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Session So denkt das Tessin über die zweite Gotthardröhre

Offiziell begrüsst die Tessiner Regierung die Entscheidung des Nationalrats zum Bau einer zweiten Röhre. Bisher haben sich die Tessiner aber gegen eine Kapazitätserweiterung ausgesprochen. SRF-Korrespondent Alexander Grass in Lugano schätzt die Chancen eines Referendums ein.

Legende: Video Der Plan abspielen. Laufzeit 0:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.09.2014.

SRF: Wie reagiert man im Tessin auf diesen Entscheid?

Alexander Grass: Die Tessiner Regierung zeigt sich zufrieden, dass in der Frage des nationalen Zusammenhalts eine solche Entscheidung getroffen wurde. Die linksliberale Tageszeitung «laRegioneTicino» schreibt aber von einem «Vergifteten Geschenk» aus Bern. Das Tessin habe sich mehrfach gegen eine Verkehrszunahme ausgesprochen, die Umweltbelastung sei schon enorm.

Anders der rechtsbürgerliche «Corriere»: 900 Tage Vollsperrung des Gotthardtunnels seien «realitätsfremd». Es gehe nicht um einen Ausbau der Kapazität, sondern um eine Verhinderung eines Abbaus in dieser Zeit.

In der Deutschschweiz herrscht die Wahrnehmung vor, dass eine Mehrheit im Tessin für die zweite Gotthardröhre ist. Das scheint aber nicht zu stimmen.

Ich glaube, dass das eine personalisierte Medienwahrnehmung ist. Ständerat Filippo Lombardi hat dafür gesorgt, dass der Bundesrat die zweite Röhre überhaupt in Betracht zieht. Grundsätzlich hat das Tessin aber bisher anders entschieden. Die Bevölkerung hat sich wiederholt für die Neat ausgesprochen und war ein starker Befürworter der Alpen-Initiative.

Filippo Lombardi hat im SRF-Studio gesagt: «Wir Tessiner sind auch Schweizer.» Es geht also um mehr als um die technische Anbindung des Tessins an die übrige Schweiz.

In der Debatte im Nationalrat sind die sachlichen Argumente zur Sprache gekommen. Es ging aber auch emotional zu und her. Es war von Todesopfern von Verkehrsunfällen am Gotthard die Rede, oder von einem versteckten Ziel, die Verkehrskapazitäten zu erhöhen, obwohl das die Vorlage in keiner Weise vorsieht. Ich glaube, wir können uns auf weitere emotionale Debatten einstellen.

Die Gegner einer zweiten Röhre haben das Referendum angekündigt. Stösst man damit im Tessin auf offene Ohren?

Das wird erst die Abstimmung zeigen. Auf jeden Fall wird es ein sehr wichtiger Urnengang. Der SVP-Nationalrat Pierre Rusconi spricht sogar von der «wichtigsten Abstimmung seit eh und je». Es gibt verschiedene Komitees, die Umfragen gestartet und Studien in Auftrag gegeben haben, um ihre jeweiligen Argumente zu stützen. Das wird einen super Abstimmungskampf geben.

Das Gespräch führte Barbara Peter.

Ihre Meinung interessiert

Die «Arena» vom Freitag widmet sich dem Thema Kampf um den Gotthard, nachdem sich auch das Parlament für eine zweite Strassen-Röhre ausgesprochen hat. Was soll in der Sendung zur Sprache kommen? Womit möchten Sie die Politikerinnen und Politiker konfrontieren? Ihre Meinung und Ihre Fragestellungen können Sie der «Arena» hier übermitteln.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Der hier dargestellte künftige Bau einer zweiten Röhre mit nur einer Fahrspur finde ich eine vernünftige Lösung. Die Sanierung des alten Tunnels könnte nach dem Bau der zweiten Röhre zügig in Angriff genommen werden und sicherheitstechnisch wäre diese Variante dem Status Quo haushoch überlegen. Es wäre auch für den S.Bernardino-Tunnel eine solche Vorgehensweise ins Auge zu fassen.
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  • Kommentar von paul jegerlehner, stettlen
    Vor allem SR F. Lombardi und sein Umfeld legt sich ins Zeug für eine zweite Röhre. Das Tessiner Stimmvolk, wie auch die Urner Regierung ist mehrheitlich dagegen. Sie fürchten eines um vielfach vermehrtes Verkehrsaufkommen. Dies würde beim Bau der zweiten Röhre hundertprozentig eintreffen. Darum werde ich bei einer allfälligen Volksabstimmung dagegen stimmen. Bald wird die Neat eröffnet und da haben wird ein tolles Bauwerk, das sich sehr gut eignet auch mit dem Auto in den Süden zu reisen.
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  • Kommentar von Peter Hänsi, St. Gallen
    Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt. Wer Angst hat um den Alpenschutz, warum akzeptieren die Linken nicht das JA zur Masseneinwanderung Stopp Ganz einfach, weil die Linken nicht an die nächste Generation denken. Warum können dann die Leute von dem Alpenschutz nicht das Umsetzen was, das Volk abgestimmt hat, die LKWs auf die Bahn zu bringen. Ganz einfach vor der eigenen Türen zu schauen, ist nicht so angenehm, weil man könnte über seine eigenen Fehler stolpern.
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    1. Antwort von Peter Escher, Varen / Wallis
      Peter Hänsi, St. Gallen / .. geht es wirklich um die "Angst" ? - es geht doch viel mehr um das "Dure - stiere" der GRÜNEN Ideologie, auf Kosten nächster Generationen; und zwar bei ALLEM, was von dieser Seite gepredigt wird.. !!
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    2. Antwort von Peter Hänsi, St. Gallen
      Peter Escher, Varen / Wallis Sie erklären mir und den anderen sicher, ob es nur um die Angst geht ? Wer die Kosten der nächsten Generation überlassen will, ist am falschen Platz bei dem Job. Die Grünen kann man nicht ernst nehmen.
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