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Kann die Schweiz etwas von Schweden lernen, Herr Egger?
Aus Rundschau vom 13.05.2020.
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Sonderweg in der Coronakrise Kann die Schweiz von Schweden etwas lernen?

Der Chef der Covid-19-Taskforce, Matthias Egger, sieht klare Nachteile des schwedischen Wegs – aber auch Positives.

Den Kritikern des Lockdowns dient Schweden gerne als Vorbild – trotz der höheren Anzahl an Toten und Infizierten. Denn in Schweden ist das öffentliche Leben während der Coronakrise nie still gestanden. So waren etwa Restaurants, Cafés und Schulen mit gewissen Einschränkungen immer offen. Verboten waren und sind Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen. Die Menschen sind angehalten, Abstand zu halten und Hygienemassnahmen wie Händewaschen anzuwenden.

Der Chefepidemiologe der schwedischen Regierung Anders Tegnell, der für diese Strategie verantwortlich ist, findet, der schwedische Weg funktioniere: Schweden erziele dieselben Ergebnisse wie andere Länder, aber ohne die drastische Massnahme eines Lockdowns.

Deutlich mehr Tote pro 100'000 Einwohner als die Schweiz

Matthias Egger, Epidemiologe und Chef der Schweizer Covid-19-Taskforce, ist mit dieser Einschätzung nicht einverstanden: «Schweden hat das Ziel sicher noch nicht erreicht, wenn man die Zahlen anschaut.» Die Kurve der Infektionen konnte noch nicht entscheidend gedrückt werden. Schweden hat mit 33 Toten pro 100'000 Einwohner auch deutlich mehr Tote als etwa die Schweiz mit 22 Toten. «Und diese Zahl steigt in Schweden ständig weiter an.»

Tatsächlich ging die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfizierten in Schweden nur leicht zurück. So wurden in den letzten 10 Tagen täglich immer noch zwischen 277 und 751 Neuinfektionen gemeldet (Tagesmaximum seit Beginn: 812). Im Gegensatz dazu ging die Kurve in der Schweiz deutlich zurück. Im selben Zeitraum waren es hier nie mehr als 89 und in den letzten Tagen sogar immer weniger als 50 Neuinfizierte (Tagesmaximum seit Beginn: 1464).

Wir sind jetzt ja von den Massnahmen her sehr nahe an Schweden.
Autor: Matthias EggerEpidemiologe

Ähnlich verhält es sich mit den Todesfällen. Während die Schweiz in den letzten zehn Tagen nie mehr als 7 Covid-19-Todesfälle innerhalb von 24 Stunden vermeldete, sind es in Schweden im gleichen Zeitraum täglich bis zu 147.

Kann die Schweiz von Schweden trotzdem etwas lernen? Egger findet, es gebe durchaus auch Dinge, die Schweden gut mache: «Sie haben einen Dialog mit der Bevölkerung, die Bevölkerung unterstützt die Massnahmen und die Gesundheitspolitik.»

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Schwedens Sonderweg in der Coronakrise
Aus Rundschau vom 13.05.2020.
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Der Epidemiologe hofft nun, dass hierzulande auch die Kritiker des Lockdowns und Fans des schwedischen Weges mitmachten, und sich genau wie die Schweden an die Distanz- und Hygieneregeln hielten. «Wir sind jetzt ja von den Massnahmen her sehr nahe an Schweden.» Denn nur mit dem Einhalten der Distanz- und Hygieneregeln könne ein erneutes Ansteigen der Infektionen und damit eine allfällige neuerliche Verschärfung der Massnahmen verhindert werden: «Sollte es täglich wieder mehr als 100 oder 200 neue Fälle geben, müssen wir darüber reden.»

Rundschau vom 13.05.2020;

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87 Kommentare

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  • Kommentar von Fredy Mader  (Fredy Mader)
    Solange es keine Uebersterblichkeitsraten pro Million, verglichen mit den letzten 10 Wintern gibt, halte ich diese Berichte nicht für Ehrlich
    Wieso Statistiken frisieren?
    Wenn mit dem Winter 2015 verglichen wird, wird nur für 1-2 Monate verglichen und nicht den ganzen Winter und auf das Bevölkerungswachstum wird kein Rücksicht genommen. Und wo sieht man einmal ehrliche Statistiken von Schweden? (nicht frisierte) Vertrauen muss man sich erarbeiten. Ist Kritiker zu diskreditieren ist einacher.
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  • Kommentar von Thomas Fuhrer  (Thomas Fuhrer)
    Die forcierende Art der journalistischen Befragung in diesem Interview zeigt leider deutlich die in diesen Tagen zunehmende Tendenz, die Chance für eine qualitative, ausgewogene Auseinandersetzung mit einem Fachkundigen peinlich zu verpassen.
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    1. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Von welcher Befragung sprechen Sie, Herr Fuhrer? Falls Sie von Frau Frank im Interview mit Herrn Egger meinen, kann ich Ihren Kommentar absolut nicht nachvollziehen. Sie greift Denk- und Argumentationsweisen auf, die sich vermehrt breit machen – auch hier in diesen Kommentarspalten –, Kritiker aller Couleur bis hin zu Verschwörungstheoretikern, was sie übrigens auch klar einbringt. In diesem Sinne dient das Interview auch dem Ziel von Herrn Egger und dem BAG: die Bevölkerung mit einbeziehen!
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  • Kommentar von Christopher Prinz  (chp)
    Es wird sich auch hier im Artikel und auch in den Kommentaren immer wieder auf die Zahlen bezogen.
    Man kann mit diesen Zahlen nichts Gescheites anfangen weil sie nicht aussagekräftig erhoben werden. Nichtsdestotrotz werden die Leute offenbar nicht müde, damit Aussagen zu generieren, die sich dann beruhigend oder alamierend anhören. Dass das gut funktioniert und viel zum allgemeinen Wohlgefühl beiträgt finde ich schon schlimm genug.
    Mindestens davon sind die Schweden verschont geblieben.
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    1. Antwort von Benedikt Walchli  (Baenzi)
      Genau, alle halten so an diesen Todeszahlen fest, aber wenn man genauer hinschaut stellt man fest, dass da beim Ausfuellen der Todesbescheinigung von den Aerzten extrem viel "flex" zugunsten Coron passiert! Um dem auf die Spur zu kommen, muessten viel mehr Vergleichstabellen gezeigt werden (wo sind all die anderen Toten!).
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    2. Antwort von Marc Nager  (Marc Nager)
      Was bitte ist an den Zahlen Anzahl Todesopfer pro hunderttausend Einwohner in Ländern wie der Schweiz und Schweden “nicht aussagekräftig”? Bei Ecuador ist wohl jedem klar, dass die Dunkelziffer enorm sein muss. Aber in Mitteleuropa und Skandinavien wurde ausreichend und vor allem auch verlässlich getestet. Somit dürfte in den genannten Regionen eine tiefe Dunkelziffer vorliegen.
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    3. Antwort von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
      Öfter wird zurecht hingewiesen das Locktdowns auch Secondere Schäden haben. Das bezweifle ich nicht. Doch aber es gibt auch Unabhängig davon auch auf der anderen Seite Secondere Schäden wegen des Virus. In der Nähe Madrid hat sich ein Junger Mann nach überstanden Covi 19 das Leben genommen, weil er seine Eltern angesteckt hat und sein Vater dann starb, Er fühlte sich Schuldig. Auch den Stress der Covi 19 ausübt in einem Kreis wo er Auftritt, es gibt immer 2 Seiten.
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