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Schweiz Schweizer Juden haben Angst

Die Schweizer Juden fürchten sich vor möglichen Anschlägen. An der jährlichen Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds forderte der Präsident die Behörden um mehr Mithilfe auf.

Legende: Video Schweizer Juden sind besorgt abspielen. Laufzeit 01:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.05.2015.

Die Sicherheitsmassnahmen an der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) in Basel waren gross: Polizisten sicherten die Synagoge im Basler Paulus-Quartier ab. Bei den Schweizer Juden ist die Angst vor möglichen Anschlägen gestiegen.

SIG-Präsident Herbert Winter nimmt diese Ängste auf und hofft von den Behörden auf mehr Entgegenkommen und Unterstützung. In seiner Rede führte Winter den Gaza-Krieg im Sommer 2014 an. «Die Hass-Mails, die uns alle erreichten, haben tiefe Betroffenheit ausgelöst», so der SIG-Präsident.

Dialog mit anderen Religionen

Die beste Antwort auf die zunehmende Bedrohungslage sei jedoch der Dialog mit den anderen Religionen. Dies geschah an der Delegiertenversammlung im Gespräch mit Kardinal Kurt Koch, dem höchsten Repräsentanten der Schweizer Katholiken.

Koch zeigte sich erschüttert über die Sicherheitslage der Schweizer Juden: «Wenn die Juden ihre Identität in Europa nicht mehr leben können, dann heisst das im Grunde: Ihr habt keinen Platz bei uns. Und das ist eine katastrophale Botschaft 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.»

Die katholische Kirche muss Farbe bekennen.
Autor: Kurt KochKurienkardinal

Prominente Abwesende waren die Muslime. Der SIG betonte seine Bemühungen um einen engeren Dialog mit den Muslimen. So seien in einigen Städten Plattformen geplant, wo sich vor allem junge Menschen begegnen könnten.

Legende: Video Mit dem SIG-Projekt Likrat auf Schulbesuch abspielen. Laufzeit 01:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.05.2015.

Für ein besseres gegenseitiges Verständnis unterstützt der SIG auch das Dialog-Projekt Likrat. Dabei begegnen sich jüdische Jugendliche mit Schülern verschiedener Religionen in Schulen.

An der Delegiertenversammlung des SIG erschienen 350 Gäste, darunter Vertreter der jüdischen Gemeinden, Repräsentanten anderer Religionen und Politiker. Die Veranstaltung dauerte zwei Tage und fand an Auffahrt ihren Abschluss.

Herbert Winter

Herbert Winter spricht während eines Anlasses.
Legende: Keystone

«Die Sicherheitsleistungen der Behörden kontrastieren oft mit den freundlichen Worten der Politik. Wir fühlen uns gelegentlich im Stich gelassen, wenn es um die Sicherheit geht. Einmal mehr appelliere ich an Politik und Behörden, mehr zu tun um den Schutz für unsere Gemeinschaft zu gewährleisten.» Hören Sie hier das Interview mit Winter.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Würz, Winterthur
    Wer Feinde hat kann es sich einfach machen: mit dem Finger auf sie zeigen und sagen: "das sind die Bösen! Wir sind die Opfer." Der unbequemere Weg ist, sich selbstkritisch der Frage zu stellen, woran es wohl liegt, dass einem andere feindselig gesonnen sind, wo die Ursachen und die Anfänge liegen. - Der Hauptgrund für die Aversionen gegenüber Juden heißt 'Israel' - und das damit verbundene historische Unrecht.
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  • Kommentar von HP. Dietrich, Gümligen
    Warum müssen die Juden Angst haben ???
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    1. Antwort von Charles Halbeisen, Bronschhofen
      Warum? Lesen Sie keine Zeitung? Schauen Sie auf die Überfälle auf Synagogen, jüdische Läden und jüdische Schulen in Frankreich?
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    2. Antwort von peter müller, zürich
      Frankreich ist nun mal nicht die Schweiz. Also sollte Hr. Winter einfach ruhig sein - ordentlich seinen Job machen und wenn es mal ein paar Polizisten mehr braucht ist das kein Problem. Dass die Schweizer Juden aber Israel komplett unkritisch sehen - ich habe da z.b noch nie gehört, dass man sich für den NPT Vertrag einsetzt und Israels Atomarsenal durch die IAEO kontrolliert wird. Israelische Faschisten müssen auch so bezeichnet werden. Da hilft kein herumeiern des SIG.
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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Ich habe keine Angst und Furcht, darum brauche ich keinen Schutz. ich habe nur einen Glauben und keine Religion. Ich brauche keine Machtreligion zur Manipulation und darum habe ich Frieden. Meine Kirche ist der Platz unter dem Himmel wo auch immer. Mein Glaube ist nicht religiös rasistisch, das fördert den Frieden weil niemand ausgegrenzt wird.
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