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Tiefenlager in Grenznähe «Unsere Interessen sollen auch berücksichtigt werden»

Legende: Audio Landrat Martin Kistler: «Wer die Last trägt, ist auch zu beteiligen» abspielen. Laufzeit 02:52 Minuten.
02:52 min, aus HeuteMorgen vom 23.11.2018.

Alle drei Standorte, die in der Schweiz für die Endlagerung von radioaktivem Abfall in Frage kommen, liegen in der Nähe der deutschen Grenze. Der Bundesrat hat diese Standorte gestern bestätigt. In Deutschland hat man daran keine Freude. Man wolle in dieser Sache auf Augenhöhe mitdiskutieren, sagt der oberste Kommunalbeamte im Landkreis Waldshut, Martin Kistler.

Martin Kistler

Martin Kistler

Landrat

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Martin Kistler ist seit September 2014 Landrat des Landkreises Waldshut in Baden-Württemberg. Der Jurist war im Jahr 2015 zudem Präsident der Hochrheinkommission.

SRF News: Es geht um mögliche Standorte für die Endlagerung von Schweizer Atommüll. Entsprechend sollte nur die Schweiz die alleinige Entscheidungskompetenz darüber haben, wo diese Standorte liegen – oder?

Martin Kistler: Wenn Sie eine Lagerung unmittelbar an der Grenze planen, und wenn ein vorgeschlagener Oberflächenstandort 700 Meter Luftlinie von unserer deutschen Ortschaft Hohentengen entfernt ist, dann ist es ein internationales, grenzüberschreitendes Thema. Ich bin der Auffassung, wenn eine Region diese Last tragen soll, dann ist auch die Region insgesamt an dem Prozess zu beteiligen.

Die Schweiz ist ein kleines Land. Jeder Standort wäre relativ nahe an einer Grenze. Muss die Schweiz die eigenen Interessen nicht höher gewichten?

Man kann seine Interessen gut vertreten, ich habe da für die Schweizer auch viel Verständnis. Ich sage das jetzt und habe das auch immer vertreten: Wenn die sicherste Lagerung der Abfälle halt nur in der Nähe unserer Grenze sein kann, dann werden wir dies am Ende des Tages auch akzeptieren müssen.

Aber wir haben schon das Verlangen – und ich meine, das ist sehr berechtigt –, dass unsere Interessen in diesem Zusammenhang auch berücksichtigt werden sollen. Denn wir sind in diesem Prozess von den Auswirkungen in vergleichbarer Weise betroffen. Die Schweiz hat ja in dem Verfahren durchaus auch Ansätze gefunden, wie das passieren soll, und uns auch Verbesserungen zugesagt.

Der Bundesrat hat bestätigt, dass alle drei möglichen Standorte für ein Tiefenlager nahe an Ihrer Grenze liegen. Was unternehmen Sie jetzt?

Wir werden uns an dem Sachplanverfahren auch weiterhin konstruktiv beteiligen, wie wir das bisher auch schon getan haben, und wir werden unsere Stellungnahmen einbringen. Umgekehrt sind die vorgeschlagenen Standorte für die Oberflächenanlagen ein Thema, das uns weiterhin beschäftigen wird.

Bei den Oberflächenanlagen werden wir uns dafür einsetzen, dass die Standortvorschläge einer Revision unterzogen werden.

Wir sind der Auffassung, dass es nicht notwendig ist, dass man dieses zusätzliche Risiko für das Grundwasser in Kauf nimmt. Und auch da werden wir uns nochmals dafür einsetzen, dass diese Standortvorschläge einer Revision unterzogen werden.

Das Gespräch führte Raphaël Günther.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Wilde (Harald Wilde)
    Der Bau von Atomanlagen in Grenznähe hat Tradition, bietet dem Kernland aber nicht mehr als eine trügerische Sicherheit, da der Wind nicht zuverlässig in Richtung Nachbarland weht. Im Interesse aller Beteiligten sollte daher nach Lösungen gesucht werden, die uns alle in Sicherheit leben lassen.
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    1. Antwort von Jürg Brauchli (Rondra)
      Als ob man nach Windrichtung bauen würde...
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  • Kommentar von Ernst von Allmen (MEVA)
    Ein bischen Arrogant Nachbar. In Augenhöhe diskutieren, aber auf Fusshöhe mit finanzieren. Aber warum sich aufregen? Wenn nötig werden ab dem 25 Noveber fremde Richter den Deutschen recht geben
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  • Kommentar von Ernst von Allmen (MEVA)
    Ein Bischen zu arrogant, mitreden ohne zu bezahlen, und das noch auf Augenhöhe. Das ist nahe der Frechheit. Deutschland hat uns während der Finanz Affäre mehrmals beleidigt, und Punkto Flughafen Zürich waren sie nich für gut Nachbarliche Gespräche bereit. Hoffentlich zeigtet Bundesrat hätte und weis die Deutschen hinter her Grenze. Aber warum lange diskutieren? Letzen Endes werden die Fremden Richter sicher nicht gegen die EU entscheiden.
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