin und Hamburg. Potenzial sehe ich auch in Richtung Süden. Ich könnte mir einen Nachtzug von Zürich-Bern-Brig und auch von der Westschweiz Genf-Lausanne-Brig und weiter nach Rom vorstellen. Das könnte Potenzial haben. Aber es muss auch genutzt werden.

Wie stark müsste denn in die neue Flotte investiert werden?

Es braucht ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und da gehört eine gute Qualität dazu. Für mich auch klar ist, dass es verschiedene Preisklassen braucht. Als ich noch Schüler war, störte mich ein Sechser-Couchette-Abteil nicht. Heute hat man, wenn man alleine reist, vielleicht höhere Ansprüche.

Das grösste Problem ist, dass heute das Fliegen zu billig ist.

Es müsste meines Erachtens für alle Ansprüche ein Angebot vorhanden sein.

Heute ist das Zugticket in den meisten Fällen noch deutlich teurer als ein Flugticket. Wie kann die Bahn da wirklich mithalten?

Das grösste Problem ist, dass heute das Fliegen zu billig ist. Kurzstreckenflüge, die nichts kosten, haben zum Beispiel auch die Nachtverbindung der Bahn von der Schweiz nach Barcelona – auch eine Strecke mit Potenzial – kaputtgemacht. Die Bahn kann das nicht ganz günstig anbieten, aber das Verhältnis Flug-Zug muss in einer gewissen Grösse sein.

Heisst das, die Bahn kann letztlich nicht günstiger werden als der Flug?

Früher war die Bahn auch nicht günstig und es hatte viel mehr Passagiere auf Nachtzügen. Der Markt wurde zum Teil durch die Billigfliegerei zerstört. Die Politik ist gefordert, sowohl national als auch international, damit wieder ein gewisses Gleichgewicht erreicht werden kann, auch mit Mitteln wie der Flugticket-Abgabe.

Ehemalige und aktuelle Nachtzug-Strecken von der Schweiz aus

Neue Verbindungen wären laut SBB frühestens in zwei bis drei Jahren möglich. Ist das nicht zu spät?

Da muss man realistisch sein. Eine neue Linie aufzubauen dauert einige Zeit. Man muss auch Rollmaterial beschaffen. Ich finde das sogar schon fast ehrgeizig. Wichtig ist, dass man sich jetzt Gedanken darüber macht.

Das Gespräch führte Jonathan Fisch.

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66 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Coltellino  (coltellino)
    Ich vermisse wie viele andere hier ein breiteres Nachtzugangebot. Wenn ich in Europa reise, prüfe ich immer zuerst die Bahnpreise. Zu oft fliege ich am Ende trotzdem, aus finanziellen und zeitlichen Gründen. Ich glaube, genauso wichtig wie preisliche Konkurrenzfähigkeit wäre eine Veränderung der Mentalität. Etwas Entschleunigung wäre schön, eine Gesellschaft und einen Arbeitsmarkt, wo es normal ist, dass man halt einen extra Tag gemütlich im Zug sitzt/liegt, anstatt im Flieger zu stressen.
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  • Kommentar von David Loher  (DaLo)
    Genau solche Ideen mit einer Kombination von Schlafwagen und Autotransport habe ich auch mit meinem Konzept.
    Ich bin nähmlich daran selber Nachtzuglinien wieder in Europa zu realisieren und zu betreiben.
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  • Kommentar von Wolfgang Nivard Wolfsgruber  (Nivi)
    Ein GA kostet so viel wie ein kleines Auto/Jahr. Für eine Familie wäre ein GA viel zu teuer, sofern bereits ein Auto berufsbedingt vorhanden ist. Mit der CO2 Lüge wird permanent die Teuerungsschraube angezogen, die die ÄRMSTEN am härtesten trifft!
    Mit Greta wird unseren Kindern ein 15-jähriges unschuldiges Asperger Mädchen vor die Nase gehalten, um bei Ihnen eine traumatische Klimahysterie auszulösen.
    UND, tatsächlich weiss Niemand wohin die hunderten Milliarden CO2 Abgaben fliessen.

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