Schiessen als letzte Lösung

Schiessen oder nicht? Bei den Amok-Attacken und Terror-Angriffen in Deutschland und Frankreich hat die Polizei die Täter erschossen. Jede Lage sei wieder anders, sagt Max Hofmann, Generalsekretär der Schweizer Polizeigewerkschaft.

Ein Polizist hinter einem Auto zielt auf einen Mann mit erhobenen Armen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Üben lassen sich Ernstfälle nur beschränkt: Nachgestellte Szene eines Polizeieinsatzes. Keystone/Archiv

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Max Hofmann

Max Hofmann

Hans Peter Blunier

Er ist Generalsekretär des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB).

Bei den Amok-Attacken und Terror-Angriffen in Deutschland und Frankreich fällt auf: Die Täter, die sich nicht selbst richteten, hat die Polizei erschossen, sei es in Nizza vor knapp zwei Wochen oder bei Würzburg letzte Woche. Am Dienstag nun erschoss die französische Polizei zwei Attentäter, als sie aus einer Kirche in der Normandie traten. Sie hatten dort mit Messern einen Priester ermordet.

SRF News: Wann dürfen Polizeibeamte schiessen?

Max Hofmann: Dieser Entscheid ist nicht einfach. Die Polizisten sind aber ausgebildet und vorbereitet, um solche Entscheidungen zu treffen. In der Schweiz macht die Polizei nur sehr selten Gebrauch von der Schusswaffe. Schiessen ist die Ultima Ratio.

Was bedeutet es, wenn der Täter nicht mit einer Schusswaffe bewaffnet ist, sondern nur mit einem Messer?

Hören Sie hier das ganze Gespräch mit Max Hofmann

4:42 min, aus SRF 4 News aktuell vom 27.07.2016

Nicht die Waffe ist massgebend für die Entscheidung, sondern die Gefahr. Wenn das Leben eines Polizisten oder einer Drittperson bedroht ist, dann muss der Polizist handeln, um diese Gefahr abzuwenden. Wenn das Opfer ein Messer am Hals hat, dann wird es schwierig, ohne Waffengebrauch einzugreifen.

Nachdem die Polizei in Bayern den 17-jährigen mit einer Axt bewaffneten Täter erschossen hatte, gab es Kritik aus der Politik. Die Polizei hätte versuchen sollen, den Täter nur zu verwunden, hiess es. Ist diese Forderung realistisch?

Das Ziel soll grundsätzlich sein, den Täter der Justiz zu übergeben. Kommt es aber hart auf hart, hat man möglicherweise keine Zeit, auf eine Schulter oder ein Bein zu zielen.

«  Es ist unmöglich, sämtliche Einsätze im Training durchzuspielen. »

Ist es überhaupt möglich, einen Polizisten durch Training auf einen Ernstfall vorzubereiten?

Die Polizisten in der Schweiz sind darauf vorbereitet, einen Schusswaffeneinsatz durchzuführen. Jede Situation ist aber einzigartig und es ist unmöglich, sämtliche Einsätze im Training durchzuspielen.

Macht es die Aufgabe der Polizei schwieriger, dass es Täter gibt, die möglicherweise Sprengstoff auf sich tragen?

Die Gefahr von Terrorismus in Europa hat zu einer angespannteren Lage geführt. Die Anforderungen sind gestiegen. Die Polizisten müssen noch aufmerksamer in den Dienst treten.

Das Gespräch führte Andrea Christen.