Viele Überwachungskameras in der Schweiz sind mit dem Internet verbunden. Das vereinfacht den Zugriff für die Betreiber – bei fehlenden Sicherheitsvorkehrungen aber auch für Dritte, die über das Web frei auf diese Kameras zugreifen können.
SRF hat mithilfe einer speziellen Suchmaschine für internetverbundene Geräte rund 75 Kameras in der Schweiz gefunden, deren Bilder durchgehend im Internet abrufbar sind. Das heisst: Es war eine direkte Verbindung möglich, ohne die Umgehung von Log-ins, Verschlüsselung oder Software-Schwachstellen.
Feature oder Sicherheitslücke?
Viele Kameras erlauben per Webbrowser einen direkten Zugriff auf ihre Steuerung. So können motorisierte Kameras bewegt und gezoomt werden, die Bildeinstellungen manipuliert und teils sogar Aufnahmen gestartet, gestoppt oder abgespielt werden.
Sind in den Kamerabildern geografische Merkmale, Gebäude oder Firmenlogos zu sehen, kann in Kombination mit dem ungefähren Standort der IP-Adresse ein Rückschluss auf die genaue Position der Kamera gezogen werden.
Kameras: So vielfältig wie die Schweiz
Privat-Immobilien: Diese Webcams sind im Aussen- und Innenbereich von Wohnhäusern installiert und überwachen Garten, Vorplätze, Eingang, Korridor oder Keller. Zweck ist es, Personen oder Eigentum zu schützen. Doch die Kameras können auch das Gegenteil bewirken: Bei zahlreichen Aussenkameras sind die Umgebung und Nachbarschaft sichtbar.
Durch ein solches virtuelles Fenster lässt sich beobachten, ob das teure Auto gerade vor dem Haus steht, wer in Mehrfamilienhäuser ein- und ausgeht oder ob Kinder draussen im Pool spielen. Obwohl die Bewohnenden sich bewusst sind, dass gefilmt wird, gehören solche heikle und schützenswerte Informationen nicht ins Internet.
Privat-Areale: Diese Kameras überwachen primär Gewerbe-Einrichtungen auf Privatgrund. Auf den Bildern sind zahlreiche Drittpersonen zu sehen, die ihrem Beruf oder Alltag nachgehen. In den meisten Fällen ohne Bewusstsein, dass sie gerade live im Internet zu sehen sind – in einer Autogarage, auf der Dachterrasse eines Seminarlokals, im Innern eines Lebensmittelladens oder im Hinterhof einer Berg-Seilbahn.
Auch Orte für die Ausübung von Hobbys wie Tennis – und Golfplätze sowie Segelflugplätze – sind so im Internet zu sehen. Es finden sich aber auch unproblematische Streams, wie Wasser-Infrastruktur oder industrielle Plasma-Schnittmaschinen.
Öffentlichkeit: Hier werden Aufnahmen des öffentlichen Lebens gestreamt, auf denen Drittpersonen oder deren Fahrzeuge klar zu identifizieren sind und ohne deren Zustimmung live ins Internet übertragen werden.
In vielen Fällen ist der Nutzen der Kameras nicht klar ersichtlich, vorwiegend im Verhältnis zur Verletzung der Privatsphäre: So finden sich Kameras, die aus unbekannten Gründen auf Nachbarhäuser zielen, befahrene Strassenkreuzungen abbilden, Hafenareale zeigen oder den Vorplatz einer prominenten Kirche streamen.
Landschaften: Am meisten verbreitet sind Kameras, die bewusst öffentlich streamen, um das Wetter vor der Bergreise zu prüfen, oder um für die Schönheit einer Stadt oder eines Sees zu werben. Auch für die Wild-, oder Nutztierbeobachtung eignen sich diese unproblematischen Kameras bestens.