Zum Inhalt springen

Header

Audio
Graubünden ergreift Massnahmen zum Schutz des Schutzwaldes
Aus Regionaljournal Graubünden vom 03.09.2021.
abspielen. Laufzeit 05:03 Minuten.
Inhalt

Schutz von Wäldern Für den Schutzwald will Graubünden mehr Wildtiere schiessen

Rehe, Gämse und Hirsche fressen in Graubünden zu viele Bäume, die später als Schutzwald dienen sollen. Nun reagiert der Kanton.

Erhebungen des Bündner Amtes für Wald- und Naturgefahren zeigen, dass es in den Schutzwäldern des Kantons ein Problem gibt: In manchen Regionen wachsen keine neuen Bäume nach, die den Schutzwald später stärken. «Die Naturverjüngung funktioniert momentan nicht», sagt der Bündner Kantonsförster Urban Maissen. Dabei würden Wildtiere eine wesentliche Rolle spielen. Denn zu viele Hirsche, Rehe und Gämse fressen die Knospen und Triebe der jungen Bäume. Dies führt dazu, dass die künftigen Schutzbäume eingehen.

Wildbestände markant reduzieren

Die Regierung des Kantons Graubünden reagiert nun mit einer neuen Strategie auf das Problem. Dank einer guten Waldbewirtschaftung, besseren Lebensräumen für die Tiere und einer teilweise markanten Reduktion der Wildtierbestände sollen die meisten Baumarten im Bündner Wald bis in zehn Jahren von alleine nachwachsen – ohne Zäune und andere Massnahmen, die vor Frassschäden schützen. So wie es das Gesetz eigentlich schon heute vorschreibt.

Video
Aus dem Archiv: Massive Schutzwaldprobleme im Prättigau
Aus Schweiz aktuell vom 02.07.2021.
abspielen

«Wir müssen die Wildbestände dem Lebensraum anpassen», sagt der Bündner Jagdinspektor Adrian Arquint. Für jede Region sollen Ziele definiert werden. Absolute Vorgaben gibt es jedoch nicht. Eine starke Reduktion beim Hirsch würde beispielsweise bedeuten, dass der Bestand in der betroffenen Region in den nächsten fünf Jahren um 15 Prozent reduziert werden soll.

Viel Arbeit für Jägerinnen und Jäger

Um die Strategie zum Schutz des Waldes umsetzen zu können, sei man auf die Jägerinnen und Jäger angewiesen, sagt Jagdinspektor Arquint: «Es nützt nichts, wenn wir auf dem Papier etwas definieren, die Jäger am Ende aber nicht mitmachen.»

Es nützt nichts, wenn wir auf dem Papier etwas definieren, die Jäger am Ende aber nicht mitmachen.
Autor: Adrian Arquint Bündner Jagd und Fischerei-Inspektor

Bedenken, die im Moment unbegründet sind, wie eine Nachfrage beim Bündner Patentjägerverband zeigt. «Die Strategie finde ich sehr gut. Es wurde Zeit, dass man das Thema angeht», sagt Verbandspräsident Tarzisius Caviezel. Die ambitionierten Ziele der Regierung seien jedoch nur zu erreichen, wenn die Bündner Jagd attraktiver gemacht würde.

Änderungen bei den Jagdregeln

Auch der neu gegründete Ökologische Jagdverein Schweiz lobt die Bündner Schutzwald-Strategie. Die Regierung in Graubünden mache damit einen Schritt nach vorne und anerkenne erstmals das Problem, sagt Forstingenieur und Mitglied des Vereinsvorstandes Sandro Krättli. Aber: Für die Umsetzung der Strategie brauche es Anpassungen bei den Jagdregeln.

So müsse man beispielsweise über weniger Vorschriften beim Reh oder andere Jagdzeiten beim Hirsch diskutieren, sagt Krättli: «Bisher hat man bei der Bündner Jagd nur Feinjustierungen vorgenommen. Das reicht aber einfach nicht.» Für das nächste Jahr fordert Krättli deshalb deutliche Änderungen bei der Jagdplanung.

Was sagen die Jagdkritiker?

Box aufklappen Box zuklappen

Beim Verein Wildtierschutz Schweiz anerkennt man die Probleme im Schutzwald. Wenn es nicht anders ginge, müssten Wildtiere geschossen werden, sagt Geschäftsführer Roberto Babst. Die Jagd spiele in der neuen Strategie der Bünder Regierung aber eine zu grosse Rolle. Für Babst wäre es wichtiger, dass den Wildtieren mehr Lebensraum zur Verfügung stehen würde. Durch die touristische, landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Nutzung der Natur würden die Tiere immer mehr in die Wälder gedrängt - was die Probleme im Schutzwald verstärke.

Tatsächlich berücksichtigt die Bündner Schutzwald-Strategie eine Verbesserung des Lebensraumes für Wildtiere. Wenn es beispielsweise um touristische Projekte im Wald gehe, hätten die Gemeinden eine wichtige Aufgabe, sagt Jagdinspektor Adrian Arquint. Bei der Präsentation der Strategie hiess es, man müsse zusammenarbeiten. Denn nur gemeinsam könne man die Probleme im Schutzwald lösen.

Regionaljournal Graubünden, 2.9.2021, 17:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Sonja Nemeth  (Patschifig)
    Aber ja nicht mehr Wölfe - sondern mehr jagen! Dann kann man gleich alle Wölfe, Luchse, Wildkatzen abschiessen, sonst hat die Jagdaufsicht ja keine Kontrolle über den Wildbestand
  • Kommentar von Martin Vischer  (Martin Vischer)
    Die Jagd sollte verstaatlicht werden. Die freie Jagd gehört verboten. Die Nutztiere sind mittels Schutzhunden zu schützen. Das Rotwild soll durch den Wolf reguliert werden. Wir waren uns längst einig, als nun während Corona wieder diese unsägliche „Wolfabschiessdebatte“ aus der Mottenkiste geholt worden ist.
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    In einer nicht vom Menschen negativ beeinflussten Natur hindern Raubtiere wie Wölfe die explosionsartige Vermehrung von Tieren wie Hirsche oder Rehe. Kein Wolf käme auf die Idee auf Nutztiere loszugehen, da im die Natur alles bietet. Da der Wolf aber in der Schweiz ausgerottet wurde ist dieser Kreislauf zerstört. Nur wenn der Mensch sich aus Teilen der Natur zurückzieht und kann wieder werden was eigentlich sein sollte. Aber unser Ego lässt dies leider nur selten zu.
    1. Antwort von Peter Huber  (happyglaris)
      Weshalb geht er dann auf Nutztiere los, die Wälder sind ja teils "übervoll" von Wild ?
    2. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Huber: Erstens weil dies nur auf die wenigsten Wälder der Schweiz zutrifft und zweitens bringen Sie mal einem Raucher bei dass er sich durchs rauchen selbst schadet. Wenn mal ein Gefährliches Fehlverhalten erlernt ist, ist es sehr schwierig dies wieder loszuwerden. Auch machen es viele Bauern den Raubtieren auch sehr einfach in dem Sie ihre Nutztiere nich ausreichend schützen oder Futter illegal in der Natur entsorgen. Beides sehe ich beim Wandern immer wieder.
    3. Antwort von Peter Huber  (happyglaris)
      Herr Volkart, zu Ihrem Erstens.; in den Wäldern wo der Wolf in der Schweiz vorkommt hat es überall genügend Wild. Zu Ihrem zweitens; muss ich wohl nichts sagen, da dies weder mit Wölfen noch mit dem Schutzwald zu tun hat.
      Das "Fehlverhalten" hat der Wolf trotz vollem Buffet erlernt.
      Ihre Aussage das der Wolf nie auf die Idee käme Nutztiere zu reissen da ihm die Natur alles bietet ist doch völlig falsch.
    4. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Huber: Das es in allen Wäldern in denen der Wolf in der Schweiz herumstreift genug Beute hat trifft leider nicht teilweise zu. Dies weiss ich aus Gesprächen mit Wildhütern. Mein Beispiel mit dem Rauchen sollte aufzeigen wie schwer es ist ein erlerntes Fehlverhalten loszuwerden.
    5. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Huber, "Weshalb geht er dann auf Nutztiere los, die Wälder sind ja teils "übervoll" von Wild ?" Die Antwort erhalten Sie in der interessanten und sehenswerten Sendung NETZ NATUR von Andreas Moser. Sollte für jede*n Pflicht sein, der/die sich auf irgend eine Weise mit Wölfen beschäftigen. Vorwiegend den Wolfsgegner*innen würde diese Sendung gut tun.