Zum Inhalt springen

Header

Audio
Der lange Weg zum Uferweg
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 24.09.2021.
abspielen. Laufzeit 08:44 Minuten.
Inhalt

Streit um Uferwege Wenn 40 Jahre über ein Wegstück gestritten wird

Die Ufer der Seen und Flüsse sind begehrt. Immer wieder kommt es zu Konflikten um neue Wege – zum Beispiel am Bielersee.

Das geplante Wegstück entlang des Bielersees bei Sutz-Lattrigen ist gerade mal 250 Meter lang. Doch die Planung hat schon viele Umwege erfahren, das Dossier ist mit viel Zwist, Unstimmigkeiten und Unverständnis gepflastert. Alles beginnt mit einem Entscheid des Berner Stimmvolks.

Vor knapp 40 Jahren entschied es, dass Uferpartien entlang von Gewässern allen zugänglich sein sollen. Dieser Wille ist längst nicht überall umgesetzt. In Sutz-Lattrigen am Bielersee ist die Sache besonders verworren.

Seit fast 40 Jahren kämpfen die Besitzerinnen und Besitzer verschiedener Grundstücke um ihr Idyll – und gegen einen Uferweg. Eine der Grundeigentümerinnen ist Nicole Beutler. Schon ihr Vater setzte alle Hebel in Bewegung, damit der Uferweg nicht vor dem Ferienhaus der Familie durchgeht. Mittlerweile hat die Bernerin den Kampf übernommen. «Es ist eine Herzensangelegenheit: Es sind viele Erinnerungen mit diesem Stück Land verbunden.»

Diskussionen wie am Bielersee gibt es auch andernorts. Am Thuner- und Brienzersee gaben ebenfalls verschiedene Projekte immer mal wieder zu reden. Und auch in anderen Kantonen ist der politische Wille da, Ufer der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen – die konkrete Umsetzung ist aber jeweils schwierig, wie sich in der Vergangenheit beispielsweise am Zürich- oder Bodensee zeigte. Zu reden gibt auch ein Uferweg, der im Zusammenhang mit einem Bauprojekt des Tennisstars Roger Federer steht.

Was ein Uferweg mit Roger Federer zu tun hat

Box aufklappen Box zuklappen
Legende: Blick auf die Baustelle des rund 16000 Quadratmeter grossen Grundstücks von Tennisspieler Roger Federer, aufgenommen im Juli 2021. Keystone

Der Tennisstar Roger Federer baut bekanntlich in Rapperswil-Jona am See ein Anwesen. Die Einsprachen einer Naturschutzorganisation gegen die Baupläne sollen gemäss Stadt schon bald vom Tisch sein. Jetzt erhält ein altes Anliegen jedoch neues Gewicht. Es geht um den Seeuferweg, den der Kanton St. Gallen schon 2003 im Richtplan festgeschrieben hat. Was zählt mehr? Das millionenschwere Anwesen von Roger Federer oder die Öffentlichkeit, die einen Zugang zum See erhalten soll?

Im August hat darum ein Kantonsrat der Grünen beim St. Galler Kantonsparlament eine Anfrage eingereicht, wie es um den geplanten Seeuferweg stehe. Ein solcher müsste doch trotz Tennisstar möglich sein. Die Antwort steht noch aus. Roger Federer will just dort einen Bootsplatz bauen, wo nach kantonalem Richtplan ein Seeuferweg entstehen soll.

In Sutz-Lattrigen am Bielersee wurden die Pläne um einen Uferweg vor zwölf Jahren konkret. Die Gemeinde begann den Weg gemäss Gesetz zu planen. Doch die Anwohnerinnen und Anwohner wehrten sich mit Einsprachen. Die Eigentümer erhielten vor Gericht zum Teil recht. 2009 entschied das Bernische Verwaltungsgericht, dass der Weg nicht direkt am Ufer vorbeigehen darf – aus Naturschutzgründen.

Legende: Wo ist der See? Wer in der Gemeinde Sutz-Lattrigen in der Nähe des Sees spazieren geht, sieht meistens nur Büsche auf privaten Grundstücken. Christine Widmer/SRF

Die Gemeinde machte neue Pläne und wollte den Weg nach hinten versetzen. Aber auch das sorgte für Kritik von Anwohnenden. Und der Kanton Bern beschied, dass der Weg nicht hinter den Häusern vorbeiführen darf, sondern eben direkter am Ufer – trotz anderslautendem Entscheid des Gerichts.

Gemeinde wollte nicht mehr

Dem damaligen Gemeindepräsidenten Christian Gnägi reichte es. Er entschied, das Dossier dem Kanton abzutreten. «Wir fühlten uns damals vom eigenen Kanton ausgebremst», erinnert sich Gnägi. Das war 2014. Sieben Jahre lang haben sich Fachleute seither um das 500 Meter lange Wegstück gekümmert.

Nun liegt ein Projekt auf dem Tisch – und wieder soll das Teilstück des Weges nicht direkt am Ufer vorbeiführen. Der Grund: ein seltener Vogel, die Rohrammer, welche nicht gestört werden soll.

Legende: Die Rohrammer lebt gerne in Feuchtgebieten. Sie ist auf der Roten Liste der gefährdeten Vögel in der Schweiz. Keystone

Anwohnerin Nicole Beutler ist erleichtert über die neuen Pläne. «Ich bin froh, dass der geplante Weg nicht über mein Grundstück führt.» Sie bedauert aber die Auflagen, welche nun gemacht werden. Tatsächlich will der Kanton das Ufer renaturieren. Nicole Beutler verliert dadurch 100 Quadratmeter Land und eine alte Mauer. Die Pläne des Kantons werden nächstes Jahr öffentlich aufgelegt – gut möglich, dass es wieder Einsprachen gibt und dass der Konflikt um den Uferweg in Sutz-Lattrigen weitergeht.

Gemeindeverwalterin Caroline Streit ist aber optimistisch. Sie rechnet damit, dass es dieses Mal gut kommt mit dem besonders umstrittenen Teilstück des Uferwegs. «Es handelt sich schliesslich um die beste Lösung seit Jahren.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 24.9.2021, 17:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Bernhard Meyer  (Bernhard Meyer)
    Ich werde mir nie ein Grundstück am See leisten können, verstehe aber die Eigentümer, die Ihre Privatsphäre möchten und auch dementsprechend viel für Ihr Grundstück bezahlt haben. Es gibt genug Möglichkeiten zum spazieren, nicht unbedingt vor einem Privatgrundstück zb. Im Wald.
    1. Antwort von August Meier  (And007)
      In Einzelfällen mag dass wohl auch kein Problem sein. Juristisch sind diese Einzelfälle aber sehr heikel. Sehr schnell berufen sich alle Leute mit sehr viel Geld auf diese Urteile und dann ist 70, 80, oder sogar 90% der Schweizer Seeufer in Privathand und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Wohl keine erstrebenswerte Lösung.
    2. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Die aktuellen Eigentümer haben ihre Grundstücke geerbt, also gar nichts dafür bezahlt. Und wer sich in letzter Zeit eines gekauft hat, wusste von dem bestehenden Gesetz.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Indiskutabel und zum Glück von Gesetzes wegen, müssen die Uferwege gesamtschweizerisch FREI für die Bevölkerung bleiben!!
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Im Sinne der Betrachterin gibt es verschiedene Ansätze. Meine Gedanken: Bei Privilegien für ein paar wenige, notabene auch Ferienhäuser betreffend, sträuben sich meine Nackenhaare. Aus dem Blickwinkel der Natur sträuben sie sich ebenso beim Verhalten diverser Zeitgenossen. Der Grossteil der Ufer sollte öffentlich sein, aber nicht auf Kosten der Tiere/Natur. Dafür müssten umstrittene Parzellen auf Bootsstege verzichten, Ufer renaturiert werden und die Gemeinden bauen Umgehungsstege im Wasser.