Schweizer Hotels als Basar

Heute Montag stellt Schweiz-Tourismus die Zahlen für das vergangene Jahr vor. Doch die Vergangenheit interessiert derzeit fast weniger als die Gegenwart. Für die Hoteliers ist die aktuelle Lage durchaus eine Gratwanderung. Denn mehr und mehr Gäste feilschen um den Preis.

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Bildlegende: Mancher Schweizer Hotelier fühlt sich schon wie auf dem Basar, wenn Gäste um Preise feilschen. Keystone

Preise runterhandeln, markten, feilschen. «Manchmal kommt es mir fast ein bisschen vor, wie auf einem Basar», sagt der Präsident des Hotel-Vereins Berner Oberland, Stephan Maeder.

«Dann fahren wir halt in den Schwarzwald»

Seit die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgegeben hat, verlangen Gäste auch bei ihm vermehrt nach Rabatten.

Meist sind es Touristen aus dem Euroraum, aber auch Schweizer wollen jetzt einen besseren Preis, wie Stephan Maeder von einem Beispiel aus seinem eigenen Hotelbetrieb erzählt: «Es gibt Gäste, die sagen, gut wir kommen, wenn sie uns soundsoviel Rabatt geben. Sonst gehen wir halt ins nahe Ausland. Dann fahren wir eben nach Tirol, nach Südtirol oder in den Schwarzwald.»

Mit langjährigen Gästen kaum Probleme

Wie also umgehen mit dem Druck, der nun von Seiten der Gäste kommt? Allen Rabatte gewähren oder nur denen die danach fragen? Dass die Kunden weniger bezahlen oder mehr kriegen für ihr Geld?

Mit diesen Fragen muss sich auch Thomas Walther herumschlagen, der Vizedirektor des Bündner Hotelerieverbands und ebenfalls selbst Hotelbetreiber. «Bei langjährigen, treuen Gästen finden wir eigentlich immer eine gemeinsame Lösung. Die haben aber auch nie eine Vorstellung und verlangen beispielsweise 20 Prozent Nachlass, oder so. Sondern die sagen eher, wie können wir uns gegenseitig entgegenkommen. Und dann treffen wir uns meistens auf halbem Weg.»

Noch mehr Zusatzleistung geht kaum

Für Walther ist es keine Frage, dass er den Gästen entgegenkommen muss und das eben vor allem mit Rabatten, denn noch mehr Zusatzleistungen könne er nicht mehr bieten: «Also das mit den Extraleistungen haben wir die letzten Jahre ziemlich stark ausgebaut. Diese Zitrone ist ziemlich ausgequetscht.» Ausserdem seien die währungsbedingten fünfzehn Prozent, die die Schweizer Ferien nun teurer sind für Eurogäste, einfach zu viel, um sie mit Extraleistungen aufzuwiegen.

Der Kollege aus dem Berner Oberland, Stephan Maeder, setzt in seinem Betrieb lieber auf Zusatzleistungen: «Zum Beispiel ein Gratis-Upgrade machen. Weil die Zimmerreinigung kostet mich gleich viel. Das sind so Möglichkeiten, die man hat, ohne dass die Kostenstruktur sich massiv verändert.»

Rabatte sind heikel

Dass man den Gästen entgegenkommen müsse, darüber sind sich Graubünden und Bern einig. Und auch darüber, dass diese Rabatte und Zusatzleistungen eine ganz heikle Angelegenheit sind: «Wenn man sie einzeln vergibt, dann ist es sehr sehr schwierig, weil man dann Gäste vor den Kopf stossen kann, die nicht danach gefragt haben», ergänzt Maeder.

Wer besser feilscht, gewinnt eben. Auch auf dem Hotel-Basar.