Zum Inhalt springen

Header

Audio
Sommerserie «Schöni neui Welt»: Joggen gegen die Vermüllung
Aus Espresso vom 09.08.2019.
abspielen. Laufzeit 06:45 Minuten.
Inhalt

Sportart der Zukunft Plogging – Joggen gegen die Vermüllung

Der neue Sport kommt aus Schweden und heisst Ploggen. Joggen und Abfall sammeln. Lustig. Gesellig. Und gut fürs Karma.

Ploggen – das ist eine Kombination aus Joggen und Plocka, dem schwedischen Wort für «sammeln, aufheben». Wer das Wort auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook eingibt, erhält hunderte von Bildern von Plogging-Events in der ganzen Welt: USA, Frankreich, Brasilien, Kanada, Indien, sogar Algerien.

Hanu Fehr hat in der Schweiz schon zum zweiten Mal einen Plogging-Anlass organisiert. Er arbeitet für den Frauenfelder Stadtlauf, und als er zum ersten Mal von der neuen Sportart hörte, war ihm klar: Das ist es! «Abfall sammeln, joggen, sich bücken, Knie beugen, Abfallsack tragen, das ist Intervalltraining – gesund und erst noch gut für die Natur!»

«Mich stört der Abfall»

Plogger organisieren sich selbst. Via Social Media. Und gekommen sind trotz grauem Himmel gegen 30 Frauenfelderinnen und Frauenfelder. «Ich störe mich stetig am Abfall – in der Stadt, im Wald, überall. Vom Ploggen habe ich via Facebook erfahren und fands eine super Sache», erklärt eine Teilnehmerin.

Mit Handschuhen, Leuchtwesten und Abfallsäcken bewaffnet schwärmen wir in kleinen Gruppen aus und werden sofort fündig: Ballone, Trinkhalme, Schokoladenpapier, Getränkedosen, ein Parkbillett, ein Japanmesser, Handschuhe, Aluverpackung, Styropor, Kugelschreiber, Pet-Flaschen, Knopfbatterien, Glacestängel, Papp-Becher… und immer wieder: Zigarettenstummel.

An einem lauschigen Picknickplatz am Fluss liess jemand die Reste eines Picknicks einfach stehen: Leere Bierflaschen, eine ungegessene Melone mitsamt Messer. «Gruusig», «Söiniggel», kommentieren zwei Mütter und ihre Kinder, als sie den Müll wegräumen.

Passanten nicken uns verwundert aber anerkennend zu. Eine ältere Frau findet die Idee vom Ploggen zwar gut, aber irgendwie auch bedenklich: «Eigentlich schlimm, dass man sowas überhaupt machen muss. Und dass jene den Abfall wegräumen, die ihn gar nicht verursacht haben.»

«Espresso»-Sommerserie 2019:

«Espresso»-Sommerserie 2019:

Die mehrteilige Serie zeigt, wie die Konsumwelt in zehn, zwanzig Jahren aussehen könnte. Mehr

Ein Velo, ein Skateboard und ein Schirm

Je länger wir joggen, desto langsamer werden wir. Joggen, bücken, einsammeln, weiterjoggen – nicht ohne. Nach einer Stunde treffen sich alle am Ausgangspunkt, mitsamt der gefüllten Abfallsäcke. Es ist einiges zusammengekommen: Unter anderem ein ganzes Velo, ein Skateboard und ein Schirm.

Video
Plogging – Joggen gegen die Vermüllung
Aus Radio SRF 1 vom 09.08.2019.
abspielen

Das Fazit: Sehr positiv. Ein Teilnehmer sagt zum SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Erst hatte ich etwas Mühe, weil man manchmal komisch angeschaut wird. Aber schon nach 100 Metern hat mir eine Frau zugerufen ‹super macht ihr das!›. Das hat mich total aufgestellt – ich finds super.» Für andere ist das Ploggen auch ein Signal: «Leute, die uns unterwegs sehen, werden vielleicht so zum Nachdenken angeregt, und lassen ihren Abfall beim nächsten Mal nicht mehr einfach liegen!»

Sei es Abfall wegräumen, Spenden sammeln oder Lebensmittel retten: Sich über soziale Medien organisieren und Gutes tun, und nicht warten bis andere handeln sondern das Heft selbst in die Hand nehmen: Solche Aktionen wird es in der Zukunft wohl noch viel mehr geben.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Eine sehr gute, bewundernswerte Idee. Allerdings werden damit die verantwortungslosen Abfall- und UmweltsünderInnen, nicht erzogen, was ein klarer Staatsauftrag wäre/ist = rigide, logische , erzieherische Straf-Massnahmen wären: aktive Freizeitarbeit gegen die Vermüllung über einen längeren Zeitraum!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Patrik Schaub  (Kripta)
    Immer wieder liest und hört man, dass halbe Wohnungseinrichtungen wild und illegal im Wald entsorgt werden. Da man dafür ja zwangsläufig ein Auto braucht bin ich verwundert, wieso man das Zeug nicht gleich bei der nächsten Recyclingfirma vorbeibringt - und da wird einem sogar noch beim Ausladen geholfen.
    Ich spekuliere jetzt mal, dass solche Leute ein gravierendes Defizit in ihrem Verstand haben!
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Stimmt, ich habe mal mit Freunden geholfen Wald zu putzen. Sogar einen Kühlschrank fanden wir und Berge von Autoreifen neben Abfallsäcken.
      Dieses Plogging-Joggen ist gut verpackt als sportlicher Anreiz.aber
      warum sollen immer andere den Dreck wegräumen. An Sammelstellen für Glas, türmen sich Berge von Abfall, und das jede Woche pünktlich am
      Montag. Da hilft nur eins, starke Kontrollen Nachts und dann saftige
      Bussen von der Polizei , die man bei einem Einsatz sofort rufen kann.
  • Kommentar von Claus Prochazka  (Verfalsdatum1007)
    Als wir in Japan waren, suchten wir einen Abfallbehälter für unsere Abfall, fanden aber keinen. Da sagte uns der Reiseleiter: Hier gilt, was Du mitgebracht hast, kannst Du auch wieder mit nach Hause nehmen.
    In Singapur laufen die Ordnungshüter in zivil durch die Stadt. Aber der Quittungsblock ist schnell gezückt und dann wird es auch für Touristen teuer. Aber in Europa und der Schweiz bringen die Autofahrer unproblematisch mehr Geld.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      auch im Zug in Japan gibt es keinen kleinen Abfallbehälter für den bei uns
      noch eine Person angestellt ist, zum Aufräumen. Man nimmt es einfach mit nach Hause. Eine uralte Erziehung, die eine Selbstverständlichkeit ist.