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Trockenheit auf dem Acker «Es könnte zu einer Katastrophe werden»

Legende: Audio «Wir hatten grosse Hoffnungen, dass Regen fällt» abspielen. Laufzeit 03:35 Minuten.
03:35 min, aus HeuteMorgen vom 31.07.2018.

Anhaltende Trockenheit hat auch Auswirkungen auf die Äcker: Bauernverbandspräsident Markus Ritter macht sich Sorgen um den Mais und die diesjährige Kartoffelernte.

Markus Ritter

Markus Ritter

Präsident Schweizer Bauernverband

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Der St. Galler Markus Ritter ist Nationalrat (CVP) und präsidiert seit 2012 den Schweizer Bauernverband.

SRF News: Markus Ritter, im Moment stöhnt alles über die Hitze. Wie schlimm ist es für die Bauern?

Markus Ritter: Grundsätzlich haben wir Freude an schönem Wetter. Das Problem ist die extreme Trockenheit. In der Ostschweiz hatten wir seit 150 Jahren nicht mehr so wenig Niederschlag. Und das wächst jetzt nicht nur zu einer schwierigen Situation heran, sondern könnte zu einer Katastrophe werden. Und hier machen wir uns erhebliche Sorgen.

Sie bauern im Rheintal in der Ostschweiz. Was bedeuten die hohen Temperaturen und die lange Trockenperiode für Ihren Hof?

Auf sämtlichen Flächen am Berg wächst praktisch kein Futter mehr. Am Tag liegen sämtliche Pflanzen, die noch grün sind, am Boden, und ich erwarte hier die nächsten Wochen keinen Futterertrag mehr. Überall, wo es ein wenig steil ist, sind die Freiflächen braun. Da wird bis im Herbst nicht mehr viel wachsen.

Ausgetrocknetes Gemüsebeet
Legende: Ernteausfälle bei Gemüse sind aufgrund der Trockenheit und Hitze wahrscheinlich. Keystone

Der Schaden hält sich also im Moment in Grenzen, aber wird es schlimmer, wenn es noch lange nicht regnet?

Das ist unsere Befürchtung. Wir hatten grosse Hoffnungen, dass über das Wochenende flächendeckend Regen fällt. Bei uns hat es drei Millimeter, also praktisch nichts geregnet. Wenn es nicht zu regnen beginnt und es weiterhin so heiss bleibt, werden die Schäden sehr schnell zunehmen. Neben den Naturwiesen wird auch auf den Kunstwiesen nichts mehr wachsen.

Wenn es im Boden so heiss und trocken ist, besteht bei den Kartoffeln die Gefahr, dass sie bereits die nächste Generation bilden.

Ich mache mir Sorgen um den Mais, auf den trockenen und sandigen Böden kann es sogar zu dorren beginnen. Bei den Kartoffeln besteht die Gefahr, dass sie bereits die nächste Generation bilden, wenn es im Boden so heiss und trocken ist. Dass wir kein Wasser zur Bewässerung mehr haben, weil die Gewässer weiter zurückgehen und die Wasserentnahme verboten wird, stellt gerade für die heiklen Spezialkulturen ein Risiko dar. Und dann steigen die Schäden sehr schnell an.

Hand greift nach Äpfeln
Legende: «Beim Obstbau kann es schwierig werden, wenn es zu trocken wird.» Keystone

Ernte-Einbussen sind möglich. Aber wird dafür gerade bei Obst und Gemüse die Qualität nicht ausgezeichnet sein?

Reben beispielsweise wurzeln sehr tief, haben teilweise auch sehr alte Stöcke und können mit Trockenheiten gut umgehen. Beim Obstbau kann es aber schwierig werden, wenn es zu trocken wird. Ein vorzeitiger Fruchtfall oder Notreife ist denkbar, wenn die Bäume kein Wasser mehr haben. Bei den Reben kann man sich auf einen guten Jahrgang freuen, aber mit den meisten Kulturen haben wir nur Probleme, wenn kein Wasser mehr oder viel zu wenig zur Verfügung steht.

Das Gespräch führte Max Akermann.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Schär (Nachdenklich)
    Was kann ich tun: Auto nicht waschen. Nur kurz duschen. Bei Hitzegefühl 1 Kübel mit kaltem Wasser und Füsse immer wieder runterkühlen, Wasser nicht sofort wechseln und später für Pflanzen benutzen oder für die Toilette. Gemüse in grossem Behälter waschen und danach für Pflanzen oder die Toilette benutzen. Hände über einem Behälter waschen und Wasser den Pflanzen im Garten geben oder für die Toilette. Bei freistehendem Toiletten-Spülkasten diesen entfernen und nach dem Spülen Wasser einfüllen.Usw
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  • Kommentar von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Empfehlung, frisch auf Youtube: Vortrag von Prof. Harald Lesch zum Thema Klimawandel und dem Umgang unserer Gesellschaft damit. Titel: "Warum wir nicht tun was wir tun sollten". Klimawandel wird von vielen Entscheidungsträgern völlig kontrafaktisch zur Glaubensfrage degradiert. Experten, die sich bereits ihr gesamtes Leben mit Klimafragen befassen, wie beispielsweise Mojib Latif, schütteln nur noch resigniert den Kopf.
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  • Kommentar von B. Häfeli (xxx)
    Ein weiteres Jahr in Folge mit hohen Temperaturen, dazu geringe Niederschläge. Die Klimaerwärmung ist spürbarer denn je. Jedoch beeindruckt das weder Politik noch Gesellschaft. Anscheinend ist der Leidensdruck noch zu gering für ein proaktives Handeln.
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