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Rüstungsbeschaffung dauert meist länger als geplant
Aus HeuteMorgen vom 11.05.2022.
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Schweizer Rüstungsprojekte Verzögerungen und Wartezeiten machen rasches Aufrüsten schwierig

Der Nationalrat hat diese Woche beschlossen, dass die Schweiz aufrüsten soll. Doch das kann dauern, wie das Beispiel des Minenwerfers Cobra zeigt.

Er heisst Cobra und ist ein Minenwerfer, der auf einem Radschützenpanzer montiert ist, also mobil. Der Cobra kann 12-Zentimeter-Granaten bis zu 10 Kilometer weit schiessen. Hergestellt wird der Cobra von der Schweizer Rüstungsfirma Ruag.

In 30 Sekunden schiessbereit, heisst es in einem Werbevideo. Doch damit der Cobra so schnell schiessen kann, muss ihn die Armee zuerst haben. Sie hat ihn bereits 2016 bestellt und wartet bisher auf die Auslieferung. Die Produktion hat sich um drei Jahre verzögert.

Video
Aus dem Archiv: Auslieferung der Ruag-Minenwerfer verzögert sich
Aus Tagesschau vom 24.04.2019.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 18 Sekunden.

Nun wollen das VBS und die bürgerliche Parlamentsmehrheit weitere Cobras bestellen, wie Verteidigungsministerin Viola Amherd diese Woche im Parlament sagte: «Die Armee kann eine zweite Tranche rasch beschaffen und alle Verbände ausrüsten.»

Doch diese «rasche Beschaffung», wie die Verteidigungsministerin sie nennt, ist zu relativieren. Denn die Auslieferung der bereits bestellten Minenwerfer ist ab 2024 geplant. Wenn die Armee nun zusätzliche Exemplare bestellen will, dauert die Herstellung und Montage gemäss Ruag zwei weitere Jahre. So rasch geht es also nicht.

Verspätete Rüstungslieferungen sind keine Seltenheit

Tatsächlich gingen Rüstungsbeschaffungen nur selten so schnell, wie es sich die Regierungen wünschten, erklärt der Militärökonom Marcus Keupp von der Militärakademie der ETH Zürich: «Es gibt sehr viel empirische Forschung, die findet, dass Rüstungsgüter fast immer etwas später geliefert werden, als man eigentlich gedacht hat.»

Das Cobra-Projekt ist also nicht eine Ausnahme, sondern eher die Regel. Bundesrat und Parlament wollen die Armee rasch aufrüsten. Doch von heute auf morgen lassen sich Rüstungsprojekte eben nicht umsetzen.

Dittli: «Es ist spiegelklar, wofür das Geld ausgegeben wird»

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Legende: Josef Dittli ist Urner FDP-Ständerat und Mitglied der Sicherheitskommission. Keystone

SRF News: Ist die schnelle Aufrüstung nicht ein falsches Versprechen?
Josef Dittli: Nein, dieses Versprechen ist ehrlich. Es ist natürlich nicht so, dass das von einem Tag auf den anderen geht. Aber wenn man die Beschaffungen nicht jetzt beschliesst, dauert es noch länger, bis ein Rüstungsgut in der Schweiz ist.

Aber in der aktuellen Bedrohungslage nützen die Aufrüstungspläne nichts...
Doch, die Pläne nützen selbstverständlich etwas. Man muss einfach berücksichtigen, dass man Rüstungsgüter nicht von einem Tag auf den anderen hinzaubern kann, sondern dass Prozesse hinterlegt sind, dass etwas produziert und ausgeliefert werden muss. Und das dauert seine Zeit.

Müsste man nicht erst die Lehren aus dem Krieg ziehen, bevor man mehr Geld spricht?
Die Lehren muss man natürlich auch ziehen. Aber das VBS und die Armee wissen genau, welche Waffensysteme in den nächsten Jahren ausfallen. Es gibt auch einen Masterplan dazu. Dieser stützt sich auf die finanziellen Möglichkeiten, die vom Parlament gegeben sind. Und diesen Masterplan muss man straffen, wenn ab 2030 deutlich mehr Geld zur Verfügung steht. Das heisst, man muss die angedachten Projekte in kürzerer Zeit realisieren. Das ist realistisch und möglich. Dazu brauchts mehr Geld.

Der Nationalrat hat dem Militär mehr Geld zugesichert. Wohl im Sommer debattiert der Ständerat darüber, obwohl unklar ist, wofür es eingesetzt werden soll. Ist das sinnvoll?
Das Vorgehen ist sinnvoll. Ich hoffe, dass der Ständerat dem auch folgen wird. Es ist spiegelklar, wofür es ausgegeben wird. Mit der Armeebotschaft 2022 geht es um das Patriotsystem, um den F35 und um viele andere Dinge. Für die kommenden Armeebotschaften müssen Anpassungen vorgenommen werden. Wir gehen im Parlament davon aus, dass der Bundesrat sich hier an den neuen Möglichkeiten orientiert, damit die Armee früher wieder schlagkräftiger bereit ist.

HeuteMorgen, 11.05.2022, 06:00 Uhr

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74 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für die angeregte Debatte unter diesem Artikel. Wir schliessen nun diese Kommentarspalte. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von kurt trionfini  (kt)
    Liebe Armee- Aufrüster von der SVP: Die Pandemie war für uns alle eine neue und ungewohnte Herausforderung. Leider bekam ich den Eindruck, führende Exponenten ihrer Partei hätten kein Interesse am konstruktiven meistern dieser Situation; Leider bekam ich den Eindruck, die SVP nutze die Krise und säe gezielt Misstrauen gegenüber demokratisch legitimierten Institutionen und Massnahmen zur Krisenbewältigung.
    Wieso sollte das in einer ungewohnten Krise wie "Krieg" plötzlich anders sein?
    1. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      Ich bin Alles Andere als ein SVP-Wähler. Die Grünen in Deutschland plädieren für starke Militärhilfen an die Ukraine und nennen das Pazifismus. Auch die Aufrüstung kommt durch die Ampelkoalition zustande. Nicht immer Alles kommt von Rechtspopulisten ;)
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ kurt trionfini: Warum adressieren Sie die SVP? Die Armee gehört uns allen. Sie ist ein öffentliches Gut und verteidigt alle; SVPler, Grüne und selbst GSoA-Sympathisanten.
  • Kommentar von Dominic Müller  (Domi3)
    Ich habe in den 1980er Jahren Militärdienst geleistet. Damals hatte die Schweizer Armee ca. 800'000 Soldaten. Die Sowjetunion hatte gemässigte Führer, es gab nur einen kalten Krieg, nie einen heissen Krieg. Heute haben wir in Europa einen heissen Krieg, einen völlig unberechenbaren Diktator in Russland und eine Schweizer Armee mit 100'000 Soldaten und findet eine Aufrüstung "unnötig". Das zur Veranschaulichung der Situation vor 40 Jahren und heute.