Zum Inhalt springen

Header

Audio
Das macht der «Super Recognizer» bei der Stadtpolizei Winterthur
Aus Rendez-vous vom 14.03.2023. Bild: KEYSTONE/Schweizer Grenzwache/Peter Klaunzer
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 12 Sekunden.
Inhalt

Stadtpolizei Winterthur Ein Experte für Gesichtserkennung geht auf Verbrecherjagd

Er kann sich Gesichter aussergewöhnlich gut merken und wiedererkennen. Diese Fähigkeit macht sich seit Anfang Jahr die Winterthurer Stadtpolizei zunutze. Sie ist damit schweizweit die erste Polizei, die einen «Super Recognizer» bei der Polizeiarbeit einsetzt. Wohl aber nicht die letzte.

Dass der erste «Super Recognizer» ausgerechnet in Winterthur zum Einsatz kommt, liegt an Lorenz Wyss. Er leitet bei der Stadtpolizei die Abteilung Fahndung. Seine Diplomarbeit hat der 43-Jährige über «Super Recognizer» geschrieben. Dabei ist in ihm die Überzeugung gereift, dass solche Menschen viel beitragen könnten zur Polizeiarbeit.

«Super Recognizer» bleibt anonym

Das habe sich in den ersten zweieinhalb Monaten bestätigt, seit der Gesichtserkennungsexperte seine Arbeit aufgenommen hat. «Er lieferte in dieser Zeit 27 Täterhinweise. Zum Teil konnte er den Verdächtigen direkt identifizieren, teils waren es Hinweise, die wir weiterverfolgen konnten», sagt Wyss.

Weil der «Super Recognizer» anonym bleiben soll, spricht er selber nicht mit den Medien. Dafür erzählt sein Chef Lorenz Wyss, wie der Gesichtserkennungsexperte arbeitet. «Er schaut sich hauptsächlich am Computer Fahndungsbilder an. Und versucht, die Gesichter zuzuordnen.» Es erreichten ihn Anfragen aus der ganzen Schweiz.

Ein Mann im Hemd sitzt an einem weissen Tisch.
Legende: Lorenz Wyss hat den «Super Recognizer» eingestellt und hofft, dass andere Polizei-Korps auch diesen Weg gehen. SRF / Dominik Steiner

Wie das konkret funktioniert, erklärt Lorenz Wyss an einem Fallbeispiel: Ein junger Mann klaut einen Roller und wird anschliessend von einem Blitzkasten fotografiert. Wyss legt das Bild auf den Tisch: «Weil der Verdächtige einen Helm trägt, sind einzig die Augenpartie und die Nase zu sehen. Allein aufgrund dieses Fotos konnte unser Super Recognizer den Mann erkennen.» Und zwar, weil er vor einem halben Jahr ein anderes Bild dieses Mannes gesehen hatte. Aufgrund dieses Hinweises hat die Stadtpolizei Winterthur den Verdächtigen vorgeladen – und er hat den Roller-Diebstahl gestanden.

Bei diesem Bild hätte eine Software keinen Treffer gelandet.
Autor: Lorenz Wyss Leiter Abteilung Fahndung, Stadtpolizei Winterthur

Wyss geht davon aus, dass eine Gesichtserkennungssoftware an dieser Aufgabe gescheitert wäre. Dieses Beispiel zeige, dass «Super Recognizer» eine wichtige Ergänzung zum Computer seien – aber kein Ersatz. «Eine Gesichtserkennungssoftware ist aufgrund der Bilderflut unerlässlich für die Polizeiarbeit.» Es gelte, diese aussergewöhnlichen menschlichen Fähigkeiten eines «Super Recognizers» mit den Möglichkeiten von Computerprogrammen zu kombinieren.

Eine Frau mit dunkelbraunen Haaren lächelt in die Kamera.
Legende: Die Psychologin Meike Ramon forscht unter anderem im Rahmen eines Nationalfonds-Projekts zum Thema «Super Recognizer». Ausserdem berät sie seit 2017 die Polizei in Berlin. zvg / SNF

In Deutschland gibt es bereits «Super Recognizer»

Die Fähigkeiten von Menschen und Computern kombinieren – dem stimmt Meike Ramon zu. Die Neurowissenschaftlerin der Universität Lausanne gilt als führend im Bereich «Super Recognizer». Im Auftrag der Berliner Polizei hat sie einen Test entwickelt, der solche Super-Erkenner ausfindig machen soll. Der Test sei so konzipiert, dass er die Schwächen von Gesichtserkennungssoftwares aufnehme. «Wir haben die Fehler der künstlichen Intelligenz genommen und den Leuten Aufgaben gegeben, bei denen die Software scheitert.»

Was genau ist ein «Super Recognizer»?

Box aufklappen Box zuklappen

Die Forschung darüber ist noch relativ jung. Seit rund zehn Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem Bereich der sogenannten «Super Recognizer».

Eine klare, einheitliche Definition, was eine solche Person auszeichnet, gibt es bislang nicht.

Gemäss der Forscherin Meike Ramon ist es eine angeborene Fähigkeit, die sich nicht erlernen lässt. Wie viele Menschen diese aussergewöhnliche Gabe besitzen, ist ebenfalls unklar. Häufig ist zu lesen, dass ein bis zwei Prozent der Bevölkerung diese Fähigkeit besässen. Doch weil es keine einheitlichen Testverfahren gibt, lässt sich auch das nicht abschliessend sagen.

Wer den Test besteht, gilt «offiziell» als «Super Recognizer». In Deutschland setzen neben Berlin auch Städte wie München oder Stuttgart auf solche spezialisierten Ermittlerinnen und Ermittler.

Als einziger Schweizer Polizist hat der Mann aus Winterthur den Test der Berliner Polizei absolviert – und mit Bravour bestanden. Weshalb er als einziger «echter Super Recognizer» der Schweiz gilt. Sowohl Meike Ramon als auch Lorenz Wyss von der Stadtpolizei Winterthur hoffen aber, dass künftig weitere solche Gesichtserkennungsexperten bei Schweizer Polizeien zum Einsatz kommen.

Rendez-vous, 14. März 2023, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel