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Verwaltungsratspräsident Jean-Marc Lüthi nimmt Stellung: «Wir stehen nach wie vor hinter dem Klinikdirektor»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 23.02.2022.
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Unabhängige Untersuchung Kirschblütler beschäftigt: Psychiatriezentrum zieht Konsequenzen

  • Das Psychiatriezentrum Münsingen PZM leitet eine eigene unabhängige, externe Untersuchung ein.
  • Das Zentrum hatte drei Anhängerinnen der Kirschblüten-Gemeinschaft beschäftigt. Ob dabei Fehler passiert sind, sollen Fachpersonen nun überprüfen.
  • «Sollten die Abklärungen zeigen, dass Fehler passiert sind, wird das PZM die entsprechenden Lehren und Konsequenzen daraus ziehen», heisst es in einer Mitteilung.
  • Zudem zieht sich der ärztliche Direktor Thomas Reisch, der die Mitarbeiterinnen eingestellt haben soll, vorläufig zurück.

Fachpersonen ordnen die Therapieformen, die von Anhängerinnen und Anhängern der Kirschblüten-Gemeinschaft akzeptiert und praktiziert werden, als fachlich nicht anerkannt ein. Es handelt sich dabei beispielsweise um sexuelle Beziehungen zu Patientinnen und Patienten. Das Psychiatriezentrum Münsingen hat drei Frauen beschäftigt, die dieser Gemeinschaft angehören. Das warf Fragen auf. SRF berichtete.

Was ist die Kirschblüten-Gemeinschaft?

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Die Kirschblüten-Gemeinschaft wurde 1996 gegründet. In der Solothurner Gemeinde Lüsslingen-Nennigkofen leben laut eigenen Angaben rund 200 Personen, die sich zur Gemeinschaft zählen. Dies ist rund ein Fünftel der Dorfbevölkerung.

Im Dorf ist die Gemeinschaft nicht unumstritten. Für Sektenexpertinnen wie Susanne Schaaf von Infosekta gilt die Lüsslinger Gemeinschaft als «sektenhafte Gruppierung».

Gründer der Kirschblüten-Gemeinschaft war der 2017 verstorbene Psychiater Samuel Widmer. Die Gruppe lebt nach eigenen Regeln. In der Gemeinschaft geht es laut eigenen Angaben um Selbsterkenntnis zu den Fragen, wie jeder einzelne Mensch wirklich leben möchte und darum, «das Thema Sex, das für viele psychische Krankheiten verantwortlich ist, zu thematisieren und zu enttabuisieren, zum Beispiel mit der Tantrischen Therapie.»

Die Gemeinschaft propagiert beispielsweise freie Liebe und praktiziert Therapien mit Sex und Drogen. Der verstorbene Gründer Samuel Widmer hatte zwei Frauen und elf Kinder, und schrieb in seinen Büchern unter anderem gegen das Tabu des Inzests an. Die Kirschblüten-Gemeinschaft beschäftigte auch die Behörden. So wurde gegen Psychiater Samuel Widmer ermittelt, weil er bei Therapiesitzungen illegale Substanzen eingesetzt haben soll. Die Verfahren wurden eingestellt

Was wusste das Psychiatriezentrum Münsingen?

Das Psychiatriezentrum wusste von der privaten Verbindung der Frauen mit der Kirschblüten-Gemeinschaft, die im Kanton Solothurn beheimatet ist. PZM-Verwaltungsratspräsident Jean-Marc Lüthi betont: «Die Verbindung wurde bereits bei der Anstellung offengelegt und von uns thematisiert.»

Es seien klare Vereinbarungen getroffen worden, an welche sich die Mitarbeitenden halten mussten. «Sobald ein Fehlverhalten aufgetreten wäre, hätte das eine unmittelbare fristlose Kündigung zur Folge gehabt.» Die drei Personen arbeiten mittlerweile alle nicht mehr im PZM.

Untersuchung durch Fachpersonen

Es gäbe bisher keine Hinweise, dass es während der Beschäftigung der drei Mitarbeiterinnen zu Fehlverhalten gekommen sei. «Doch für uns ist es zentral, sämtliche Gesichtspunkte zu analysieren sowie, wenn nötig, die erforderlichen Konsequenzen daraus zu ziehen», sagt Verwaltungsratspräsident Jean-Marc Lüthi.

Der einzige richtige Weg ist, das unabhängig untersuchen zu lassen.
Autor: Jean-Marc Lüthi Verwaltungsratspräsident PZM

Deshalb beauftragt das Psychiatriezentrum am Mittwoch vier unabhängige Fachexperten damit, die Sache zu untersuchen. «Es gibt noch offene Fragen, die die Öffentlichkeit – zurecht – interessieren», so Lüthi gegenüber dem Regionaljournal Bern Freiburg Wallis von Radio SRF. «Wir wollen unbedingt das Vertrauen unserer Patientinnen und Patienten zurückgewinnen.»

Wie schadet die Affäre der Institution PZM?

Eigentlich wollte der Kanton Bern – als Alleinaktionärin des PZM – dieser Sache ebenfalls nachgehen. Das Psychiatriezentrum prescht nun selbst vor. Geht es darum, zu verhindern, dass die Institution grösseren Schaden nimmt? «Die in Auftrag gegebene Untersuchung wird zeigen, ob das PZM zurecht in der Kritik steht», sagt Verwaltungsratspräsident Lüthi. «Wir haben keine Zeit, die Untersuchung des Kantons abzuwarten. Deshalb machen wir vorwärts, damit wir uns wieder dem Kerngeschäft, den Patientinnen und Patienten, widmen können.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 23.02.2022, 12:03 Uhr

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