- Rund 800 Menschen haben am Samstag in Lausanne an einem Schweigemarsch für den tödlich verunfallten 17-Jährigen Marvin teilgenommen.
- Dieser war vor einer Woche auf der Flucht vor der Polizei auf einem Roller ums Leben gekommen.
«Danke, dass ihr friedlich marschiert», sagte der Onkel des jungen Mannes über das Mikrofon, bevor sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte. Dieser führte vom Viertel Borde zum Unfallort im Stadtteil Prélaz.
Die Teilnehmenden – unter ihnen viele Jugendliche – waren weiss gekleidet und trugen T-Shirts mit einem Foto des Verstorbenen. Einige hielten Schilder mit der Aufschrift «Ich liebe dich, kleiner Bruder» oder «Die Zeit wird dein Lächeln nie auslöschen» in die Höhe.
Friedlicher Kontrapunkt
«Es ist ein Kontrapunkt zu dem, was wir Anfang Woche erlebt haben», sagt SRF-Korrespondent Philippe Reichen vor Ort. Es sei sehr still gewesen, sagt Reichen weiter. Alles sei friedlich verlaufen und die Polizei sei nur sehr spärlich präsent gewesen.
Vor der Grabkapelle von Saint-Roch, wo die Leiche des Teenagers aufgebahrt ist, legten die Teilnehmer eine Schweigeminute ein und gingen dann friedlich zur Mauer in Prélaz, dem Schauplatz des Unfalls, wo sie ihm die letzte Ehre erwiesen.
Ausschreitungen und Sachbeschädigungen
Der 17-jährige Schweizer mit Wohnsitz in Lausanne war auf der Flucht vor einer Polizeipatrouille mit einem Roller heftig gegen eine Mauer geprallt und dabei um Leben gekommen. Der Roller war als gestohlen gemeldet, wie die Waadtländer Kantonspolizei später mitteilte.
Danach kam es im Stadtteil Prélaz während zwei Nächten zu Ausschreitungen. Zwischen 100 und 200 Menschen versammelten sich an beiden Abenden in der Nähe des Unfallortes.
Es kam zu Sachbeschädigungen, Mülltonnen wurden in Brand gesetzt, und die Polizei wurde unter anderem mit pyrotechnischen Gegenständen beworfen. Die Polizei reagierte mit Tränengas und setzte einen Wasserwerfer ein. Verletzte gab es laut Polizeiangaben nicht.
Erste Erkenntnisse veröffentlicht
Aufgrund der angespannten Lage in Lausanne veröffentlichte die Waadtländer Staatsanwaltschaft bereits am Dienstag erste Erkenntnisse der Ermittlungen zum Unfallhergang. Demnach geht sie davon aus, dass der Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.
Das Polizeiauto habe ihn gemäss Zeugenaussagen in «erheblichem Abstand» verfolgt. Es habe zum Zeitpunkt des Unfalls keinen Kontakt zwischen den beiden Fahrzeugen gegeben. Zudem habe der jugendliche Rollerfahrer einen Helm getragen, hiess es.