Zum Inhalt springen

Schweiz Schlag gegen die Mafia: 15 Festnahmen in drei Kantonen

Die Polizei nimmt in den Kantonen Zürich, Thurgau und Wallis 15 mutmassliche Mitglieder der 'Ndrangheta fest. Sie sitzen in Auslieferungshaft, wie das Bundesamt für Justiz mitteilt. 13 der verhafteten Personen sollen der Frauenfelder Zelle der kalabrischen Mafia angehören.

Legende: Video Schlag gegen die Mafia abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.03.2016.
  • 15 mutmassliche 'Ndrangheta-Mitglierder aus den Kantonen Thurgau (12), Zürich (1) und Wallis (2) in Auslieferungshaft
  • 13 der Verhafteten vermutlich Angehörige der Frauenfelder 'Ndrangheta-Zelle
  • Auslieferungsersuchen der italienischen Behörden als Grundlage der Verhaftungen, 14 widersetzen sich der Auslieferung
  • Bundesamt für Justiz gibt Auslieferung «aus prozessökonomischen Gründen» Vorrang vor eigener Strafverfolgung
  • Zwei weitere Verdächtige Schweizer Bürger lediglich einvernommen, da Auslieferung ohne Zustimmung nicht möglich

Frauenfelder Zelle der 'Ndrangheta

In den Kantonen Zürich, Thurgau und Wallis sind am Dienstag 15 mutmassliche Mitglieder der Mafia-Organisation 'Ndrangheta festgenommen worden. Sie sitzen in Auslieferungshaft.

Legende: Video Stellungnahme von Folco Galli, Bundesamt für Justiz abspielen. Laufzeit 0:24 Minuten.
Vom 08.03.2016.

Die Haftanordnungen basieren auf italienische Auslieferungsersuchen, wie das Bundesamt für Jusitz (BJ) mitteilte. Die italienischen Behörden werfen den Verhafteten vor, Mitglieder einer kriminellen Organisation zu sein. Sie hätten über Jahre hinweg regelmässig an Treffen und Riten teilgenommen und sich in bedingungslosem Gehorsam den hierarchischen Strukturen untergeordnet, erklärt BJ-Informationschef Folco Galli.

12 Personen wurden im Thurgau festgenommen, eine im Kanton Zürich und zwei im Kanton Wallis. Zwei der Festgenommenen sind in Italien bereits zu Freiheitsstrafen von neun respektive sechs Jahren verurteilt worden. Die im Thurgau wohnhaften Personen sollen gemäss Mitteilung der Frauenfelder Zelle der kalabrischen 'Ndrangheta angehören.

Bürgerliches Leben

Nach Recherchen des Tessiner Fernsehens führten die 'Ndrangheta-Mitglieder ein ganz normales Leben, etwa als Kleinunternehmer in der Immobilienbranche, Taxifahrer oder Bauarbeiter. In der italienischen Diaspora sei die Mitgliedschaft ein offenes Geheimnis gewesen, so Maria Roselli.

Das BJ geht davon aus, dass der in den Auslieferungsersuchen dargelegte Sachverhalt auf den ersten Blick auch in der Schweiz strafbar ist. Damit sei die beidseitige Strafbarkeit als Voraussetzung für eine Auslieferung erfüllt.

Auch Schweiz ermittelte

Obwohl auch die Bundesanwaltschaft gegen diese Personen wegen des gleichen Delikts ermittelt, gibt die Schweiz der Auslieferung Vorrang – unter anderem aus «prozessökonomischen Gründen», wie das BJ schreibt. Dies ist gemäss Rechtshilfegesetz in Ausnahmefällen möglich.

Die festgenommenen Personen wurden am Dienstag einvernommen. 14 von ihnen widersetzen sich der Auslieferung, wie das BJ am frühen Abend bekanntgab. Eine im Kanton Thurgau festgenommene Person erklärte sich mit der Auslieferung an Italien grundsätzlich bereit, hat aber noch eine dreitägige Bedenkzeit.

Der Entscheid über die Auslieferung kann beim Bundesstrafgericht angefochten und in besonderen Fällen an das Bundesgericht weitergezogen werden.

Gegen die Auslieferung ausgesprochen hat sich auch einer der zwei Verdächtigen, die den Schweizer Pass besitzen. Die andere Person wird erst nächste Woche einvernommen. Beide können nicht ohne ihre Zustimmung ausgeliefert werden.

«DOK» am Mittwoch 22.55 Uhr

«DOK» zeigt morgen Mittwoch den Film «Das Kreuz mit der Mafia». Ein Interview mit dem Filmautor und Mafia-Kenner John Dickie lesen Sie hier.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Wenn dieser sogenannte Schlag gegen die Mafia nicht wieder ein Schlag in das Wasser ist . Wie so oft, werden nur die kleinen Stinker gefasst, die dann in bälde wegen Mangel an Beweisen, frei ihr Flonerleben weiterführen, mit versteckten Mafiageldern. Hoffe nur nicht, dass die Härtefälle wegen zurückgebliebenen Kindern die Ausweisung verhindert. Aber sie dürfen auf unsere Kosten alles weiter ziehen bis zum Bundesgericht. So wird die Demokratie von Kriminellen am Nasenring durch die Arena gezogen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Neben den Festgenommenen werden zwei weitere verdächtige Personen zu einer Einvernahme vorgeladen. Da letztere beiden eingebürgert worden sind, konnten sie nicht in Auslieferungshaft genommen werden. Als Schweizer Bürger können sie nicht ohne ihre Zustimmung an Italien ausgeliefert werden. Die kommen wieder mit einem blauen AUge davon.Da haben wir den Salat. Pass wegnehmen und ausliefern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Jaeger (jegerlein)
    "Teilnahme an Riten, Unterordnung unter die hierarchischen Strukturen und bedingungsloser Gehorsam" sind also das Delikt das zur Verhaftung führte. Für mich ist das äusserst fragwürdig denn sehr illegal tönt das nicht gerade...; so könnte man auch den Militärdienst beschreiben. Ich lasse mich natürlich gerne belehren, die Zeiten ändern sich ja bekanntlich
    Ablehnen den Kommentar ablehnen