Werden Schweizer Atomkraftwerke mit russischem Uran betrieben? Die Frage beantwortet der Energiekonzern Axpo, der die Kraftwerke Beznau und Leibstadt betreibt, auf Anfrage so wie bereits vor einem Jahr:
«Die Brennstoffversorgung von Leibstadt und Beznau ist aufgrund von Reserven seit 2022 nicht mehr auf russische Quellen angewiesen.»
Betrieb bis zur Stilllegung mit russischem Uran
Florian Kasser, Atomexperte bei Greenpeace Schweiz, relativiert dies, was Beznau betrifft. Die beiden Reaktoren würden bis zu ihrer Stilllegung in sechs bis sieben Jahren sehr wohl mit Uran aus Russland betrieben.
Die Axpo hätte diese Verträge auflösen können. Das wäre mit Kosten verbunden gewesen, aber aus ethischer Sicht wäre es notwendig gewesen
Dieses Uran liege bereits in Lagern ausserhalb Russlands und werde von der französischen «Framatome» aufbereitet. Entsprechende Verträge hätten schon vor dem Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine bestanden. «Die Axpo hätte diese Verträge auflösen können. Das wäre mit Kosten verbunden gewesen, aber aus ethischer Sicht wäre es notwendig gewesen», erklärt Kasser.
Eine Geschäftsbeziehung direkt mit «Rosatom», einem Konzern, der am Krieg in der Ukraine beteiligt ist, sei, so der Atomexperte bei Greenpeace Schweiz, einfach nicht vertretbar. Sanktionen gegen die russische Atomindustrie gibt es bisher nicht. Genau das zeigt aus Sicht von Greenpeace, dass Russland für die Kernindustrie nicht nur die Schweizerische nach wie vor zentral ist.
Uran-Lieferungen aus Kasachstan
Was das Kernkraftwerk Leibstadt betrifft, das noch deutlich länger laufen soll, habe die Axpo tatsächlich Russland als Lieferanten ersetzt, und zwar durch Kasachstan, ergänzt Kasser von Greenpeace.
Kasachstan ist eine ehemalige sowjetische Republik und die Verbindungen zu Russland sind immer noch sehr stark.
Das sei aber nicht besser. «Kasachstan ist ein Land, das ebenfalls autokratisch geführt wird. Dazu kommt, dass Kasachstan klar im Einflussbereich von Russland liegt», sagt Kasser und ergänzt: «Es ist eine ehemalige sowjetische Republik, und die Verbindungen mit Russland sind immer noch sehr stark.» Konkret sei der russische Atomkonzern «Rosatom» direkt an Uranminen in Kasachstan beteiligt.
Dazu schreibt die Axpo: «Es gibt keine direkten oder indirekten finanziellen Flüsse nach Russland oder an russische Parteien aus den Verträgen mit Kazatomprom.» Gemeint ist der kasachische Uranproduzent.
Diese Feststellung lässt Fragen offen, denn immerhin wird das Uran aus Kasachstan mit der Bahn durch Russland nach Sankt Petersburg transportiert und dort verschifft. Seit dem vergangenen Jahr bezieht Axpo allerdings nicht nur aus Kasachstan sondern auch aus Kanada Uran, welches dann in Europa weiterverarbeitet wird.
Die Unternehmen, die in Europa Uran anreichern, arbeiten aber weiterhin auch mit russischem Uran. Weil die Herkunft dieses Rohstoffs nicht rückverfolgen lässt, kann laut Greenpeace aber nicht ausgeschlossen werden, dass dort Uran aus Kanada mit russischem vermischt wird, bevor es in die Schweiz gelangt.
Kurz: Russland spielt auf dem internationalen Uranmarkt nach wie vor eine dominante Rolle. Dieser Tatsache kann sich auch der Schweizer Energiekonzern Axpo trotz Bemühungen nicht gänzlich entziehen.