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Schweiz Schweizer Bevölkerung zeigt sich offener gegenüber dem Ausland

Die Schweizer Bevölkerung fühlt sich sicher im Inland. Die weltpolitische Lage hingegen, bewertet sie laut der neusten ETH-Sicherheitsstudie deutlich düsterer. Auffallend: Fast 80 Prozent der Befragten finden, dass die Schweiz eine aktivere Rolle bei internationalen Konferenzen spielen soll.

Aussenminister Didier Burkhalter spricht an einer OSZE-Veranstaltung im Jahr 2014.
Legende: Dank ihm zeigt sich die Schweizer Bevölkerung laut Studie offener: Didier Burkhalter als OSZE-Vorsitzender. Keystone/Archiv

Sollte die Schweiz mehr bei Konflikten im Ausland vermitteln und sich bei der UNO stärker engagieren oder der Nato annähern? Die Zustimmung zu diesen Fragen steigt erstmals, nachdem sie in den vergangenen Jahren stets gesunken war. So finden beispielsweise fast 80 Prozent der Befragten, die Schweiz sollte sich bei internationalen Konferenzen stärker einbringen.

«Burkhalter-Effekt» zieht weite Kreise

Das sei eine Folge der Schweizer OSZE-Präsidentschaft unter Aussenminister Didier Burkhalter, sagt der Autor der Sicherheitsstudie der ETH Zürich, Tibor Szvircsev Tresch. Burkhalter hatte im Ukraine-Konflikt an vorderster Front vermittelt.

«Wenn ein Ereignis immer wiederkehrt, hat das einen grossen Einfluss auf die Meinung Bevölkerung.» Der Ukraine-Konflikt sei im Jahr 2014 ein Dauerthema gewesen und Burkhalters Präsenz in den Medien gross. Die Studienverfasser sprechen deshalb von einem «Didier-Burkhalter-Effekt».

Dieser Effekt ziehe weitere Kreise: Selbst der EU steht die Schweizer Bevölkerung laut Umfrage anfangs 2015 etwas weniger skeptisch gegenüber als auch schon – trotz Ja zur Masseneinwanderungsinitiative, trotz Ringen mit Europa um die Umsetzung der Initiative.

21 Prozent der Befragten für EU-Beitritt

Militärsoziologe Tresch erklärt das so: Wenn die Bereitschaft zu einer weicheren Form der Zusammenarbeit, etwa an internationalen Konferenzen, steige, dann wachse auch die Öffnungsbereitschaft gegenüber der EU oder der Nato. Aber man müsse «ganz klar sagen», dass die Zustimmung für einen EU-Beitritt immer noch sehr tief sei, im Vergleich mit anderen Jahren.

So sprechen sich beispielsweise nur 21 Prozent der Befragten direkt für einen EU-Beitritt aus. Das sind vier Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor – ein Wachstum auf sehr tiefem Niveau.

Allerdings zeigt die ETH-Sicherheitsstudie in Fragen der europäischen Integration erstmals seit etwa fünf Jahren wieder zaghafte Zeichen der Öffnung. Das gilt auch für die Frage, ob sich die Schweiz der EU politische stärker annähern soll.

Trendwende im Jahr 2016?

Noch sei es aber zu früh, von einer Trendwende zu sprechen, sagt Tresch. Im Moment laufe die Diskussion über das Verhältnis der Schweiz mit der EU. «Ich denke, Ende 2015 werden wir hier mehr Klarheit haben.» Ob die Zahlen im Jahr 2016 aber dann wirklich weiter Richtung Zustimmung tendieren, müsse sich erst noch zeigen.

Fürs Erste steht fest: Die Schweizer Bevölkerung gibt sich nach einem Jahr im OSZE-Rampenlicht öffnungsbereiter als auch schon. Auch trotz – oder vielleicht gerade wegen – intensiver europapolitischer Diskussionen.

1200 Befragungen

Die der Studie zugrunde liegende Umfrage fand telefonisch bei rund 1200 Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern in allen Sprachregionen der Schweiz statt. Durchgeführt wurde die Erhebung vom Forschungsinstitut Léger. Die Sicherheitsstudie der Militärakademie an der ETH Zürich und des Center for Security Studies der ETH erscheint jährlich.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Morf, Thun
    Was ist denn das für ein tendenziöser Artikel Herr Wacker. So tendenziös und propagandistisch schreiben viele Journalisten in Deutschland. Sind Sie Deutscher? Wir sollen uns weiter öffnen?! Hallo! Wir haben unsere Grenzen aufgegeben und lassen alle fast uneingeschränkt in unser Land strömen! Da wo ich wohne bin ich als Einheimische bereits in der Minderheit. In meinem Alltag spreche ich inzwischen öfter Hochdeutsch als Schweizerdeutsch. Weniger Öffnung ist angesagt.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Eine EU-Mitgliedschaft ist für unsere Staatsform gar nicht möglich. Die direkte Demokratie kann Verfassungsänderungen erzwingen oder Steuern festlegen. Das widerspricht der EU- Konzeption fundamental, denn die EU bewegt sich hin zu einem zentralistischen Gebilde. Heute fehlt nur noch die Steuerhoheit - aber man arbeitet daran!
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    1. Antwort von Hans-Jürgen Lorenz, Emmen
      Steuern sind in der EU immer noch Sache der Mitgliedsländer.Bisher hat sich nur gezeigt, dass man ungeprüft Wünsche in die Verfassung schreiben kann, von denen einige nicht durchsetzbar sind.Und einklagen kann man sie auch nirgendwo.Also kein Grund, darauf Stolz zu sein.
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      Ja, H-J. Lorenz, die Steuerhoheit liegt in den Händen der Länder. Aber genau DAS will Herr Juncker ändern. Eine gemeinsame Währung wird schwierig zu halten sein ohne einen gemeinsamen Steuerhaushalt. Alledings bezweifle auch ich, dass dieses Vorhaben heute politisch durchsetzbar ist.
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    3. Antwort von m.mitulla, wil
      @H-J. Lorent. Im Windschatten der Diskussion um die Zukunft Grossbritanniens in der EU bereitet die Euro-Zone klammheimlich die nächsten Integrationsstufe vor. Dazu zählen eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung und Einlagensicherung für die Euro-Zone. Beide Maßnahmen sind Hebel zur radikalen Umverteilung, deren Nutzniesser die Netzwerke der Regierungen und die Banken sind. In der EU passieren solche Dinge einfach...da gibt es keine Volksabstimmungen...
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Man sollte die Offenheit der Schweiz nicht überinterpretieren. Ich denke, in Handel, Austausch, Bildung oder Vermittlung von Konflikten ist die Schweiz durchaus mit dabei. Allerdings will sie ihre eigene Verfassung mit den garantierten Volksrechten sicher nicht hergeben. Wer etwas anderes in irgend eine Umfrage hineininterpretiert, der hat die Seele der Schweiz nicht verstanden. Ebenso wird eine Nato- Mitgliedschaft, die "Partnerschaft für den Frieden" übersteigt, kaum eine Mehrheit finden.
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