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Basler Studie zeigt Verbreitungsweg des Coronavirus auf
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 01.10.2020.
abspielen. Laufzeit 04:41 Minuten.
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Schweizer Corona-Studie Forscher finden Basler Covid-19-Mutation

Die neue Studie zeigt den Verbreitungsweg des Virus auf und soll helfen, die weitere Ausbreitung zu bekämpfen.

Das Coronavirus kann sich bei jeder Übertragung verändern. Es mutiert. In einer weltweit einzigartigen Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster haben Basler Forscher die Informationen des Erbguts der Viren aufgeschlüsselt. Dabei haben sie sogar eine spezifische Basler Variante von Covid-19 entdeckt. Das sind Erkenntnisse, die im Kampf gegen die Pandemie nützlich sein können.

Weltweit: 90 verschiedene Viren-Linien

Von 500 Patientinnen und Patienten hat das Team rund um den Basler Forscher Adrian Egli das Erbgut der Viren entschlüsselt. Es ist weltweit die einzige Studie, welche die Mutationen von Coronaviren innerhalb einer Stadt so präzise unter die Lupe nimmt.

SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel zum Nutzen der Studie

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SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel
Legende: SRF

Solche Studien helfen zu verstehen, wie sich das Virus in der realen Welt verhält. Denn – auch wenn schon viel mehr bekannt ist als noch im Februar – sind noch immer viele Fragen offen: Wo zum Beispiel geschehen die Ansteckungen, die das Contact-Tracing nicht aufklären kann? Wie viel hat welche Massnahme gebracht? Von wo nach wo wurde das Virus verschleppt – in der Schweiz, in Europa, weltweit?

Studien, wie die aus Basel, können die Wege nachzeichnen, wie sich das Virus um den Globus verbreitet, aber eben auch ganz kleinteilig aufzeigen, wie sich das Virus in Basel verhält. Und damit können sie helfen, diese Fragen zu klären.

Mutierte Viren bleiben etwa gleich gefährlich

Jedes Virus mutiert, die ganze Zeit. Bisher sind das aber nur Mutationen, die den Forschern zwar helfen, einzelne Stämme voneinander zu unterscheiden. Sie verändern aber kaum wichtige Eigenschaften des Virus, wie zum Beispiel seine Aussenhülle, wie leicht es Menschen infiziert oder auch wie stark es krank macht.

Es gibt bisher keine Hinweise, dass die bekannten Corona-Varianten gefährlicher wären als die ursprünglich aus Wuhan ausgetragenen Stämme.

Kaum Auswirkungen auf mögliche Impfung

Bis jetzt sieht es nicht so aus, als wären die Mutationen im Coronavirus relevant für die Impfstoffentwicklung. Das Virus mutiert ausserdem vergleichsweise langsam. Ganz sicher, dass Mutationen nicht in Zukunft der Impfstoffentwicklung in die Quere kommen, kann man aber nicht sein.

Diese Informationen hat Adrian Egli, der an der Universität Basel und am Basler Unispital tätig ist, mit internationalen Daten abgeglichen. «Wir wollen verstehen, welche Wege das Virus geht und wie es nach Basel gekommen ist.» Und die Veränderungen im Erbgut der Viren können da Hinweise liefern. Denn weltweit gibt es bereits rund 90 verschiedene Entwicklungslinien des Virus. Eine davon hat das Team von Egli als lokale Mutation identifiziert: die Basler Variante von Covid-19.

Portriat von Adrian Egli
Legende: Die Forschung von Adrian Egli kann einen Beitrag leisten, dass sich das Virus weniger verbreitet. zvg

Mit dieser spezifischen Mutation hätten sich rund zwei Drittel der Patientinnen und Patienten infiziert, die in Basel positiv getestet wurden, zeigen die Daten von Egli. «Diese Variante ist gleich zu Beginn der Welle im März entstanden und hat sich dann rasant verbreitet. Wir vermuten, dass der Ursprung ein Superspreader-Anlass im Elsass war», sagt Mikrobiologe Egli.

Der Superspreader-Fall in Mulhouse

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Mitte Februar fand in der Freikirche «La Porte ouverte chrétienne» im Elsässischen Mulhouse eine sogenannte Fastenwoche mit rund 2000 Teilnehmern statt. Dabei soll es zu zahlreichen Ansteckungen mit dem Coronavirus gekommen sein. An der Veranstaltung nahmen Personen aus ganz Frankreich und auch aus der Schweiz teil.

Diese spezifische Basler Variante habe sich dann vermutlich lokal innerhalb von Familien und Freundeskreisen stark weiterverbreitet, meint Egli. «In diesem Bereich hat das Schutzkonzept Schwächen und die Behörden können auch nur wenig Kontrollen durchführen.» Diese Erkenntnisse würden helfen, besser zu verstehen, wie sich das Virus verbreitet, ist Egli überzeugt.

Wir wollen verstehen, welche Wege das Virus geht und wie es nach Basel gekommen ist.
Autor: Adrian EgliMikrobiologe

«Die Studie kann auf blinde Flecken der Pandemie-Massnahmen hinweisen. Es zeigt, wo wir mehr tun müssen.» Rückblickend sei es zum Beispiel der richtige Entscheid gewesen, lokale Grossveranstaltungen wie die Fasnacht abzusagen, sagt Egli.

Wo hat sich das andere Drittel angesteckt?

Es ist erstaunlich, wie präzise Egli und sein Team die Herkunft der Covid-Fälle in Basel zurückverfolgen können. «Abgesehen von der Basler-Mutation kam der allergrösste Teil der Viren aus Norditalien. Wir haben aber auch Stämme aus England, Spanien und sogar aus Australien und Uruguay identifiziert.» Das sei ein Abbild davon, wie international vernetzt Basel sei.

Und diese Internationalität bedeutet auch, dass Basel das Virus nicht nur «importiert», sondern auch bereits «exportiert» hat: Die Basler Corona-Variante sei schon bis nach Kanada feststellbar.

Regionaljournal Basel, 30.09.2020, 06:32 Uhr;

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26 Kommentare

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Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    2/1 Urwaldzerstörung bedeutet also eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Pandemien. Dort wo Agrar-Landschaften auf den Urwald treffen, sind schon jetzt erhöhte Fallzahlen von zum Beispiel Dengue-Fieber. Das Virus hat es dort einfach, sich zu verbreiten. Rinder, Schweine und Katzen, das Virus passt sich schnell den neuen Wirten an. Damit ist es häufig nur eine Frage der Zeit, bis es sich auch dem menschlichen Organismus anpasst und über ihn herfällt. Dann von Brasilien aus in die Welt verbreiten.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Die nächste Pandemie kommt aus dem Amazonas, sagt Dr. Alessandra Nava. Die Wissenschaftlerin aus Manaus forscht an Fledermäusen.Herausfinden, welche Viren im Urwald versteckt sind und auch für Menschen gefährlich werden könnten.Im Blut von Fledermäusen aber auch im Urin von Nagetieren hat sie in ihrem Labor bereits neue Viren aufgespürt.Diese können auch auf den Menschen überspringen.Je mehr die Menschen der Wildnis auf den Leib rücken, desto wahrscheinlicher wird dieses Überspringen der Arten.
  • Kommentar von Philipp Borer  (Lux)
    Basel-Stadt hat laut BAG 1542 Labor bestätigte Fälle, lohnt sich nun die Verschwendung von Steuergeldern für diese Studie?
    1. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      Ach nein sicher nicht, es wäre besser wenn wir weiterhin das Geld in die guten Strassen investieren, damit diese noch besser instand sind.