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Tarifsystem Tarmed Kommt bald der Stundenlohn für Ärzte?

Ab 1. Januar gelten die neuen Tarmed-Regeln. Ein Ende der Diskussionen um den Ärztetarif ist jedoch nicht in Sicht.

Legende: Audio Neue Regeln für Tarmed abspielen. Laufzeit 01:43 Minuten.
01:43 min, aus HeuteMorgen vom 29.12.2017.

Wer heute zum Arzt geht, bekommt danach eine komplizierte Rechnung nach Hause geschickt, auf der jeder einzelne Behandlungsschritt aufgelistet ist. So schreibt es das Tarifsystem Tarmed vor, bei dem die Ärzte ambulante Behandlungen – also Behandlungen, bei denen die Patienten am gleichen Tag wieder nach Hause gehen – anhand von 4700 einzelnen Tarifen abrechnen.

Für dieses Tarifsystem gilt ab dem 1. Januar ein ganzer Katalog von neuen Regeln. Das hat Gesundheitsminister Alain Berset entschieden. Lange wird dieser Katalog aber nicht gelten: Die Anpassungen sind eine Übergangslösung, bis sich die Tarifpartner auf eine Gesamtrevision einigen können. Sowohl die Ärztegesellschaft FMH als auch der Nationalrat schlagen Änderungen vor.

Der FMH-Vorschlag: nur noch 2000 Tarife

Urs Stoffel
Legende: Will weniger Einzeltarife: FMH-Vorstandsmitglied Urs Stoffel. Keystone

FMH-Vorstandsmitglied Urs Stoffel setzt auf Reduktion. «Wir haben sehr viele Positionen eliminiert und zusammengefasst und wir haben versucht, eine Vereinfachung in den Tarif zu bringen», sagt er. In Zukunft soll es nur noch 2000 Einzeltarife statt wie bisher 4700 geben. Diese Tarife sollen einfacher zu Pauschalen zusammengenommen werden können. Das entspricht in groben Zügen auch dem, was die Krankenkassen wollen.

Die Forderung aus dem Nationalrat: Stundenlohn für Ärzte

Gleichzeitig diskutiert die Politik eine noch radikalere Variante. Die Mehrheit des Nationalrats will den Tarmed-Tarif nicht nur anpassen, sondern gleich ganz abschaffen.

Thomas de Courten
Legende: Will einen Ärzte-Stundenlohn: SVP-Nationalrat Thomas de Courten. Keystone

Das Parlament hat den Bundesrat deshalb beauftragt, zu prüfen ob Ärzte mit einem Stundenlohn bezahlt werden können. Den entsprechenden Vorstoss eingereicht hat SVP-Nationalrat Thomas de Courten.

So wie ein Anwalt oder ein Handwerker im Stundenlohn bezahlt werde, könne es auch bei den Ärzten funktionieren, sagt er: «Es ist ein ganz simples und weit verbreitetes System. Vor allem ist für den Endkunden, den Patienten, auch nachvollziehbar, was er verrechnet bekommt.»

Ob Stundenansätze, Pauschalen, Einzelleistungen oder einer Mischform von alledem – den perfekten Tarif gibt es wohl nicht. Darum dauert das Seilziehen der Tarifpartner schon so lange an. Einig sind sich die verschiedenen Akteure zumindest darin, dass der jetzige Tarif angepasst werden muss.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von René Lüthi (Ron)
    Ich will als Patient verbindlich wissen , was, wieso, welchen Preis hat. So werden Bertüger dann automatisch entlarvt. Und zwar so erklärt, dass es ein 10- jähriger versteht. So liebe Politiker, machen sie gefälligst ihren Job, denn ich bezahle ihren Lohn! Punt, aus, ende!
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    1. Antwort von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
      Grundsätzlich bin ich einvstanden. Was machen Sie aber, wenn Sie einen Tumor haben, die Behandlung dann halt nicht nach Standart abläuft? Oder Sie die Operationsaufklärumg nicht auf Anhieb verstehen und Zusatzinfos wünschen? Oder eine Fraktur der Elle nahe dem Handgelenk? Oder nach einer Operation eine Komplikation eintritt, z.B. ein Wundinfekt? Oder was machen Sie, wenn Sie an einer Depression oder einer Schizophrenie erkranken und das Finden der Medikation schwierig ist?
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Was ich dann machen würde,nochmals Ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es sich um eine komplizierte Erkrankung handelt. Und die bekommt Jeder bei uns.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Das wäre der grösste Blödsinn. Denn dann würden die Ärzte einfach mehr Stunden aufschreiben, als sie tatsächlich für die Patienten aufwenden. Die wissen schon, wie sie trotz allem zu ihrer Kohle kommen. Jedenfalls wird man heute nicht mehr aus Idealismus und zum Wohl der kranken Menschen Arzt!!!
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    1. Antwort von Daniela Zuber (DaZu)
      Sie haben wohl das Gefühl, Arzt sein ist ein „Schoggijob“? Sie haben ja keine Ahnung wieviel die arbeiten! Glaube kaum, dass man Arzt wird nur wegen der „Kohle“. Da gäbe es andere Jobs die wesentlich weniger streng wären zu hohem Lohn! Ich war MPA, ich weiss was Ärzte leisten. Auch der hohe Verantwortungsdruck ect...glaube kaum, dass Sie mit Ärzten tauschen wollen! Die Pharmaindustrie sollte man da ebenfalls mal zu Kasse bitten!
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      aber wenn man die komplizierte Abrechnung mal genau ansieht merkt man auch, dass schon heute mehr Zeit angerechnet wird. Immer im 5 Minuten Takt. zählen Sie das mal zusammen .Zu der wirklichen Zeit kommt noch Zeit für Vorinformation und Zeit zum Eintrag evtl. Neuer Ergebnisse. Das muss auch sein.
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    3. Antwort von Henriette Rub (ehb)
      Frau Zelger, sie könnten ja ganz einfach die Zeit aufschreiben, die sie beim Artz verbracht haben. Mit den heutigen, elektronischen Medien kann das nicht so schwer sein. Aber eben, Keiner hat Lust, selber etwas zu leisten, damit Rechnungen auch überprüft werden.
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    4. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber immer mehr Ärzte beklagen (zu recht) dass ihnen von den Krankenkassen immer weniger Zeit für ihre Patienten zugebilligt wird, sie ihre Patienten in 20 Min. abfertigen müssen. Patientenabfertigung wie am Fliessband. Und Frau Zelger, meine, dass Hausärzte & allgemein Mediziner ziemlich sicher noch aus Idealismus Ärzte werden. Vielleicht ist es bei den vielen Spezialisten mittlerweile nicht mehr so. Aber wir "Konsumenten" wollen ja immer gleich zu Spezialisten. Nachfrage = Angebot.
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    5. Antwort von René Balli (René Balli)
      Geht nicht, Frau Rub! Die Ärzte verbringen nur einen Teil der bezahlten Zeit mit den Patienten.
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  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler)
    Ich habe schon seit Jahren geschrieben, das das Tarmed - Tarifsystem ein " Rohrkrepierer " war, immerhin will man jetzt die Tarifpositionen auf 2000 Positionen zusammen kürzen, ob ich das noch erlebe stelle ich ein grosses Fragezeichen. Ich bin überzeugt das zu viele Akteure daran Geld verdienen, nur etwas muss man machen, weil es über kurz oder lang, nicht mehr bezahlbar wird sein. Ob ein Stundenlohn für Aerzte/innen kommt fliesst noch viel Wasser den Rhein herunter.
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