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Ensovibep – die neue Hoffnung unter den Corona-Medikamenten?
Aus Tagesschau vom 10.01.2022.
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Schweizer Corona-Medikament «Ensovibep wird vermutlich auch gegen Omikron greifen»

Ein Schweizer Medikament gegen Corona hat eine wichtige Hürde genommen. Das Medikament mit dem Namen Ensovibep konnte die Phase-2-Studie erfolgreich abschliessen. Entwickelt wurde es von Molecular Partners aus dem zürcherischen Schlieren, jetzt wird es in Partnerschaft mit Novartis produziert. Ensovibep soll das Hospitalisierungsrisiko bei einer Infektion um 80 Prozent senken.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsjournalistin

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Katrin Zöfel ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF. Sie ist Biologin und versucht zu verstehen, wie die Wissenschaft helfen kann, Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragen zu finden.

SRF News: Wie ist dieses Resultat einzuordnen?

Kathrin Zöfel: Diese Nachricht kommt in dem Moment, wo klar wird, dass einige der bisherigen Antikörpertherapien nicht mehr gegen Omikron greifen. Es ist noch nicht wirklich klar, wie hoch die Hospitalisierungen in der Omikronwelle sein werden. Daher ist diese Meldung aus medizinischer Sicht schon willkommen. Denn es wird nach den bisher verfügbaren Daten wohl auch gegen Omikron greifen. Allerdings liegen uns und den anderen Medien nicht die Studiendaten direkt vor, sondern nur eine recht ausführliche Pressemitteilung. Die Studie ist recht klein, es sind nur ein paar hundert Probanden. Üblich ist, dass erst noch eine grössere Studie gemacht wird und erst dann wird zugelassen. Aber die Daten sehen recht gut aus, die akute Situation ist angespannt. Das macht eine schnelle Notfallzulassung in den USA tatsächlich denkbar.

Präklinische Studien zeigen grosse Wirksamkeit auf

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Ensovibep wirkt gegen alle Varianten des COVID-19-Erregers SARS-CoV-2. Das trifft laut dem Schlieremer Biotechnologieunternehmens Molecular Partners auch auf die neue Omikron-Variante zu. Bestätigt haben das präklinische Studien. In einer Reihe von biologischen Arzneimitteln, die gegen die ursprüngliche (Wildtyp) und die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 getestet wurden, habe Ensovibep eine gleichmässig hohe neutralisierende Wirksamkeit für Wildtyp- und Omikron-Varianten beibehalten.

Die Daten stammen aus Studien an 400 Patienten, die in Zusammenarbeit mit dem Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV) in Lausanne und den National Institutes of Health (NIH) in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurden, heisst es in der Mitteilung.

Die nötigen klinischen Studien werden von Novartis durchgeführt.

Wie funktioniert dieses Medikament?

Es ist ein Antikörper, allerdings etwas ausgeklügelter als die bisherigen. Es setzt nämlich an mehreren Stellen gleichzeitig am Spike-Protein vom Virus  an. Der zentrale Punkt, um das Medikament einzuordnen ist aber, dass man es früh verabreichen muss, wenige Tage nach der Diagnose. Man muss es zu einem Zeitpunkt geben, bei welchem es den Patienten noch nicht schlecht geht und man noch nicht sicher sagen kann, ob die Person schwer erkranken wird. Das ist bei allen antiviralen Medikamenten so: Wenn man sie später gibt, kann man den Schaden, den das Virus schon angerichtet hat, nicht mehr einfangen.

Für wen ist dieses Medikament gedacht?

Das ist, wie die anderen Corona-Medikamente auch, kein Medikament für alle. Man wählt relativ stark aus, wem man es gibt, nämlich Menschen, die Risikofaktoren haben, also einen hohen BMI, Herzkrankheiten oder hohes Alter, die also ein relativ grosses Risiko für einen schweren Verlauf haben. Für diese Patienten kann das Medikament tatsächlich einen Unterschied machen und eben das Risiko für eine Hospitalisierung deutlich senken. Das ist ein Gewinn.

Die Kosten für das Medikament sind im vierstelligen Bereich
Autor:

Auf der anderen Seite stehen relativ hohe Kosten für das Medikament selbst. Sie sind sicher im vierstelligen Bereich. Und die Spitäler haben einen organisatorischen Aufwand, weil das Medikament intravenös gegeben werden muss. Zudem behandelt man, weil man es so früh geben muss, immer auch nicht wenige Patienten mit, denen das Medikament wenig bringt, weil sie ohnehin keinen schweren Verlauf entwickelt hätten.

Legende: Ensovibep wurde von Molecular Partners in Schlieren entwickelt. Keystone

Novartis versucht nun, das Medikament in den nächsten Wochen in den USA mittels Notfallzulassung auf den Markt zu bringen. Wann kann das Medikament hierzulande breit eingesetzt werden?

Es gibt, wenn der Nutzen klar erwiesen ist, eine Möglichkeit, Medikamente auch vor der Zulassung in der Schweiz an Patienten zu abgeben.

Von Ensovibep hat die Schweiz relativ früh 200'000 Dosen bestellt. Und sie hat sich das Recht auf Nachbestellung gesichert.

Das ist im Covid-Gesetz so vorgesehen, und wurde für Remdesivir und die Antikörpertherapien auch schon so gemacht, insofern muss man nicht zwingend auf die Zulassung in der Schweiz warten. Im Fall von Ensovibep ist es ausserdem so, dass die Schweiz relativ früh schon 200'000 Dosen bestellt hat und sich das Recht auf Nachbestellung gesichert hat. Einen Zeitpunkt anzugeben ist schwierig, aber das muss jetzt nicht mehr ewig dauern.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

Audio
Das Schweizer Medikament Ensovibep ist ein Hoffnungsschimmer
04:07 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.01.2022.
abspielen. Laufzeit 04:07 Minuten.

SRF 4 News, 11.01.2022, 07:45 Uhr;

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