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Schweizer Kulturgut Das Märlitelefon ist zurück – nicht nostalgisch, sondern modern

Früher gab es eines in der Bank oder im Wartezimmer. Nun kommt die Neuauflage – sie hat keinen leichten Stand.

Den Telefonhörer abheben und eintauchen: Während die Eltern Bankgeschäfte erledigten oder den Geschwistern Schuhe kauften, konnten wartende Kinder sich die Zeit am Märlitelefon vertreiben.

«Es isch emal ...» – aus dem Hörer ertönte die Stimme der Märchenerzählerin Trudi Gerster und die Wartezeit wurde um einiges angenehmer.

Eine Bankfiliale für die junge Kundschaft

In der städtischen Schalterhalle der Zürcher Kantonalbank beispielsweise gab es ab 1972 ein Märlitelefon – als «Attraktion für die Kinder unserer Kunden», wie es im Bankratsprotokoll heisst. Einmal im Monat wurden die Kassetten mit den Geschichten ausgetauscht.

Mit den Jahren verlor das Angebot jedoch an Attraktivität. Die Spielecken in Geschäften wurden umgestaltet oder verschwanden ganz.

Das moderne Märlitelefon

In der Stadt Luzern haben Kulturschaffende nun eine Neuauflage des Märlitelefons ins Leben gerufen – ohne Trudi Gerster, dafür mit Lokalbezug.

Die Telefone stehen seit Juni 2026 wieder in Kleiderläden oder Bankfilialen, aktuell gibt es 14 Standorte in der Stadt Luzern und der Agglomeration.

Zwei Kinder sitzen an einem Tisch mit zwei alten Telefonen.
Legende: Lina und Karlos am neuen Märlitelefon in einer Luzerner Kinderbuchhandlung. SRF / Julia Stirnimann

«Wir wollten Geschichten erzählen, in denen Orte und Veranstaltungen vorkommen, die die Kinder hier kennen», sagt Initiant Christoph Fellmann. Bereits die Namen der Hauptfiguren erinnern an den Nölli-, Männli- und Luegisland-Turm der Luzerner Stadtmauer.

Geschrieben haben die Geschichten Autorinnen und Autoren aus der Region. Bis jetzt sind aus den Märlitelefonen vier verschiedene Detektivfälle für Kinder zu hören, in Zukunft sollen weitere dazukommen.

Erste Erfahrungen zeigen Zurückhaltung

Zwei der Luzerner Märlitelefone stehen in der Eingangshalle der Kantonalbank mitten in der Stadt. Bei einem Augenschein an einem Vormittag kommt eine Dreiviertelstunde lang kein einziger Kunde mit einem Kind vorbei, das den Hörer abheben könnte.

Viele erledigen ihre Bankgeschäfte heute digital von zu Hause aus. Wartende Kinder in der Filiale sind seltener geworden.

Innenraum eines Gebäudes mit Geldautomaten und einem kleinen Tisch mit Retro-Telefonen.
Legende: Bei der Luzerner Kantonalbank ist das Märlitelefon eher verwaist. SRF / Julia Stirnimann

Das beobachtet auch Daniel von Arx, der bei der Bank für die Kommunikation zuständig ist: «Das Telefon wird leider selten genutzt – und wenn einmal Kinder hier sind, bleiben sie nicht allzu lange am Hörer.»

Kommen die Geschichten an?

In einem Kinderbuchladen ein paar Strassen findet das Angebot mehr Anklang. Hier sitzt die sechsjährige Lina vor den beiden farbigen Telefonen mit den altmodischen Hörern.

Kind mit gelber Warnweste sitzt an Tisch mit roten Spieltelefonen.
Legende: Hörer abheben und einen der Knöpfe drücken, dann startet die Geschichte. SRF / Julia Strinimann

Sie habe sich den ersten Detektivfall der drei Luzerner Kinder angehört, sagt sie. Darin verschwindet ein Kioskbetreiber und muss gesucht werden.

Sie habe sich ein wenig gefürchtet, meint die Sechsjährige. «Die Geschichte war ein bisschen cool und ein bisschen auch nicht, so mittel», lautet ihr Urteil.

Person sitzt auf einer Treppe und telefoniert mit einem orangenen Telefon.
Legende: Christoph Fellmann am Telefon: Der Luzerner Autor und Theatermacher ist Mitinitiant des «Luzerner Märlitelifons». SRF / JULIA STirnimann

In Zeiten von Smartphones und Co. dürfte das Märlitelefon als Unterhaltung für Kinder während Wartezeiten in Geschäften keinen einfachen Stand haben.

Allerdings gibt es das Angebot in Luzern auch erst etwas über einen Monat – und zumindest vonseiten der Erwachsenen gibt es auf jeden Fall grosses Engagement für das Revival des Märlitelefons.

Regionaljournal Zentralschweiz, 16.6.2026, 17:30 Uhr ; 

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