Birsfelden BL hat dicke Schlagzeilen gemacht mit einem Durchfahrtsverbot auf Gemeindestrassen, das überbordenden Stau-Ausweichverkehr ausbremsen soll: Seit September wird mit 100 Franken gebüsst, wer ohne Berechtigung innert weniger als 15 Minuten durch Wohnquartiere fährt. Gegen 30'000 Bussen wurden bis Ende Jahr verschickt, was fast drei Millionen Einnahmen entspricht.
Anfangs wurden bis 2000 Verstösse gegen das Verbot im Tag geahndet, zuletzt noch um die 70. Laut Gemeinderat hat der Verkehr in Birsfelder Quartieren so inzwischen um 25 Prozent nachgelassen. Dafür beklagen sich nun Anwohner des benachbarten Basler Lehenmattquartiers, dass die Autobahnstau-Ausweichenden vermehrt ihre Strassen verstopften.
30 Minuten für 2.5 km Stadtstrasse
Im Fokus ist vor allem die rund 2.5 Kilometer lange Birsstrasse in Basel, entlang des gleichnamigen Flusses. Für diese Strasse brauche man heute 20 bis 30 Minuten, sagt Stephan Flury, Präsident des Neutralen Quartiervereins Breite-Lehenmatt.
Das fängt an, sobald es auf der Autobahn leicht zu stocken beginnt.
Nadelöhr sei die Redingbrücke, wo Autos von den A2-Ausfahrten Muttenz und St. Jakob her im Stadtquartier zusammenträfen. «Das fängt an, sobald es auf der Autobahn leicht zu stocken beginnt.» Auch zwei Strassen weiter, neben dem Bethesda-Spital, rausche Kolonnenverkehr stadtwärts, sagt eine Passantin.
Das baselstädtische Baudepartement räumt zwar mehr Ausweichverkehr im Lehenmattquartier ein, erklärt die Verkehrszunahme aber nicht mit Birsfelden, sondern «primär» mit einer Grossbaustelle auf der A2 auf Stadtboden: Während der Sanierung der Osttangente seien zeitweise Fahrspuren gesperrt. Allerdings verzichtet der Stadtkanton, darauf die Fahrzeuge dort zu zählen, und auch spezielle Massnahmen gebe es keine.
Der Quartiervereinspräsident wünschte sich jedenfalls, dass Basel und Birsfelden das Verkehrsregime über die Kantonsgrenze zusammenlegen würden. Er könnte sich auch Lösungen mit Ampeln oder Sicherheitsdienstleuten vorstellen – Letztere hatten sich indes in Birsfelden nicht bewährt, weshalb die Gemeinde ihr Durchfahrtsverbot jetzt eben mit Kameras und automatischen Kontrollen durchsetzt.
Für Basel «denkbare Lösung»
Die Basler Regierung hat auf eine Frage aus dem Parlament immerhin festgehalten, dass sie das Birsfelder Regime für «grundsätzlich eine denkbare Lösung» halte. Sie behalte diese daher auch für das Stadtgebiet im Auge, wobei hier noch vertiefte Abklärungen nötig wären, und sie wolle Erfahrungen abwarten.
Handlungsbedarf gibt es so oder so: Auf der Birsstrasse bleibt auch der 36er-Linienbus in Richtung Badischer Bahnhof oft im Stau stecken. Wird seine Verspätung zum Fahrplan zu gross, werden betroffene Kurse dort eingekürzt, fahren also nicht zur Endstation weiter. Das Problem Birsstrasse ist indes für die Basler Verkehrsbetriebe nicht neu. Eine markante Verschärfung sei seit dem Start des Birsfelder Regimes nicht aufgefallen, heisst es auf Anfrage.