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Michael Hermann: «Dass derart viele Menschen den Kontakt abgebrochen haben, hat uns erstaunt»
Aus Schweiz aktuell vom 23.07.2021.
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SRG-Corona-Monitor 60 Prozent hatten schon Streit wegen Umgang mit Corona

  • Mehr als 60 Prozent der Befragten waren wegen unterschiedlichen Ansichten zum Umgang mit Corona im Privaten schon in einen Konflikt involviert.
  • Rund ein Viertel hat deswegen sogar schon einen Kontakt abgebrochen.
  • Jüngere sind tendenziell eher in einen Konflikt involviert als Ältere.

Sollen die Behörden die Massnahmen gegen die Ausbreitung von Corona lockern oder verschärfen? Dürfen Regeln und Einschränkungen für Geimpfte ausser Kraft gesetzt werden? Diese und ähnliche Fragen zum Umgang der Gesellschaft mit Corona und unterschiedliche Antworten darauf führen im privaten Umfeld bei den Einwohnerinnen und Einwohnern der Schweiz offenbar immer wieder zu hitzigen Diskussionen.

Das hat eine Spezialauswertung im Rahmen des 8. SRG-Corona-Monitors durch das Institut Sotomo für die Sendung «Schweiz aktuell» ergeben. 62 Prozent der Befragten haben angegeben, schon in solche Konflikte involviert gewesen zu sein. Fast die Hälfte hat solche Konflikte schon im engeren Umfeld erlebt, 26 Prozent haben deswegen gar schon Kontakte abgebrochen.

Das Ausmass der Konflikte hat Studienleiter Michael Hermann überrascht: «Es zeigt die grosse Spaltung, welche der gesellschaftliche Umgang mit Corona bringt. Vor allem auch die vielen Konflikte im näheren Umfeld, da geht man kontroversen Themen ja sonst oft aus dem Weg.»

Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Bei Jüngeren polarisiert das Thema eher als bei Älteren: Bei den über 65-Jährigen waren 51 Prozent schon in solche Konflikte involviert, bei den 35 bis 65-Jährigen und bei den 15 bis 34-Jährigen sind es sogar 65 Prozent. Auch brechen Ältere deutlich weniger wegen solchen Konflikten den Kontakt zu Personen ab.

Für Michael Hermann liegen die Gründe dafür auf der Hand: «Bei den über 65-Jährigen ist das Thema am wenigsten kontrovers, weil die Bedrohung durch eine Coronaerkrankung für sie am grössten ist und die meisten von ihnen ohnehin geimpft sind.» Für die Jungen auf der anderen Seite sei Corona am wenigsten bedrohlich und gleichzeitig erlebten sie die Coronapolitik als besonders einschränkend. «Das Ganze wird dadurch noch mehr zu einer emotionalen Grundsatzfrage mit viel Streitpotenzial.»

Zudem ergab die Befragung, dass Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, deutlich häufiger bereits in einen Streit über unterschiedliche Ansichten zu Corona verstrickt waren, als solche, die sich impfen lassen (wollen): Mehr als drei Viertel der Nicht-Impfwilligen hatten schon Streit wegen des Umgangs mit Corona, fast ein Drittel von Ihnen hat deswegen schon einmal Kontakt zu Bekannten, Kollegen, Freunden oder Verwandten abgebrochen. Hermann: «Die Impfverweigerer sind zwar zahlreich, aber gesellschaftlich eine Minderheit. Hier sieht man deutlich, dass sie zunehmend unter Druck geraten.»

Die Befragung ergab im Weiteren, dass Frauen etwas mehr in solche Konflikte involviert sind als Männer. Hermann denkt, das sei auf die generell persönlicheren Beziehungen von Frauen zurückzuführen und habe weniger mit dem Thema Corona zu tun. Frauen würden deshalb wohl sensibler auf Meinungsverschiedenheiten reagieren.

Datenerhebung und Stichprobe

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Die Datenerhebung zur 8. Befragung des SRG-Corona-Monitors fand zwischen dem 1. und dem 5. Juli 2021 statt. Die Grundgesamtheit der Befragung bildet die sprachlich integrierte Wohnbevölkerung der Schweiz ab 15 Jahren. Die Befragung erfolgte online. Die Rekrutierung der Befragten fand einerseits über die Webportale von SRG SSR, andererseits via Online-Panel von Sotomo statt. Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 23'337 Personen für die Auswertung verwendet werden (Deutschschweiz: 16‘695, Romandie: 5738, italienische Schweiz: 904).

Repräsentative Gewichtung

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt. Es werden räumliche (Wohnort), soziodemografische (Alter, Geschlecht, Bildung, Haushaltsform) und politische Gewichtungskriterien (Parteipräferenz) beigezogen. Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die Schweizer Bevölkerung erzielt. Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf gewichtete Opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist jedoch vergleichbar mit einer Zufallsstichprobe mit einem Stichprobenfehler von +/-1.3 Prozentpunkten (für 50 Prozent-Anteil und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit).

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Michael Hermann zu den Ergebnissen der 8. SRG-Corona-Befragung
Aus 10 vor 10 vom 09.07.2021.
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Wie ist das bei Ihnen im Umfeld? Hatten Sie auch schon häufig Streit oder vermeiden Sie das Thema Corona gänzlich? Erzählen Sie uns in der Kommentarspalte wie Sie mit der Thematik umgehen.

Schweiz Aktuell, 23.07.21, 19.00 Uhr

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122 Kommentare

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  • Kommentar von Hugo Müller  (Manuel de Barcelone)
    @Pascal Giger: In welcher Blase leben Sie denn?
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Habe gerade eine Gruppe von 20 jungen Akademikern zu Besuch, die Freunde meiner Tochter und alle sind geimpft. Auch aus sozialen Gründen eine Selbstverständlichkeit, finden sie. Aber sie wollen sich auch nicht durch LC die Zukunft versauen lassen. Vernünftig wie mir scheint. Wir haben uns auch gefragt, ob wir in einer Blase leben, den wir alle kennen (kaum) Impfgegner und keine die an Querdenkerdemos teilnehmen. Woran das liegen mag?
    1. Antwort von Pascal Giger  (PIGI)
      Gerade 20 Akademiker zu Besuch? Genau. Und sind Akademiker besser als Handwerker? Was soll diese Aussage?
      Wenn wir schon dabei sind; ich kenne niemanden, der sich impfen lassen hat. Mein Freundeskreis ist um 35-45 Jahre alt. Sogar meine Eltern mit Vorerkrankung haben sich nicht impfen lassen, weil Sie entscheiden darüber und nicht die Gesellschaft. Übrigens, habe keiner
      Querdenker Demo teilgenommen. Es gibt auch Leute, ohne Extremismus. Leute, die selber über Ihren Körper entscheiden möchten.
  • Kommentar von Armin Odermatt  (Armin Odermatt)
    Ich habe sogar mein Bruder Kontakt abgebrochen.