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Legende: Audio Es geht um ein Identifikationszeichen der Stadt abspielen. Laufzeit 02:12 Minuten.
02:12 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.04.2019.
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Über die Identität einer Stadt «Es ist, als würde man einen Freund verlieren»

Ein Teil der Kathedrale Notre-Dame von Paris ist abgebrannt. Das historische Wahrzeichen stellte für die Bevölkerung ein Identifikationsmerkmal dar. Das war auch beim Brand der Kapellbrücke vor 26 Jahren in Luzern so. Der Luzerner Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner spricht über die Vergleichbarkeit und die Unterschiede der beiden Brandkatastrophen.

Jürg Rehsteiner

Jürg Rehsteiner

Stadtarchitekt von Luzern

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Rehsteiner leitet als Zürcher die Dienstabteilung Städtebau in Luzern. Diese Abteilung befasst sich mit der Gestalt der Stadt und ist zuständig für städtebauliche, architektonische, denkmalpflegerische sowie baurechtliche Fragen und Lösungen.

SRF News: Wie haben Sie reagiert, als Sie vom Brand in der Kathedrale Notre-Dame de Paris gehört haben?

Jürg Rehsteiner: Ich bin erschrocken und mir sind sofort die Parallelen zu Luzern in den Sinn gekommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Moment in Paris bei der Bevölkerung ähnliche Reaktionen ablaufen wie sie damals in Luzern beobachtet werden konnten.

Die Bevölkerung identifiziert sich mit solchen Objekten.

Was löst so ein Brand bei der Stadtbevölkerung aus?

Denkmäler wie die Notre-Dame in Paris oder die Kapellbrücke in Luzern sind ganz wichtige Identifikationspunkte. Die Bevölkerung identifiziert sich mit solchen Objekten. Eine fast totale Beschädigung eines solchen Objekts durch einen Brand stellt einen unglaublichen Verlust dar. Das ist ähnlich, wie wenn man einen Freund verliert.

Wie wichtig ist es, dass so ein Wahrzeichen schnell wiederaufgebaut wird?

Es geht darum, der Bevölkerung diesen Identifikationspunkt zurückzugeben. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das in Paris etwas komplizierter wird als in Luzern.

In Paris war wahrscheinlich noch viel mehr von der alten Bausubstanz vorhanden.

Was sind die Unterschiede?

Die Kapellbrücke ist eine Holzbrücke und es gehört zu einer Holzbrücke, dass sie über die Jahrhunderte ständig unterhalten werden muss. Das heisst, Holzteile werden laufend ersetzt. In dem Sinn ist vielleicht nach vielen Jahrhunderten von der Originalsubstanz der Brücke gar nicht mehr viel vorhanden. Ich denke, in Paris ist das ein bisschen anders. Da war wahrscheinlich noch viel mehr von der alten Bausubstanz vorhanden.

In welcher Form sie jetzt beschädigt ist, respektive, in welcher Form sie wiederhergestellt werden kann, das wird sich zeigen müssen. Es ist ein viel ein grösseres Bauwerk, und es geht nicht nur um das Gebäude an sich, sondern eben auch um den künstlerischen Schmuck. Und da gibt es wieder eine Parallele zur Kapellbrücke. Die Holzbrücke konnte man wiederaufbauen, aber eben die Originalbilder, die konnte nicht wiederhergestellt werden. Die sind für immer verloren.

Das Gespräch führte David Karasek.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Häberli (Arthur Häberli)
    Wie sehr wir uns an sehr vergänglichen Dingen orientieren. Da lobe ich mir die Atomkraft. Da halten die Dinge zehntausende von Jahren. Es ist sehr bewundernswert, was da früher mal geschaffen wurde. Ohne Barcode, ohne Laser ohne CAD .. aber um so lächerlicher, was heutige Architektur (meistens) zustande bringt. Baut doch einfach Dinge die auch heute noch bewundernswert sind, dann verkraftet man auch mal einen Verlust. Dafür könnte man aufhören bestehendes mutwillig zu zerstören z.B. Damaskus
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    1. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Alles ist vergänglich oder veränderlich, seit sich Eva und Adam gegen Gott auflehnten. Betrachtet man die Geschehnisse der Menschheit, sind die Menschen die grössten Übeltäter.
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  • Kommentar von Roger Gasser (allesrotscher)
    Macron hat flug's versprochen die Kirche wieder aufzubauen, ohne die Pariser/Franzosen zu Fragen ob sie dafür so viel Geld ausgeben wollen. Pure Selbstüberschätzung !!!
    Es kommt mir vor als ob man das Trauern über einen Verlust nicht zulassen will. Tote sind tot und man kann sie nicht wieder lebendig machen. Kirchen auch nicht. Was passiert ist nicht einfach nur Pech sondern oft ein Zeichen. Z.B. dafür dass alles vergänglich ist, man sein Herz nicht zu sehr an materielle Dinge hängen soll.
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Das Bild von der Luzerner Kapellbrücke weckt bei mir die ungute Assoziation von den Gesängen gewisser Hooligänserichen des FC Basel: "Es kommt die Zeit, in der die Brücke wieder brennt." Ich hoffe sehr, dass sich der Anhang künftiger Gegner von Paris Saint-Germain nicht als ähnlich geschmack- und gefühllos erweist!
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