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Studie zu Trockenheit Landwirtschaft muss sich auf Ernteausfälle einstellen

Bis zu 30 Prozent Ertragsverlust: Ein Feldversuch zeigt den Einfluss von Dürreperioden auf die Schweizer Landwirtschaft.

Legende: Video «Die Landwirtschaft muss sich anpassen», sagt Agronom Raphaël Witter. abspielen. Laufzeit 00:37 Minuten.
Aus News-Clip vom 15.09.2018.

Der Agronom Raphaël Witter steht mitten in einem Maisfeld am Nordrand der Stadt Zürich. Es ist kein normales Feld: mehrere Parzellen sind mit leichten Dächern abgedeckt, mit welchen der Agronom eine zehnwöchige Dürre simuliert hat. Entsprechend kümmerlich sehen die Maisstauden unter den Dächern aus.

Die Feldversuche laufen seit letztem Jahr. Getestet wird, wie sich Dürreperioden, die sich wegen des Klimawandels häufen dürften, auf verschiedene Ackerbausysteme (von biologisch bis konventionell) auswirken. Als Versuchspflanzen wurden neben Mais auch Erbsen der Trockenheit ausgesetzt.

Zwei Maiskolben in einer Hand, der eine ist kleiner
Legende: Der kleinere Maiskolben ist an einer Maisstaude gewachsen, welche den Sommer hindurch zu wenig Wasser bekommen hat. SRF

Erste Zwischenresultate zeigen nun, dass bei einer Halbierung der Regenmenge mit Ernteausfällen von 20 bis 30 Prozent zur rechnen ist. Das gelte für alle Anbaumethoden, sagt Agronom Wittwer. Der Ertragsverlust ist also auf Feldern, die stark gedüngt wurden, etwa gleich gross wie auf Biofeldern.

Wittwer sagt, dass Kartoffeln und Zuckerrüben besonders anfällig seien auf lange, sommerliche Trockenphasen. Denn sie brauchen in den heissen Monaten Wasser zum Wachsen. Weniger schwer hätten es dagegen Winterkulturen wie Winterweizen oder Raps. Diese könnten die Wasservorräte nutzen, die sich über den Winter im Boden ansammeln.

Klimawandel bietet auch Chancen

Der Agronom mag nicht schwarzmalen. Er betont, dass sich ein verändertes Klima nicht nur negativ auf den Ackerbau auswirken muss. Steigende Temperaturen und eine höhere CO2-Konzentration würden das Pflanzenwachstum begünstigen. Zudem könnten neue Anbauregionen, vor allem in höheren Lagen, erschlossen werden.

Wittwer vermutet zwar, dass die Schweizer Bauern künftig vermehrt mit Ertragsschwankungen rechnen müssen. Aber er glaubt auch, dass sich die Landwirtschaft den neuen Klimabedingungen mit mehr Trockenperioden anpassen kann.

Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Ackerboden zu. Dieser müsse so beschaffen sein, dass er eine grosse Wasserspeicherkapazität habe. Zudem müssten Bauern auf Pflanzenarten ausweichen, die besser mit Trockenheit umgehen könnten, wie etwa die Hirse. Und für den Agronomen ganz wichtig: Die Landwirtschaft müsse sich breiter aufstellen. Denn eine einseitige Produktion sei prinzipiell anfälliger – auch auf Trockenheit.

Legende: Video Wie können Landwirte auf Dürre reagieren? abspielen. Laufzeit 01:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.09.2018.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller (PiMu)
    Hr. K. Schläpfer: Da haben Sie natürlich auch Recht. Die Grossverteiler und wir Kunden haben ebenfalls Schuld! Oft wandere ich nach der Ernte entlang der Felder, z.B. Rüebli: Ein Zwillingsrüebli wird aus der Erntemaschine geworfen - keiner würde es ja kaufen. Es ist so traurig. Doch wenn ich dann dieses Zwillingsrüebli für die Pferde (oder sogar für mich) vom geernteten Feld holen würde - stehle ich !! Alles einfach schizophren.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    @Hänseler: Mittlerweile sind soviel Kenntnis, Wissen und Fakten zusammen, was in der aktuellen industrialisierten und chemientensiven Agroindustrie schief läuft beisammen und genauso sind viele gelebte und gemachte Erfahrungen beieinander, dass es auch anders geht, dass es darum geht, das was dem Wohlergehen Aller dient, dazu gehört auch das satt werden, umzusetzten. Die industrielle Landwirtschaft verschleuert 70% der Ressourcen um zu 30% der Welternährung beizutragen. Das soll effizient sein?
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      So ein Blödsinn. Wer ernährt denn die Welt wenn die moderne Landwirtschaft nur 30% zur Welternährung beiträgt? Sie vergessen wohl, dass es auch bei uns vor Hundert Jahren noch Hungernöte gab. Erst mit den Fortschritten der so verteufelten modernen Landwirtschaft konnte die Ernährungssicherheit gewährleistet werden. Gute andere Beispiele mit hungernden Menschen gibt es Zuhauf. Da wird doch noch Landwirtschaft wie vor hundert Jahren betrieben.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Es gibt von der FAO und der ETC GROUP* sehr gutes und informatives Material dazu. Viele Menschen haben sich von der industriellen und kapitalschweren und Landwirtschaft an die Nase nehmen lassen, die wie so uns ein A für ein U vormachen wollen. Eben kein Blödsinn Herr Schläpfer ......*"Who Will Feed Us? The Peasant Food Web vs the Industrial Food Chain." Ob es dies auch auf Deutsch gibt, weiss ich nicht?
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Landwirtschaft findet von jeher in der Natur statt! Da muss sich die LW anpassen, wie schon immer. Vor allem aber muss die fehlgeleitete, industrialisierte Chemie-LW, endlich auf die "richtige Bahn" gebracht werden = verantwortungsvolle, umsichtig "nachhaltig öko-logisch vielfältige" LW, zum Erhalt der lebensnotwendigen (MENSCH) NATUR (Erde - Wasser - Luft)! Vergiftete, zerstörte NATUR = kein LEBEN für den Menschen!!
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