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Trockenheit in der Schweiz Die Folgen sind weniger schlimm als befürchtet

Heisser Sommer, trockener Herbst – die Folgen sind in Gewässern deutlich sichtbar, Landwirte geben aber Entwarnung.

Legende: Audio Bilanz der Trockenheit nach dem Hitzesommer abspielen. Laufzeit 01:45 Minuten.
01:45 min, aus HeuteMorgen vom 23.10.2018.

Der Lac des Brenets im Waadtländer Jura ist praktisch trocken. Seit September fiel sein Wasserstand jeden Tag um 16 Zentimeter. Das ist ein Extrembeispiel, doch die Wassersituation in den meisten Gewässern der Schweiz sei aussergewöhnlich, sagt die Hydrologin Edith Oosenbrug vom Bundesamt für Umwelt: «Die Abflüsse und Wasserstände sind stark unterdurchschnittlich – in einem Bereich, der statistisch gesehen so alle 10 bis 20 Jahre beobachtet wird.»

Die Abflüsse und Wasserstände sind stark unterdurchschnittlich – in einem Bereich, der statistisch gesehen so alle 10 bis 20 Jahre beobachtet wird.
Autor: Edith OosenbrugBundesamt für Umwelt

Die Situation sei mit jener im Hitzesommer 2003 vergleichbar. Jetzt kommt aber noch ein viel zu trockener Herbst dazu. In den Regionen Bern und Basel ist diesen Monat weniger als 2 Millimeter Regen gefallen, statt der üblichen 70 bis 90 Millimetern.

Der Lac de Brelet
Legende: Der Wasserpegel des Lac des Brenets in der Waadt fällt täglich um 16 Zentimeter. Keystone/Archiv

Kritische Lage auf der Alpennordseite

An zahlreichen Orten auf der Alpennordseite führt das zu kritischen Situationen, wie Daniela Schmuki von SRF Meteo an einem Beispiel aus der Zentralschweiz aufzeigt: «Beim Gasthaus Michelskreuz ist die Quelle seit Monaten schon versiegt.» Das Wasser müsse dort «mühsam auf den Hügel transportiert werden».

Für die Betroffenen ist das umständlich und teuer. Gesamtschweizerisch aber sei die Lage weniger dramatisch, als es den Anschein mache, betont die Wasserexpertin Oosenbrug – und das, obwohl auch der Grundwasserpegel aussergewöhnlich tief sei: «Lokal kann es in der Wasserversorgung zu Engpässen kommen. An den meisten Orten gibt es aber Verbundlösungen, wo von Gemeinde zu Gemeinde ausgeholfen werden kann.»

Selbst aus der Landwirtschaft, wo noch im Sommer grosse Ernteausfälle befürchtet wurden, kommt heute eher Entwarnung. Zwar sei der Heuet mager ausgefallen und viele Bauern müssten Winterfutter importieren, heisst es beim Schweizerischen Bauernverband, aber die Gemüse- und Obsternten seien sehr gut gewesen, jene von Kartoffeln und Getreide besser als erwartet. Möglicherweise hätten die kühlen Nächte mit viel Tau den fehlenden Regen etwas ausgeglichen.

Speicherkapazität muss ausgebaut werden

Wegen des Klimawandels rechnet Oosenbrug in Zukunft mit häufigeren Trockenperioden. Beim Bund und anderen Institutionen werde deshalb intensiv geforscht, wie man mit Wasserknappheit besser umgehen könne: «Es geht in die Richtung, dass man die Wasservorräte saisonal verteilen muss.» Das heisst, dass man im Winter, wenn mehr Wasser vorhanden ist, die Vorräte speichern und im Sommer nutzen kann.

Es geht in die Richtung, dass man die Wasservorräte saisonal verteilen muss.
Autor: Edith OosenbrugBundesamt für Umwelt

Speicherseen für die Wasserversorgung und nicht mehr nur für die Stromproduktion wird eine Konsequenz von weniger Regen und kleineren Gletschern sein. Die diesjährige Trockenperiode aber scheint bald überwunden zu sein. Ab Ende Woche rechnen die Meteorologen mit ersten, bescheidenen Regenfällen.

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