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Französische Banditen überfallen Schweizer Waffengeschäfte
Aus News-Clip vom 20.04.2021.
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Überfälle auf Waffengeschäfte Französische Banditen auf Beutezug in der Schweiz

Banden aus Lyon decken sich in der Schweiz mit Waffen ein. Die Banditen agieren professionell und skrupellos.

Dezember 2019, 10 Uhr nachts. Jean Castelli, Mitarbeiter eines Westschweizer Waffenhändlers, ist auf dem Rückweg von einer Weihnachtsfeier in Frankreich, als ihn eine vermeintliche Polizeistreife zum Halten auffordert. Castelli fährt rechts ran, vier bewaffnete Uniformierte eilen auf ihn zu, legen ihn in Handschellen. Die Männer verbinden ihm die Augen, stülpen ihm eine Kapuze über. «Sie sagten zu mir: Wir wollen Waffen und wir wissen, dass du in einem Waffengeschäft arbeitest. Du gibst uns jetzt die Schlüssel und den Code.»

Die Täter sind genau im Bild: Sie kennen Castellis Gewohnheiten, sie kennen den Betrieb. Sie wirken ruhig und sehr gut vorbereitet, erinnert sich Castelli. Weil die Banditen einer Patrouille von Grenzwächtern begegnen, scheitert die Tat. Die Entführer fliehen, nach acht Stunden kommt Castelli frei: Mitten im Wald wird ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, dann lassen ihn die Täter zurück. Sein Auto nutzen sie als Fluchtwagen, den sie später in Brand stecken.

Waffen für den Schwarzmarkt

Letzten Monat konnte dank internationaler Fahndung eine Bande von Waffenschiebern in Lyon festgenommen werden. Hunderte von Waffen aus Schweizer Geschäften, Geld und Drogen wurden von der Gendarmerie sichergestellt. Dabei wurde auch klar: Die Banditen sind in der Schweiz keine Unbekannten. «Es handelt sich um Personen aus dem Raum Lyon, die in der Schweiz schon früher negativ aufgefallen sind,» sagt Adrian Gaugler, Sprecher der Kantonspolizei Baselland.

In den letzten Jahren überfielen Verbrecher aus Lyon wiederholt Geldtransporter, Wechselstuben und Banken in der Schweiz. Nun sind diese Banden dazu übergegangen, sich in der Schweiz auch Waffen zu beschaffen. Die Rundschau konnte mit einem Verbrecher aus Lyon sprechen. Er erklärt: Die Waffen werden im Drogenhandel und für Raubüberfälle gebraucht. Darüber hinaus seien Sturmgewehre aber auch eine Beute, die sich gut verkaufen lasse. Ein Gewehr koste auf dem Schwarzmarkt schnell mal 2000 Euro, eine Pistole 1000 Euro.

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Büchsenmacher Jean-Paul Schild: «Wenn eine Waffe in die falschen Hände gerät, wird sie sicher nicht für legale Zwecke genutzt.»
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Um an die Waffen zu kommen, gehen die Banditen mit grosser Gewalt vor. Sie entführen, sie legen Feuer und sie schiessen. So geschehen in Wallbach (AG). Ende Oktober tauchen sechs Banditen in zwei Autos mit Blaulicht vor einem Waffengeschäft auf. Es kommt zu einem dramatischen Schusswechsel mit dem Waffenhändler. «Wir haben 17 Einschüsse in der Wand, sieben ins Schlafzimmer, mehrere im Dach. Es war eine massive Schussabgabe», erzählt der Büchsenmacher Jean-Paul Schild. Einer der Angreifer wird bei dem Schusswechsel verletzt. Die Täter ergreifen die Flucht.

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Christoph Borer, Geschäftsführer Munitionsdepot: «Scheinbar sind vier Einbrüche und eine Geiselnahme noch immer kein Bedürfnis für einen Waffentragschein.»
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Die Vorfälle verunsichern die Schweizer Waffenhändler. Inzwischen haben viele aufgerüstet und den Schutz ihrer Geschäfte verstärkt. Ob das reicht? Christoph Borers Waffengeschäft in Laufental (BL) wurde bereits viermal zum Ziel der Banditen. Er versteht nicht, warum Waffenhändler keine Waffen tragen dürfen: «Es heisst zwar, nach Bedürfnis würden Tragscheine ausgestellt. Aber scheinbar sind vier Einbrüche und eine Geiselnahme noch immer kein Bedürfnis für einen Waffentragschein.»

Seit den Festnahmen im März ist es ruhig. Wie lange diese Ruhe hält, weiss niemand.

Neue Sicherheitsvorgaben für Waffengeschäfte

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Die Serie von Einbrüchen und Überfällen auf Waffengeschäfte und ihre Angestellten beschäftigt auch die Politik: Die Bundesbehörden arbeiten an neuen Mindest-Anforderungen an die Sicherheitsmassnahmen von Waffenhandlungen. Laut Bundesamt für Polizei sollen die neuen Sicherheitsvorgaben bis Ende Jahr vorliegen. In Kürze wird der Bundesrat auch zur Frage Stellung nehmen müssen, ob Angestellte und Inhaber von Waffenhandlungen einfacher eine Waffentragbewilligung erhalten sollen. Ein SVP-Parlamentarier hat im Parlament einen entsprechenden Vorstoss eingereicht.

«Rundschau»

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«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

SRF Rundschau, 21.04.2021, 20:05 Uhr

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Die schöne grenzenlose EU-Welt lässt grüssen…
  • Kommentar von Leo Degelo  (Leo Degelo)
    Naja, mein Problem liegt darin, dass mein Nachbar, der so ein Ding in seinem Garten aufstellen will, mir sehr genau aufzeigen konnte, von wo er so Geschosse auftreiben könnte. Natürlich nicht legal, aber einfach! Können sie sich vorstellen, dass da ein ausbetonierter Lauf als Nachbar, schon ziemlich beruhigend wär? So zum Thema entschärft? Übrigens, in der Baubewilligung zielt das Rohr in meine Richtung.
  • Kommentar von Leo Degelo  (Leo Degelo)
    In der Schweiz sind zwar tragbare Waffen reglementiert, aber Kanonen, Haubitzen, Panzer, etc. sind nicht reglementiert!
    Das bedeutet: jeder in der Schweiz kann sich so ein Ding im Garten hinstellen mit einer Baugenehmigung. Aber das Beste ist: die Waffen müssen NICHT ENTSCHÄRFT SEIN. Nur schon um Solothurn, stehen mindestens sechs, jederzeit und von Jedermann bedienbare Grosswaffen. Aber wie sagte der zuständige Polizist:"solange nichts passiert ist, haben wir keine Handhabe", Gute Nacht!
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Leider können Sie eine Waffe nicht entschärfen! Nur bei Bomben, Granaten oder Sprengladungen geht das. Soviel zu grundlegendem Verständnis.
      Offensichtlich ist ihnen entgangen, dass ohne die dafür spezifische Munition eine Waffe an sich im Sinne des Gebrauchs total wertlos ist. Und ja, Munition dazu kriegen Sie beim besten Willen nicht um die Ecke oder so ganz einfach im Internet. Sollten Sie die Idee haben, das Sonderfahrzeug vom Grundstück zu fahren, na ja dann brauchts Bewilligungen, viele!
    2. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Und wo ist jetzt das Problem Herr Degelo?