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Unerwünschte Telefon-Werbung Ausländisches Callcenter kapert Schweizer Privatnummer

Ein Callcenter ruft unter falscher Nummer an. Deren ahnungslose Besitzerin wird dann von den Belästigten beschimpft.

Legende: Audio Ausländisches Callcenter kapert Schweizer Privatnummer abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
04:32 min, aus Espresso vom 30.10.2017.

Angefangen hat es damit, dass die Frau selber von einem englischsprachigen Callcenter angerufen wurde. Kaum hatte sie aufgelegt, begann ihr Telefon im Minutentakt zu klingeln: «Da war eine Privatperson oder ein Geschäft dran und sagte, ich hätte versucht sie zu erreichen. Was ich denn wolle», erzählt die Frau im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso».

Ein weiterer Hörer erhielt vermeintlich einen Anruf von dieser Privatnummer. Weil der Anrufer Englisch sprach, vermutete er schnell, dass hier etwas nicht stimmen konnte: «Ich habe angenommen, dass das irgendeine Trickserei ist. Dass die eine Privatnummer gekapert haben.»

Internet-Telefone können Nummern vortäuschen

Richtig! Mit dem sogenanntem Spoofing lassen ausländische Callcenter dem Angerufenen eine unverdächtige Schweizer Privatnummer anzeigen. Dies ist bei modernen Internettelefonen technisch ein Kinderspiel. Zunächst waren dies Phantasienummern.

Immer häufiger sind es inzwischen aber geklaute Nummern von Privatpersonen. So nehmen auch Leute den Hörer ab, die Anrufe mit unterdrückten oder ausländischen Nummern abweisen. Zudem wollen die Callcenter mit dem Spoofing die Werbeanruf-Blocker der Telefonanbieter umgehen. An den Sterneintrag im Telefonbuch halten sich solche ausländischen Callcenter sowieso nicht.

Die «Espresso»-Hörerin erlebte als Spoofing-Opfer den vollen Telefonterror. Sie wurde mit Anrufen auf ihre gekaperte Nummer eingedeckt. Teilweise wurde sie von Unbekannten beschimpft. Ihre Leitung war durch Anrufe blockiert. Auch auf Facebook und auf dem Handy ihres Mannes meldeten sich Leute.

Am Schluss eine neue Nummer

Die Frau wusste sich nicht anders zu helfen, als keine Anrufe mehr anzunehmen und das Telefon auszustecken. Doch auch als sie es Stunden später wieder anschloss, ging der Telefonterror weiter. Sie erkundigte sich bei ihrem Telefonanbieter, welcher sagte, dass er bei Spoofing machtlos sei. Der Tipp abzuwarten, bis die Anrufe aufhörten, brachte nichts. Sie hörten nicht auf!

Am Schluss blieb der Hörerin nichts anderes übrig, als die Telefonnummer zu wechseln. Als erstes habe sie den Eintrag im Telefonverzeichnis sperren lassen, erzählt sie: «Ich hatte Angst, dass plötzlich jemand wütend vor der Haustür steht.» Dann habe sie eine neue Nummer beantragt. Auf einen Eintrag im Telefonverzeichnis werde sie in Zukunft verzichten. Natürlich musste sie ihr ganzes Umfeld – Freunde, den Arzt und so weiter – informieren, dass sie nun eine neue Nummer habe. Ein Riesenaufwand und -ärger!

Was machen die Behörden?

Der Bundesrat will das Gesetz ändern, um Spoofing zu unterbinden. Das Fernmeldegesetz und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sollen entsprechend geändert werden. Vorgesehen ist ein Artikel, dass unlauter handle, wer: «Werbeanrufe tätigt, ohne dass eine Rufnummer angezeigt wird, die im Telefonverzeichnis eingetragen ist und zu deren Nutzung er berechtigt ist.» Die Vorlage kommt nun ins Parlament.

Für Konsumentenorganisationen ist die Gesetzesänderung ein Schritt in die richtige Richtung. Ihr Nutzen ist jedoch umstritten. Denn die vorgeschlagene Regelung hat einen Haken: Im Kampf gegen ausländische Callcenter sitzen die Schweizer Behörden häufig am kürzeren Hebel. Sie kommen schon gar nicht an diese Telefonzentralen heran, die sich im Internet gut zu tarnen und verstecken wissen.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Anton Palokaj (Calibos)
    dieser terror (zumindest bei Krankenkassen) zu unterbinden. aber da besteht offensichtlich nicht wirklich ein interesse vom schweizer staat, sowas zu tun bzw. zu unterbinden. call- agent ist ein "normaler" Job, im ausland, kann man da, wenn man gut ist, das zehnfache, des durchschnittslohns machen, wenn man gut ist. also anstatt 200€ kann mann 2000€ verdienen.
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  • Kommentar von Anton Palokaj (Calibos)
    wirklich profitieren können, da sich die preise jedes jahr ändern, und die leistungen bei der grundversicherung grundsätzlich überall gleich sein müssen. es gibt auch anrufe aus der schweiz (www.maklerzentrum.ch / siehe offene stellen) die solche anrufen tätigen. alle in ein topf zu werfen finde ich völlig falsch, zumal es auch viele gibt, die den job gut machen und der job an sich nicht illegal ist, wie viel hier behauptet wird. man könnte solche hausbesuche verbieten, und somit hätte....
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  • Kommentar von Anton Palokaj (Calibos)
    arbeitete über 5 jahren in call centers (inzwischen nicht mehr). wohne auch seit über 5 jahren nicht mehr in der schweiz, sondern kosovo. hier gibts alleine in der hauptstadt prishtina 500 gemeldete (!) call centers. min. nochmals so viele ungemeldetete. nicht jeder der anruft ist ein schwarzes schaf. darum nehme ich die call centers in schutz. schliesslich wird ja niemand gezwungen einen termin zu machen, anderseits muss man sagen, dass die allermeisten mit einen neutralen vergleich....
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