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Telefonbetrüger ergaunern weiterhin Millionen von Seniorinnen und Senioren
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 22.04.2022.
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So schützen Sie sich Der Telefonbetrug hat Hochkonjunktur: Opfer verlieren Millionen

Immer noch werden dutzende Senioren Opfer von Telefonbetrügern. Im Kanton Zürich haben Gauner dieses Jahr schon über 2.4 Millionen Franken erbeutet. Die Polizei gibt Tipps, wie Sie sich schützen können.

Allein im Kanton Zürich versuchen es die Gauner dutzende Male am Tag. Sie rufen gezielt ältere Personen an und versuchen, mit einer betrügerischen Geschichte an Geld zu kommen. Über 2500 Betrugsversuche am Telefon zählte die Zürcher Polizei im letzten Jahr, in 59 erfolgreichen Fällen wurden Seniorinnen und Senioren um fast 2.4 Millionen Franken betrogen.

Auch die Zahlen aus anderen Kantonen zeigen: Trickbetrügereien am Telefon haben weiterhin Hochkonjunktur. Der Kanton St. Gallen etwa zählte in diesem Jahr bereits über 200 Fälle, in denen Telefonbetrüger an das Geld von Seniorinnen und Senioren kommen wollten. Im Aargau sind es bereits über 430 Fälle. Und im Kanton Zürich ist die Schadenssumme 2022 mit gut 2.4 Millionen Franken jetzt schon höher als im gesamten letzten Jahr.

Um an das Geld der Opfer zu kommen, greifen Betrüger vor allem zu zwei Maschen:

  • Der falsche Polizist (Spoofing): Der Anrufer behauptet, dass im Quartier ein Verbrecher verhaftet wurde. Bei diesem sei eine Liste mit möglichen Einbruchszielen sichergestellt worden. Und auf dieser Liste erscheint natürlich auch Name und Adresse des Opfers. Der falsche Polizist behauptet, Wertsachen, Bargeld und allenfalls sogar das Geld auf dem Konto seien nicht mehr sicher. Die Seniorin oder der Senior wird deshalb angewiesen, alles dem falschen Polizisten zu übergeben.
  • Der Enkeltrickbetrug: Der Anrufer gibt sich als Familienmitglied aus und behauptet, in einer finanziellen Notsituation zu sein. Er kommuniziert dafür geschickt und entlockt dem Opfer viele Informationen aus der Familie, die er nachher ins Gespräch einfliessen lässt. So manipuliert er die Seniorin oder den Senior bis zur Einwilligung, ihm mittels hoher Geldbeträge aus der finanziellen Not zu helfen. Er gibt sich hilfsbereit, aber setzt das Opfer auch unter Druck. Die Übergabe erfolgt meist an einen «vertrauenswürdigen Freund».

Der Telefonbetrug ist eine bekannte, aber immer noch erfolgreiche Masche. Die Polizei geht davon aus, dass die Zahlen in Wirklichkeit noch höher liegen dürften. So rechnet die Kantonspolizei Zürich damit, dass im letzten Jahr über 12'000 Betrugsversuche stattgefunden haben. Opferzahlen und Schadenssumme dürften rund fünfmal höher sein als ausgewiesen.

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Original-Dokument: Hören Sie hier, wie ein echter Telefonbetrug abläuft
aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 22.04.2022.
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Hohe Dunkelziffer wegen Schamgefühlen

Die hohe Dunkelziffer habe vermutlich zwei Gründe, sagt Florian Schneider von der St. Galler Kantonspolizei. «Diejenigen, die nicht auf die Masche hereinfallen, sagen sich: Ist ja nichts passiert.» Und die Opfer würden aus Scham nicht zur Polizei gehen. Aber auch Rolf Decker von der Präventionsabteilung der Zürcher Kantonspolizei merkt an: «Die Betrüger sind extrem professionell, extrem kommunikativ und sie haben auf jede Frage eine Antwort, die sehr glaubwürdig ist.» Kein Opfer brauche sich deshalb zu schämen.

Porträt von Rolf Decker von der Kantonspolizei Zürich
Legende: Opfer von Telefonbetrug können sich ohne Schamgefühl bei der Polizei melden, sagt Rolf Decker von der Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich. Kantonspolizei Zürich

Wichtig sei, sich in jedem Fall bei der Polizei zu melden, beim Betrugsversuch das richtige Verhalten an den Tag zu legen und gewisse Alarmsignale richtig zu deuten. Die Polizei empfiehlt deshalb folgende Massnahmen und Verhaltensweisen:

Verhaltenstipps der Polizei

Box aufklappen Box zuklappen
  • Hängen Sie auf! Werden Sie von einem Betrüger kontaktiert, beenden Sie das Telefon sofort. Wichtig: Melden Sie den Vorfall der Polizei mit einem anderen Telefon. Der Grund: Oft verwenden Betrüger mittels eines Tricks die Polizei-Notrufnummer 117, um Sie zu kontaktieren. Hängt der Betrüger nicht auf und Sie wählen die Notrufnummer mit dem gleichen Telefon, haben Sie wieder den Betrüger am Apparat.
  • Hochdeutsche Sprache! Die Betrüger rufen in vielen Fällen aus dem Ausland an und sprechen im Gegensatz zur Polizei Hochdeutsch.
  • Die Polizei nimmt keine Wertsachen entgegen! Betrüger verlangen, dass Wertsachen einem falschen Polizisten oder einer Vertrauensperson des falschen Polizisten übergeben werden. Dies würde die Polizei nie verlangen.
  • Ändern Sie die Angaben im Telefonverzeichnis! Viele Täter orientieren sich an Vornamen, die älter klingen, um ihre Opfer ausfindig zu machen. Kürzen Sie deshalb den Vornamen im Telefonverzeichnis ab – zum Beispiel D. Muster anstatt Doris Muster. So können keine Rückschlüsse auf Geschlecht oder Alter gezogen werden.
  • Sprechen Sie offen darüber! Reden Sie mit Ihren Familienmitgliedern über die Betrugsmaschen. So können Kinder beispielsweise Ihre Eltern sensibilisieren.

    Ganz verschwinden wird die Masche des Telefonbetrugs auch in den nächsten Jahren nicht, mit den Massnahmen aber kann das Risiko, Opfer von Trickbetrügern zu werden, massiv gesenkt werden, so die Kriminal-Experten. Aktuell beschäftigen auch falsche Computer-Supporter die Polizei. Allein im Kanton Bern wurden im letzten Jahr 73 solche Telefon-Betrugsversuche mit einer Schadenssumme von 324'000 Franken registriert.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 22.04.2022, 12:03 Uhr;

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28 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community, wir bedanken uns für Ihre Beiträge und wünschen Ihnen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    In den Medien wird heute so oft von Telefonbetrug gewinnt, dass es den Leuten in den Ohren klingeln sollte. Telefoniert mir eine unbekannte Person, meistens aus dem Ausland, oder in akzentlastendem Deutsch, hänge ich kaltblütig auf, oder ich antworte in urchigstem Nidwaldner Dialekt. Dann hängen sie von alleine auf. .
  • Kommentar von Yvonne Abt  (YvonnedieDreizehnte)
    Ich finde einige Kommentare hier wirklich sehr erbärmlich. Da ist bei einigen deutlich die Frustration anzumerken, weil es nichts mehr zu erben gibt von Mami und Papi.
    Dabei sollte es die Pflicht sein von den Söhnen und Töchtern, ihre Mütter und Väter darauf zu sensibilisieren und Tipps, Ratschläge und Unterstützung zu bieten, dass sowas nicht passiert.
    Mit den betroffenen älteren Leute habe ich Mitleid. Aber sicher nicht mit den betroffenen Söhnen und Töchtern die nicht geholfen haben.