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Stephan Weber: «Eine Limite von 15 Personen ist schweizweit einmalig»
Aus Schweiz aktuell vom 14.10.2020.
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Steigende Infektionszahlen Genf zwischen harten Massnahmen und politischer Akzeptanz

Rund 20 Prozent aller Menschen, die in der Schweiz wegen Covid-19 im Spital liegen, befinden sich in den Genfer Universitätsspitälern. Diese Zahl lässt aufhorchen.

Und sie verführte den Genfer Gesundheitsdirektor Mauro Poggia dazu, in den vergangenen Tagen öffentlich über drastische Massnahmen nachzudenken. Das ging bis zur Meldepflicht für kleine Familienzusammenkünfte. Wer ein Abendessen unter Freunden organisiert, hätte sich bei den Behörden melden müssen.

Widerstand gegen harte Massnahmen

Doch die politische Reaktion kam prompt: «Verletzung der Privatsphäre», «Einmischung des Staates», «Kontraproduktiv». Politisch gab es von links bis rechts Widerstand.

Nun hat die Genfer Kantonsregierung einen Kompromiss gefunden: Sie dehnt die Maskenpflicht aus, Schullager werden abgesagt und öffentliche Ansammlungen mit mehr als 15 Personen sind verboten. Aber der direkte Eingriff in die kleinen, privaten Zusammenkünfte bleibt aus.

Man wolle nicht als «Pionier-Kanton» gelten, sagte dazu der zuständige Gesundheitsdirektor Poggia. Man verwies auf andere Westschweizer Kantone, die bereits heute scharfe Massnahmen eingeführt haben: Die Waadt kennt eine Maskenpflicht bei privaten Festen ab 50 Personen. In Neuenburg muss man private Zusammenkünfte ab 30 Personen sogar bei den Behörden anmelden.

Begrenzung auf 15 Personen

Es schien, als wolle man verhindern, dass Genf als derjenige Kanton gilt, der am drastischsten vorgeht. Doch in Genf ist man nun doch bei einer Begrenzung auf 15 Personen angelangt. Eine Limite, die doch tiefer ist als in allen anderen Kantonen, auch wenn es in Genf (noch) keine Meldepflicht für private Veranstaltungen gibt.

Es ist ein Versuch, mit klaren Massnahmen einmal mehr an die Bevölkerung zu appellieren und gleichzeitig auf politische und gesellschaftliche Akzeptanz zu hoffen. Politisch dürfte die Kirche mit diesen Massnahmen (vorerst) im Dorf bleiben. Ob die Bevölkerung die Massnahmen jedoch mitträgt, wird sich zeigen. Immerhin steht sie ab heute noch stärker in der Pflicht.

Wer eine private Veranstaltung mit mehr als 15 Personen organisiert, muss für Maskenpflicht und Kontaktdaten all seiner Gäste besorgt sein. Kommt es zu einem positiven Fall und hat der Organisator nicht alle Massnahmen getroffen, drohen Bussen bis zu 30'000 Franken. Es sind Massnahmen im Wissen um die steigenden Patientenzahlen in den Spitälern und im Wissen um die Besorgnis der Spital-Verantwortlichen.

Die Genfer Regierung hat einmal mehr ein Zeichen gesetzt. Zu Recht, denn die Überlastung der Spitäler ist mitunter der Hauptgrund, warum es diese Einschränkungen seit Beginn der Pandemie überhaupt braucht.

Stephan Weber

Stephan Weber

Korrespondent Westschweiz SRF

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Stephan Weber ist TV-Korrespondent in der Westschweiz und Reporter bei der Inlandredaktion von SRF. Für die tagesaktuellen Sendungen «Tagesschau», «10vor10» und «Schweiz Aktuell» betreut er unter anderem das Dossier Wohnpolitik. Weber arbeitete davor für die SRF-Bundeshausredaktion sowie als Radiojournalist und Produzent bei CH Media.

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Kanton Genf verschärft Massnahmen gegen Corona
Aus Schweiz aktuell vom 14.10.2020.
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Schweiz aktuell, 14.10.2020, 19:00 Uhr

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Julian Bär  (baj)
    30'000.- Busse ? piepts ?
  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Distanz Hygiene und Maske... es geht hier nicht um Glauben oder Wissen... es geht darum dass diese Massnahmen helfen koennen und wer da nicht mitmacht.. ist asozial!!!
    Wenn ich das Haus verlasse, auch meine Farmarbeiter, wovon ich zeitweise bis 15 habe, halten wir uns strikte an Maskenpflicht.. halten Distanz, Hygiene ... meiden Andere.. so Moeglich
    Anmeinem Farmgate steht geschrieben: No mask, no entry..
    1. Antwort von Christophe Bühler  ((Bühli))
      @Franz Nanni: Danke für dieses vernünftige Statement. Zu allen unseren Gästen/Besuchern halten wir auch Distanz und bei Sitzungen und beim Einkaufen tragen wir Maske. Solange kein Impfstoff existiert sollte das Virus nicht unterschätzt werden.
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Sympathische Berichterstattung. Nicht nur die Zahlen springen; eine derartige Aufregung angesichts des Erwartbaren lässt sich nur mit dem Glauben erklären, man habe die Verbreitung mit den Massnahmen im Griff. Von einer besonderen Vorsicht der Menschen mit Gefährdung oder der Möglichkeit, sich ohne grosse Einschränkung, mit etwas Abstand und Zurückhaltung zu schützen, auch wenn man Leute trifft, spricht niemand mehr. Die politischen Entscheidungsträger gehen ganz in ihrer epochalen Aufgabe auf.
    1. Antwort von Conny Hasler  (conhas)
      @schlatter:was soll jetzt dieser Kommentar?Genf hat stark steigende Fallzahlen,20 % der Hospitalisierten sind im Kanton Genf,die Clubs wurden schon vor längerem geschlossen;Sie können gerne dem GD vom Kanton Genf noch andere griffige Massnahmen vorschlagen,damit die Fallzahlen nicht mehr so steigen;und wenn sich viele in der Bevölkerung nicht mal an die einfachsten Massnahemn halten,müssen halt strengere Massnahmen eingeführt werden
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Hasler, ich weise darauf hin, es bei Corona nicht nur mit einer Kommunikationskrise zu tun zu haben, sondern noch grundlegender mit einer Krise der Verantwortlichkeit. Wenn, wie der Bundesrat behauptet, flexibles Handeln nötig ist, sollten wir den Behörden die Verantwortung abnehmen dürfen. Was man uns jetzt als flexibles Handeln unter dem Gewährleistungsprinzip verkauft, war, vielleicht abgesehen vom grandiosen Einfall mit der Maske, längst geplant. Leider treibt man es jetzt auf die Spitze.