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Für einmal ohne Plastik: Die Zürcher Holzkreditkarte
Aus 10vor10 vom 20.11.2020.
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Schweizer Innovation Die Kreditkarte aus Holz

In der Werkstatt von Swiss Wood Solutions in Dübendorf wurde monatelang geforscht und entwickelt – jetzt ist sie bereit: die laut Geschäftsführer Oliver Kläusler erste Holzkreditkarte der Welt, die voll biologisch abbaubar sein soll, mit Ausnahme der verbauten Kupferantenne und des Chips. Diese Metallteile müssten im Recycling getrennt werden, dann soll die Karte kompostierbar sein. Jetzt kann das junge Unternehmen, das von der ETH-Zürich und der EMPA als Start-up unterstützt wird, die ersten funktionierenden Prototypen vorweisen.

«Das Ziel ist, das wir möglichst viele Holzarten anbieten können», so Oliver Kläusler. Gegenüber 10vor10 präsentiert er Muster aus Bergahorn, Eiche und Kirsche. Und er zeigt, wie so eine Kreditkarte aus Holz produziert wird: Die dünnen Furnierblätter aus beispielsweise Ahorn werden mit Flüssigkeit getränkt und in einer Presse extrem verdichtet. Anschliessend werden die Schichten verleimt und nochmals gepresst. Neben einer Kupferantenne wird auch ein Chip eingebaut und schliesslich die Beschriftung mit einem Laser eingebrannt.

Herausforderungen Festigkeit und Elastizität

«Für uns ist das Schwierige, dass wir das Holz so einstellen und modifizieren müssen, dass es genau für diesen Anwendungsbereich funktioniert, dass die Festigkeit und die Elastizität vorhanden ist, um die Karte über zwei bis vier Jahre zu verwenden», so Oliver Kläusler.

Die Idee der Kreditkarte aus Holz stammt von Timothy Wittmer und Fabian Keller. Sie arbeiten als Produkt- beziehungsweise Innovationsmanager bei der Zürcher Kantonalbank. Mit Swiss Wood Solutions fanden sie den geeigneten Produzenten.

Wenn wir in Serie gehen, ist unser Ziel wirklich, dass man das Teil in die Erde hineinstecken kann und es komplett abbaubar ist.
Autor: Fabian KellerZürcher Kantonalbank

«In unserem Fall werden pro Jahr Zehntausende von Karten erneuert, und wir denken, es ist ein Riesenpotential, die Plastikkarten sukzessive durch Holzkarten ersetzen zu können», so Timothy Wittmer. Und Fabian Keller ergänzt: «Wenn wir in Serie gehen, ist unser Ziel wirklich, dass man das Teil in die Erde hineinstecken kann und es komplett abbaubar ist.»

Effekt auf die Umwelt noch klein

Die Herstellung im Labormassstab wurde von der Stiftung Myclimate auf ihre Treibhausgasbilanz untersucht: Holzkarte versus Plastikkarte aus PVC. «Wir haben gesehen, dass die Treibhausgasbilanz von der Holzkarte ähnlich gut beziehungsweise ähnlich schlecht abschneidet wie eine PVC-Karte», so Roland Steiner, Projektleiter Beratung und Lösungen bei Myclimate.

Die Treibhausgasbilanz von der Holzkarte schneidet ähnlich gut beziehungsweise ähnlich schlecht ab wie eine PVC-Karte.
Autor: Roland SteinerMyclimate

Das sei auf den ersten Blick überraschend, komme aber daher, dass die Herstellung von der Holzkarte deutlich energieintensiver sei. Das Erdöl stecke bei der Holzkarte in der Energiebereitstellung und bei der PVC-Karte direkt in der Karte.

«Da werden wir sicher Plastik überbieten»

Oliver Kläusler von Swiss Wood Solutions stört das nicht, denn die jetzige Kleinproduktion könne nicht mit dem Grossproduktionsmassstab bei den PCV-Karten verglichen werden. «Wir sind heute da schon ebenbürtig. Das heisst, wenn wir in Zukunft auch hochskalieren auf einen ähnlichen Massstab – dann können wir erhebliche ökologische Vorteile geltend machen.» Laut Kläusler beispielsweise beim Energie- und Materialfluss, und er ist sicher, dass seine Karten eine ökologisch gute Sache sind: «Da werden wir sicher die PVC-Karten überbieten».

Eine Kleinserie der Holzkreditkarten von bis 1000 Stück soll im nächsten Jahr produziert werden. Die Zürcher Kantonalbank hofft, dass noch andere Banken sich dem Projekt anschliessen. Das Potenzial ist gross: Rund 22 Millionen Kredit-, Debit- und E-Geld-Karten sind in der Schweiz im Umlauf.

10vor10, 20.11.2020, 21:50 Uhr

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Frei  (RFrei)
    In vielen Ländern (und auch an "abgelegenen" Stellen in der Schweiz) werden noch Geräte genommen, welche auf ein Formular den Abdruck der Karte machen, wo man dann den Betrag manuell einsetzt und unterschreibt. Diese Basistechnologie wird es auf der Welt immer geben, da sie keine High Tech Ressourcen dahinter benötigt. Dafür haben die Plastic-Kreditkarten ein erhöhtes Profil für die Kartendaten. Die lasergravierte Holzkarte bietet das nicht.
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    1. Antwort von Axel Dünsch  (aduensch)
      Diese RitschRatsch Geräte werden von den Karten Aquirern kaum noch unterstützt. Das ist ähnlich wie mit Faxgeräten ;)
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    2. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      Dann reisen Sie doch mal in die USA oder in ein Entwicklugsland - hier gilt vielerorts noch Ritsch-Ratsch, insbesondere dort wo kein Internet- oder kein Stromanschluss vorhanden ist. Und übrigens, im Ursprungsland der Kreditkarten, den USA wird der Chip vielleicht in den grossen Städten unterstützt - im Grossteil des Landes kann nur der Magnetstreifen verwendet werden. Bitte über den Tellerrand hinaussehen!
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  • Kommentar von Freddy Lang  (langerlang)
    Das Produkt gefällt; jede Anwendungsablösung von Kunststoffen ist ein Fortschritt !
    1. Die aktuell noch mangelhafte Energiebilanz wird sich nach dem Pilot verbessern.
    2. Ausreichend bekannt ist die extrem toxische Wirkung der PVC-Verbrennungsgase, die via Restmüll entstehen - es existieren halogenfreie Ersatzstoffe.
    3. In der CH wächst der Verbrauch, ohne dass ein umfassendes Recyclingkonzept für alle Plastik-Wertstoffarten besteht; man gibt sich mit einem Bruchteil von PET-Arten zufrieden.
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    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Bei der Verbrennung von PVC entsteht Co2 (ungiftig), H20 (ungiftig) und etwas Salzsäure (die ist zwar ätzend, die haben sie aber auch in ihrem Magen). Keines der Verbrennungsprodukte ist "extrem toxisch".
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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Oma, dann warten wir mit dieser Kreditkarte noch zu bis der Chip sich auch kompostieren lässt!
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Es klingt in Ihrem Post so an als wäre es bloss eine Veräppelung. Aber: Es ist nicht komplett von der Hand zu weisen, dass dies auch erreichbar sein könnte. Inzwischen gibt es ja einen eigenen Industriezweig, der sich "organische Elektronik" nennt. Ob diese bereits ein kompostierbares Element haben das als Chip durchgehen könnte, oder als Antenne dienen kann, wage ich zwar zu bezweifeln, aber die Entwicklung auf diesem Gebiet läuft rasend schnell. SRF könnte doch mal dazu berichten?
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