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Gehen wir das Ganze verkehrt an?
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 12.03.2021.
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Umgang mit Vögeln Krähen und Möwen sorgen im Aargau für Ärger – was tun?

In Kaiseraugst versucht man seit Jahren, 300 Krähen loszuwerden. In Mägenwil verärgern Möwen Angestellte.

Vögel sorgen in Wohngebieten in der Schweiz immer wieder für Unmut:

  • Im Aargau zum Beispiel in Kaiseraugst. Hier lassen sie sich 300 Krähen trotz Hightech-Massnahmen seit Jahren nicht verscheuchen.
  • Auch in Beinwil am See sorgen sie für Beschwerden. In Zofingen stört der Lärm und Kot der Krähen den Eingang zur Altstadt.
  • Im Kantonsspital Aarau stören die Krähen auf den Bäumen im Park des Spitals die Patienten und Angehörigen, die besonders in düsteren Stunden keine Freude haben an den pechschwarzen Tieren.
Möwen
Legende: Möven sind Schwarmbrüter. Sie seien natürlich eingewandert, sagt Erwin Osterwalder von Aargauer Abteilung Jagd. Keystone

Keine Krähen aber Mittelmeermöwen stören die Angestellten beim Denner-Verteilzentrum in Mägenwil, weil sie während des Nistens zu hunderten lärmen und den Lack der geparkten Autos beschädigen. Solche Geschichten gibt es nicht nur im Aargau, sondern schweizweit. Weshalb stören uns die Tiere denn so sehr?

Interesse statt Ärger

Psychologin Uta Maria Jürgens glaubt nicht, dass Krähen und Möwen nur stören. Sie plädiert denn auch für einen anderen Umgang mit den Tieren. Jürgens forscht am Institut für Wald, Schnee und Landschaft des Bundes an der Beziehung zwischen Mensch und Tier. «Man hört gerade in den Medien sehr oft die erbosten Anwohner. Es gibt aber auch viele, die sich still über die Tiere freuen», sagt sie. «Meine Frage war immer, wie man von politischer Seite zwischen den beiden menschlichen Lagern vermitteln und wie man dann das Verhältnis zwischen Rabenvogel und Mensch verbessern kann.»

Man hört gerade in den Medien sehr oft die erbosten Anwohner.
Autor: Uta Maria JürgensGastdoktorandin Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft

Einfacher gesagt als getan. Wer 300 Krähen vor der Haustür hört, möchte allenfalls nicht Vermittlung, sondern einfach Ruhe. Uta Maria Jürgens will beim Lärm differenzieren. Strassenlärm sei akzeptiert, weil man wisse, dass es Strassen brauche.

Statt sich über die intelligenten Krähen, die sich kaum verscheuchen lassen, zu ärgern, empfiehlt sie, sich für die Tiere zu interessieren: «Es gibt mehr und mehr Projekte mit Webcams. Dort sieht man das Brutnisten der Krähe, man sieht das Leben der Tiere.»

Video
Kaiseraugst will Krähen mit Drohne verscheuchen
Aus Schweiz aktuell vom 23.02.2021.
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Uta Maria Jürgens hat in ihrer norddeutschen Heimat Ascheberg vor ein paar Jahren ein Projekt ins Leben gerufen. Ein Krähenpfad machte die Tiere zu einer touristischen Attraktion. Das Projekt sei ein Erfolg gewesen, so Jürgens. Allerdings kamen die Krähen irgendwann nicht mehr. «Der Bürgermeister wollte wissen, wo die Krähen sind, wann denn seine Krähen wiederkämen», erinnert sie sich. Die Krähen waren vom Störfaktor zum willkommenen Tourismusmagnet mutiert.

Ob dieses Umdenken auch in Zofingen, Mägenwil oder Kaiseraugst helfen kann? Möglich wäre es. Im Kantonsspital Aarau hat man die Verscheuchungsversuche irgendwann aufgegeben. Wie im Beispiel aus Deutschland hat man die Krähen zur Attraktion gemacht: Es gibt für die Mitarbeiter die sogenannte «Flügellounge», ein Pausenraum, von wo man mit Feldstechern in die Nester der gefiederten Nachbarn schauen kann. Zudem werden alle Patienten mittels Flugblatt über die Krähen im Park informiert. Man setzt hier also eher auf ein Miteinander statt Kampfansagen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 14.03.2021, 17.30 Uhr;

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Pestizide reduzieren Zugvogel-Populationen. Untersucht wurde die Wirkung des Neonicotinoid-Insektizids Imidacloprid. Es vergiftet Pflanzen, welche danach von den Raupen gefressen werden. Das bekommt den Raupenfressern schlecht. Am schlechtesten geht es den Brutvögeln in der Schweiz im Kulturland, also in den Gebieten mit intensiver Landwirtschaft. Pestizide und Kunstdünger haben das Kulturland weitgehend biologisch entwertet für Vögel und Amphibien die Insekten selbst als Nahrung brauchen.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der zweitwichtigste Grund ist das Fehlen sicherer Brutplätze, in denen die Eltern die Jungen gefahrlos aufziehen können. Die Nester werden vom Traktor überfahren oder vom Kreiselmäher zerstört. Allen Vögeln fehlen in intensiv bewirtschafteten LW Hecken, Magerwiesen, Feuchtgebiete und alte Bäume. Oder die Wilderer, welche die Vögel auf ihrer Reise in den Süden zu Millionen gewaltsam vom Himmel holen, sowie die Fensterscheiben, an denen hierzulande Hunderttausende Vögel ihren Kopf einschlagen
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Weltweit gehen die Vogelbestände zurück. Die Vögel hungern, weil sie in der intensiv bewirtschafteten und vergifteten Landschaft keine Nahrung mehr finden. Die insektenfressenden Vögel sind im Kulturland in den letzten 26 Jahren um 60 Prozent zurückgegangen. Nach dem Insektensterben muss man auch vom Vogelsterben sprechen – beides hat eng miteinander zu tun. Auch andere Ursachen sind fatal: In der Schweiz leben zu viele Katzen. Sie töten jedes Jahr mehrere Millionen Vögel.