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Sendung nur gegen Unterschrift: Post schikaniert Behinderten
Aus Kassensturz vom 28.05.2019.
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Sendung nur gegen Unterschrift Post schikaniert Behinderten

Postangestellte wollen einem gelähmten Mann eine SIM-Karte nur gegen Unterschrift geben. Das verstösst gegen das Gesetz.

«Ich finde es diskriminierend», diese Worte kommen Andreas Bucher nicht einfach über die Lippen. Der 32-Jährige leidet an der Erbkrankheit progressive Muskeldystrophie und ist auf den Rollstuhl angewiesen: «Ich brauche für alles Hilfe im Alltag: Beim Essen, der Körperpflege und vielem anderen.»

Mit den Fingern auf dem Joystick kann er Rollstuhl, Handy und Computer bedienen. Einen Stift halten kann er jedoch nicht – und damit auch nicht unterschreiben. Als er ein Handy-Abo abschliessen will, wird das zum Problem.

«Die Schweiz ist rückständig»

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«Die Schweiz ist rückständig»

Caroline Hess-Klein von Inclusion Handicap, dem Dachverband der Schweizer Behindertenorganisationen, ordnet den Fall im Interview ein. Weiter

Post akzeptiert Vollmacht nicht

Für 29 Franken pro Monat findet er ein günstiges Angebot bei UPC – halb so teuer wie sein bisheriges Abo. Weil Andreas Bucher sein Abo online bestellt hat, muss er zur Post in Oberkirch (LU). Dort muss er sich ausweisen und eigenhändig unterschreiben. Dann erhält er die SIM-Karte – eigentlich.

Weil er mit seinen Händen nicht selbst unterschreiben kann, nimmt Andreas Bucher seinen Vater mit. Und eine Vollmacht, damit sein Vater für ihn unterschreiben kann. Doch die Post verweigert die Herausgabe der SIM-Karte. Andreas Buchers Vater erinnert sich: «Er kann es halt nicht selbst, man will ihm helfen. Und dann heisst es, das gehe nicht. Das ist schon erniedrigend.»

Muskeldystrophie – Alltag mit Herausforderungen

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Das Leben mit einer gegenerativen Muskelerkrankung ist eine grosse Herausforderung. Wo stossen diese Menschen an Ihre Grenzen. «Kassensturz» über die Tücken und den Umgang mit der Krankheit. Weiter

UPC bietet auch keine Hilfe an

Auch UPC löst das Problem nicht. Andreas Buchers Mutter solle ein Abo abschliessen und dann auf ihn überschreiben. Der Haken: Dieses Abo kostete 48 Franken – deutlich mehr. Und für den Übertrag auf seinen Namen müsste Andreas Bucher wieder unterschreiben! Seit sechs Monaten versucht der junge Mann vergeblich, sein eigenes Abo zum günstigen Angebotspreis abzuschliessen.

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Kurt Broger von der Muskelgesellschaft über die Schwierigkeit
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Unterschrift für Betroffene ein häufiges Problem

Progressive Muskeldystrophie: Die fortschreitende Erkrankung führt dazu, dass Betroffene ihre Hände irgendwann nicht mehr benützen können. Deshalb sind Probleme beim Unterschreiben für viele Muskelkranke Alltag, so Kurt Broger von der Muskelgesellschaft, der Hilfsorganisation der Muskelkranken: «Manche haben Stempel mit ihrer Unterschrift, andere lassen sich die Hand beim Unterschreiben führen.»

Dass Andreas Bucher seine SIM-Karte nicht erhalten hat, ist für Kurt Broger diskriminierend: «Seit 15 Jahren ist das Gleichstellungsgesetz in Kraft. Das besagt, dass für betroffene Menschen der Zugang zu Dienstleistungen gewährleistet sein muss. Das hat in diesem Fall nicht geklappt. Und da muss eine Lösung her.»

Post und UPC entschuldigen sich

Auf Nachfrage von «Kassensturz» will die Post prüfen, ob die eigenhändige Unterschrift künftig nötig ist. Im Fall von Andreas Bucher räumt eine Post-Sprecherin Fehler ein: «Ich möchte mich im Namen der Post bei Herrn Bucher entschuldigen.» Und weiter: «Wir hätten den Vertrag aushändigen können. Denn Herr Bucher ist mit seinem Vater vorbeigekommen, der eine notarielle Beglaubigung dabei hatte.»

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Post-Mediensprecherin Jacqueline Bühlmann entschuldigt sich.
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Auch UPC sagt, es tue ihnen leid, dass sie nicht auf die Bedürfnisse des Kunden eingegangen seien. Andreas Bucher erhält nun endlich das von ihm gewünschte Abo – ganz ohne eigene Unterschrift.

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Studiogespräch mit Caroline Hess-Klein von Inclusion Handicap
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27 Kommentare

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  • Kommentar von Jost Monika  (Jost Monika)
    Das Problem liegt nicht nur bei der Post. Es ist leider immer noch so das die meisten Mitmenschen behinderte nicht akzeptieren. Zum Bespiel im Tram, es gibt einen behinderten Bereich der als solcher gekenntzeichnet ist, aber zu 90% stehen dort Fussgänger und gehen nicht einmal auf die Seite wenn ich im Rollstuhl reinkomme. Nein ich muss 2-3 "sagen entschuldigung würden sie bitte auf die Seite gehen". Ich habe 4 Jahre in Vancouver Kanada gelebt und da ist es Selbstverständlich das jeder aufsteht.
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  • Kommentar von Georg Schneider  (Merguez)
    Die Ursache des Problems ist durch alle Hierarchiestufen hinweg zu finden. Es fängt an beim "einfachen" Postbeamten, der entgegen jeglicher Vernunft und aus bedingungsloser, starrer Regel- und Gesetzestreue heraus wie ein Roboter das ihm vorgegebene Programm durchführt; nach vielen weiteren Stufen endet es dann schliesslich im Gerichtssaal, wo Ex-Mitarbeiter Y seine Klage gegen eine ungerechtfertigte Kündigung für ein ebensolchen Regelverstoss abgewiesen sieht.
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  • Kommentar von Simon Johannes  (simon.johannes)
    DIe Post und andere richten sich oft nicht nach dem OR. Warum auch, ist ja nur ein Schweizer Gesetz? Wir machen "Kraft unserer Wassersuppe" unsere Regeln selbst. Hinzu kommt dann noch eine Portion Herzlosigkeit und Sturheit. Man kann ja klagen... In einem Rechtssystem das ineffizient und wahnsinnig überteuert ist.
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