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Strategie der Credit Suisse Zum Sparen nach Polen

Ein Grund des CS-Gewinns erklärt sich mit Einsparungen. Zum Beispiel durch Arbeitsplatzverlagerungen.

Legende: Audio CS-Millionengewinn dank Arbeitsplatzverlegung abspielen. Laufzeit 2:42 Minuten.
2:42 min, aus Rendez-vous vom 31.07.2018.

Mehr als doppelt so viel Gewinn wie noch vor einem Jahr, das meldet die Schweizer Grossbank Credit Suisse heute. Fast 650 Millionen Franken verdiente die CS im zweiten Quartal. Ein Grund dafür seien Kosteneinsparungen. Diese bemerken vor allem auch die Mitarbeiter der Bank.

Die Bank hat fünf Prozent Kosten eingespart – dies auch mit Arbeitsplatzverlagerungen. Polen ist dabei das Ziel. Unter Chef Tidjan Thiam hat die CS dort einen zweiten Standort aufgebaut.

Das seien aber nicht mehr Schweizer Jobs, die dorthin gehen, meint der CS-Chef heute im Interview mit Radio SRF. Vor allem von London würden Jobs nach Polen verlagert. Kaum mehr aus der Schweiz.

Eine Stellenverlagerung von teuren Standorten wie der Schweiz oder London ins günstigere Polen spart 40 bis 60 Prozent Kosten, schätzen Experten. Dabei macht die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma Auflagen, was für Stellen verlagert werden können. Und dass der Regulator die Aufsicht behält.

Neue Regulierungen als Grund

Gerade neue Regulierungen hätten Stellenverlagerungen nach Polen angetrieben, sagt Utz Helmuth vom Unternehmensberater PwC: «Die regulatorischen neuen Funktionen, die gefordert wurden – also die ganzen Überwachungskontroll- und Tech-Funktionen, die neu dazugekommen sind – sind grossteils in Osteuropa entstanden.»

So haben viele grosse und kleine Banken aus dem Westen neben IT und Buchhaltung eben auch die sogenannte Compliance nach Osteuropa verlagert. PwC schätzt, dass 15'000 Arbeitsplätze von Schweizer Finanzkonzernen nach Polen verschoben wurden. Insgesamt arbeiten dort etwa 280'000 Leute für die internationale Finanzindustrie – 60'000 mehr als in der Schweiz.

Sparen und wachsen

Tiefe Kosten und qualifiziertes Personal seien das eine. Unternehmensberater Helmuth sieht einen weiteren Faktor: «Als zusätzlicher Vorteil, etwa gegenüber Indien, kommt die geografische, kulturelle und sprachliche Nähe zur Schweiz.» In Polen sprechen viele Leute Deutsch.

Und so sind an den CS-Standorten im günstigen Polen derzeit über 300 Stellen ausgeschrieben. Chef Thiam betont aber, dass die CS nicht nur sparen, sondern vor allem wachsen will, auch in der Schweiz. Ein Indiz dafür: Die Credit Suisse hat auch hierzulande derzeit über 400 Stellen ausgeschrieben.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Schlagzeile in 2025: "Die polnische Grossbank, Credit Suisse, hat ein Rekordergebnis erwirtschaftet. Der Gewinnzuwachs entstand grösstenteils durch den radikalen Sparkurs und Stellenverlagerungen nach Ougadougou. Die ehemaligen polnischen Mitarbeitenden erhalten im Rahmen ihre Arbeitslosenentschädigung von der Gesamteuropäischen Arbeitslosenversicherung."
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Gewinne und Verluste. Solche Grosskonzerne funktionieren nach ihren Regeln: Gewinnmaximierung. Loyalitäten zu Belegschaften, Orten und was sonst noch immer kennen die nicht. Daher sei allen Gemeinden und Städten angeraten, die sich so gerne ins Steuerdumping-Getümmel werfen möchten. Just don’t. Es gibt nur Gewinner in der ultralibertinären Kategorie der Wirtschaft, das sind nie die Menschen und Orte. Es sind immer nur ein paar globavernetzte 1%er der Klasse höchstbedürftig und nieistesgenug.
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Das hat die CS gemeinsam mit der Airline, die auch Swiss heisst: Sie ist nicht mehr schweizerisch - made of Switzerland statt made in Switzerland.
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