Es ist das erste Mal überhaupt, dass die SBB direkt mit Fussballfans eine Vereinbarung über Selbstregulierung der Fanzüge abschliessen konnte. Konsequenz: Auf Beginn der Fussball-Rückrunde im Februar 2016 wird sich die SBB-Transportpolizei aus den Luzerner Fanzügen zurückziehen.
SBB: «Hoffen auf Beruhigung der Situation»
Anton Emmenegger, stellvertretender Kommandant der SBB-Transportpolizei bestätigt die Recherche der «Rundschau»: «Die Transportpolizei hat Fussballfans ausgebildet, die eigenverantwortlich für Ruhe und Ordnung auf den Fanzügen sorgen sollen. Wir erhoffen uns eine Beruhigung der Situation in den Fussballextrazügen.»
Transportpolizisten spitalreif geschlagen
Zur neuen Regelung geführt haben Gewaltexzesse, bei denen SBB-Transportpolizisten von Hooligans aus Fanzügen geprügelt wurden. So erzählt in der «Rundschau» ein SBB-Transportpolizist, wie er Ende August von Hooligans in Lugano mit einem gezielten Flaschenwurf niedergestreckt wurde. Bereits letzten Februar hatten in Wil vermummte Hooligans drei SBB-Polizisten aus dem Fanzug geprügelt.
Fanbeauftragter: «Fans in Verantwortung»
Christian Wandeler setzt sich für die Selbstregulierung durch die Fans ein und hat als Luzerner Fanarbeiter die Vereinbarung mit den SBB unterzeichnet. «Neu werden Fans mit in die Verantwortung genommen – dafür zieht sich die Transportpolizei zurück.» Der Geschäftsführer von Fanarbeit Schweiz erhofft sich viel von dieser neuen Lösung: «Das neue Modell muss zuerst anrollen; doch alle Beteiligten sind sehr zuversichtlich, dass die Selbstverantwortung klappt.»
Die Bahn will jetzt mit Fans aus anderen Klubs ebenfalls solche Regelungen abschliessen, um sich aus weiteren Fussball-Extrazügen zurückziehen zu können. Die SBB-Transportpolizei hat bisher erst eine Zusammenarbeit für Fanzüge mit Klubverantwortlichen (konkret mit den Berner Young Boys) unterzeichnen können.