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Sicherheit auf Baustellen
Aus Rendez-vous vom 25.02.2020.
abspielen. Laufzeit 03:27 Minuten.
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Studie der Unia Bauarbeiter leiden unter Stress und Zeitdruck

Fast 40 Jahre lang hatte Antonio Ruberto aus Bern auf dem Bau gearbeitet, bis er vor zwei Jahren frühpensioniert wurde. Gerade in den letzten Jahren habe sich vieles verändert, erzählt Ruberto. «Früher konnten wir ein Haus mit sechs bis sieben Personen bauen und hatten genügend Zeit dafür.»

Vorbei diese Zeiten. Heute laufe es anders: «Der Druck ist bereits morgens vorhanden. Bis am Nachmittag müssen gewisse Dinge fertig sein.»

«Todesfälle haben zugenommen»

Die Unia hat heute Dienstag dazu auch die Ergebnisse einer gross angelegten Umfrage präsentiert. Laut dieser machen sich die meisten Schweizer Bauarbeiter grosse Sorgen um ihre Sicherheit.

Dass alles schneller geschehen muss, hat mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun und nicht spezifisch mit dem Baugewerbe.
Autor: Matthias EngelBaumeisterverband

Es gehe hier um ein sehr ernstes Problem, unterstreicht Nico Lutz, Geschäftsleitungsmitglied der Unia und bei der Gewerkschaft zuständig für die Bau-Branche. Denn der gestiegene Stress und Termindruck gefährde all die Fortschritte im Sicherheitsbereich, die man im Laufe der Zeit gemeinsam mit den Baumeistern erzielt habe. «Insgesamt sind die Unfälle erfreulicherweise zurückgegangen. Die schweren Unfälle und die Todesfälle aber haben, gerade in den letzten zehn Jahren, zugenommen.»

Baustelle in Bern.
Legende: Immer öfters klagen Bauarbeiter über Stress und Termindruck auf den Baustellen. Keystone

Laut einer Umfrage, die die Unia bei 12'000 Bauarbeitern in der Schweiz durchgeführt hat, bestätigen über drei Viertel von ihnen, dass der Termindruck zugenommen hat. Und über die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihre Gesundheit darunter leide.

Dass der Termindruck auf dem Bau grösser geworden ist – das sagt auch Matthias Engel vom Baumeisterverband. Er verweist auf einen generellen Trend. «Dass alles schneller geschehen muss, hat mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun und nicht spezifisch mit dem Baugewerbe. Für uns ist klar, dass eine Baustelle sicher sein muss, egal wie lange oder kurz eine Frist ist. Dafür setzen wir uns sein.»

Meinungen gehen weit auseinander

Doch wie soll man dem Termindruck am sinnvollsten begegnen? Während die Baumeister auf flexible Arbeitszeiten setzen, wollen die Gewerkschaften die Zahl der möglichen Überstunden reduzieren. Die Meinungen gehen also weit auseinander – und weitere Diskussionen werden folgen.

Die Gewerkschaft Unia will jetzt Mitgliederversammlungen in der ganzen Schweiz abhalten und danach weitere Forderungen erheben.

Info 3 Mittag, 25.2.2020, 12:00 Uhr; hosb

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Dominique Klein  (DomKe)
    Sagt doch mal wer heute nicht unter Zeitdruck und Stress leidet. Egal ob Büezer oder Bürogummi wir sitzen alle im gleichen Boot.
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    1. Antwort von Arnold Vass  (Captain Planet)
      Tut mir leid, wenn ich lachen muss, aber so etwas kann nur jemand sagen, der noch nie eine Schaufel in Händen hielt.
      Ob man nun 20 statt 10 Emails beantworten oder 20m2 anstelle von 10m2 Belag pro Stunde einbauen muss, ist nicht ganz das selbe.
      Natürlich steht man im Büro auch ständig unter Stress, aber es fehlt die Doppelbelastung Psyche/Physis, wie sie in der Baubranche alltäglich ist und die Mitarbeiter langsam aber sicher zermürbt.
      Eine generelle Entschleunigung wäre angebracht.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Vass: Sie vergessen dabei, dass die Denkarbeit und E-Mails schreiben für den Bauarbeiter genauso anstrengend werden könnte, als körperliche Arbeit für uns. Zudem ist zu bedenken, dass z.B. Ärzte auch brutal viel arbeiten (50 Std. minimum pro Woche, in Wirklichkeit wesentlich mehr) und sie müssen auch mit der Hand arbeiten, nicht mit Kraft, aber mit MmPräzision. usw. Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen also bringt nichts. Die Arbeitswelt generell gehört entschleunigt.
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    3. Antwort von Arnold Vass  (Captain Planet)
      Fr. Fitzi, "Denkarbeit" wie sie es nennen, ist nichts anderes als Konzentration, "mit dem Kopf bei der Sache sein". Es wäre töricht anzunehmen, der Bauarbeiter brauche seinen Kopf nicht. Schliesslich geht es auf der Baustelle um mehr als nur einen Schreibfehler in der Email. Haben sie gelesen, dass sich die Mehrheit grosse Sorgen um ihre Sicherheit macht?
      In diesem Artikel geht es spezifisch um Bauarbeiter, bleiben wir doch dabei und lassen andere Berufsgruppen aus dem Spiel.
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    4. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Ich denke auch, ganz in Ihrem Sinne, Herr Vass, dass Bauarbeiter einen gefährlichen und körperlich auch verschleissenden Beruf haben. UND daher bin ich dafür, dass diese Leute mit 50 in Rente gehen können. UND, dass dies der Standard für alle wird. UND, dass wir eine 20-24h/Woche als die Normwoche haben. Denn Menschen brauchen Zeit zum Erholen und Anderes tun können. Das kommt der Mitwelt und unter dem Strich der ganzen Gesellschaft zu Gute.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Manchmal ist es eigenartig: Bei uns in der Nähe wurde eine grosse Brücke etc. saniert und von März bis Ende November terminiert. Es gab kaum Wetterunterbrüche wo nicht gearbeitet werden konnte und das Werk wurde wie von Zauberhand ganau per Ende Nov fertig. Wird da mit dem Spielraum spekuliert? Wenn es jetzt 3 Wochen Hudelwetter wäre einfach die Baustelle verlängert oder den Druck auf die Arbeiter erhöht?
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    1. Antwort von stefan Müller  (S.Müller)
      Wird vielleicht der Baumeister noch andere Auftäge haben die erledigt werden müssen????
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  • Kommentar von Christoph Bosshart  (Böse)
    Die Unia meldet sich wieder einmal zu Wort mit "Neuigkeiten" die jedem schon seit Jahren bekannt sind. Dies gilt aber nicht nur für die Baubranche, sondern für die gesammte Wirtschaft.
    Was die Unfälle betrifft, geht ein beträchtlicher Teil von ihnen auf ein falsches Sicherheitsdenken zurück. Durch einen unübersichtlichen Dschungel von Sicherheits-
    vorschriften werden die Beteiligten in falsche
    Sicherheit gewiegt, sie überlegen sich die Folgen ihres Tuns zuwenig und Unfälle sind die Folge.
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